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Weihnachtsgeschenke

Gabenbringer: Vom Zwarte Piet zu Jingle Belle

Geschenke bringen nicht nur der Weihnachtsmann und seine Rentiere. Lernen Sie mit dem MAINZER noch einige andere Präsenteverteiler kennen.


Weihnachtsmann Wenn Sie diese Ausgabe des MAINZERs in den Händen halten, sollten Sie eigentlich die meisten Weihnachtsgeschenke schon erworben und sicher versteckt haben - zumindest wenn es nach den guten Vorsätzen aus dem letzten Jahr geht.

Falls Sie von dem plötzlichen Auftauchen der Weihnachtsmarktstände an den verschiedensten Stellen der Stadt allerdings genauso überrascht wurden wie viele Ihre Mitbürger, hier der dezente Hinweis: In Deutschland sollten die Geschenke schon am 24. Dezember, nett verpackt in ökologisch mehr oder weniger akzeptablen Buntpapier, unter dem Baum oder an dem für sie nach alter Familientradition festgelegten Platz deponiert sein.

Likör für die Monarchen

Ein kurzer neiderfüllter Blick nach Spanien: Da werden die Präsente erst am »Día de los Reyes Magos« (Dreikönigstag, 6. Januar) überreicht. Am gleichen Tag verschwindet auch die Weihnachtsdekoration wieder auf dem Speicher - die Geschenke gibt es hier (und in einigen Staaten Lateinamerikas) nicht am Anfang sondern am Ende der Feiertage.

Pech haben nur die Kinder, die im angelaufenen Jahr nicht brav waren - für sie gibt es nur ein Stück Kohle. Mehr Glück haben die Sonnenscheinchen der Familie, die ihren Status als geschenkwürdiger Nachwuchs mit drei Gläsern Likör und Keksen unterstreichen, die die weitgereisten Monarchen an ihrem Festtag auf den Fensterbänken vorfinden.

Ob deren Nasen dann bei ihrem Zug durch die spanischen Gemeinden bald genauso rot leuchten wie bei Rudolph »the Red-Nosed Reindeer« ist noch nicht ausreichend erforscht. Es gibt auch keine Aufzeichnungen darüber, ob sich jemals ein Kind auf der iberischen Halbinsel wirklich nur mit einem Stück Kohle zufriedengeben musste.

Im internationalen Vergleich ist aber der Trend zum 24. Dezember (»Heiligabend«) nicht zu übersehen - mit einem entsprechenden Vorspiel am 6. Dezember (Nikolaustag).

Wer noch nach dem von Gaius Julius Caesar eingeführten Julianischen Kalender lebt, feiert zwar auch am 25. Dezember - aber eben julianischer Rechnung. Und dieser Termin entspricht dem 7. Januar unseres Gregorianischen Kalenders. An diesem Tag feiern auch die Kopten in Ägypten und Äthiopien, da er dem 29. Tag in ihrem Monat Khiakh bzw. Ta?sas entspricht.

Der Mann aus Myra

Zurück zum Nikolaustag: War es früher üblich, seine Stiefel auf die Fensterbank zu stellen - voller Hoffnung ein paar Süßigkeiten und Vitamine zu bekommen - hat sich der Trend zum etwas größeren Geschenk an diesem Tag deutlich verstärkt. Wieder mehr Arbeit für den älteren Herrn, der seit der Reformation etwas kürzer treten musste. Ursprünglich war er es nämlich, der am 6. Dezember die Gaben brachte, aus denen sich später unsere heutigen Weihnachtsgeschenke entwickelten.

Doch da die Reformation die Heiligenverehrung systematisch abschaffen wollte, wurden Weihnachtsmann und Christkind die neuen Geschenkeverteiler - am 24. Dezember. Nikolaus von Myra, der wohl im dritten und vierten Jahrhundert gelebt hat, war Bischof in Lykien und ist auch heute noch einer der bekanntesten und beliebtesten Heiligen - in der sogenannten »Lateinischen« wie in der Ostkirche.

Seine Befragung der Kinder (»Seid ihr im letzten Jahr auch alle brav gewesen?«) bzw. das bedeutungsvolle Studium des geheimnisvollen goldenen Buches in dem alle Taten und Untaten der Weltjugend brav säuberlich notiert sind (und das auch schon in Vor-Internet-Zeiten) gehen wohl auf eine Stelle im Matthäus-Evangelium zurück, in dem der heimkehrende Herr seine Diener nach ihren Leistungen (dem Umgang mit den ihnen zur Verfügung gestellten Talenten) befragt. Das Beschenken selbst, geht auf die Legende mit den drei Jungfrauen zurück:

Nikolaus und die Jungfrauen

In einer nicht näher beschriebenen Stadt lebte ein armer Mann mit drei Töchtern, denen er keine Mitgift zur Verfügung stellen konnte. Um sie trotzdem verheiraten zu können, wollte er sie »auf die Straße schicken« - sprich: zu Prostituierten machen - damit sie sich das nötige Geld selbst verdienen könnten.

Just an dem wohl ersten Abend dieses in unseren Augen heute recht zweifelhaften Unterfangens kam Nikolaus, damals noch nicht Bischof, an dem Haus vorbei. Er hatte gerade vorher »etwas« geerbt, erfuhr von der Misere und warf einen Goldklumpen durch das Fenster ins Haus. Dies wiederholte sich am zweiten und dritten Tag. Nach dem dritten Goldwurf sprach der Vater Nikolaus an und bedankte sich für das Geschenk. Seine Töchter konnten nun heiraten.

Die drei legendenhaften Goldklumpen fanden Eingang in die christliche Ikonographie: Nikolaus von Myra wird oft mit drei Äpfeln oder Kugeln dargestellt. Daher durfte dieses Obst lange Zeit in keinem Stiefel und auf keinem Nikolausteller fehlen.

Der »Bestrafer«

Über anderthalb Jahrtausenden nach seinem Tod sieht sich Nikolaus von Myra plötzlich seinerseits einer Befragung ausgesetzt: in Sachen Political Correctness. Während er sich selbst nichts zu Schulden kommen ließ, gehen die Blicke auf seinen »dunklen« Begleiter der ihm beim Bestrafen der »bösen Kinder« bzw. beim Verteilen der Geschenke unterstützt.

Gab es schon früher kritische Anmerkungen zu der bestrafenden »Rute«, wird in den letzten Jahren verschärft das Aussehen des Begleiters kritisiert. Diese Figur tritt regional sehr unterschiedlich in Erscheinung. Gemein ist ihnen, dass sie wohl alle auf einen Satansmythos zurückzuführen sind, auf die Inkarnation »des Bösen an sich«.

Da gibt es den alemannischen Chindlifrässer (»Kinderfresser«), dem man im 16. Jahrhundert in der Berner Altstadt sogar in dem gleichnamigen Brunnen ein Denkmal gesetzt hat. In unseren Regionen bekannter ist Knecht Ruprecht, teilweise auch Beelzebub (abgeleitet von Baal Zebub - einer Fliegen-Gottheit).

Im Elsass ist es eine historische Figur: Hans Trapp, eigentlich Ritter Hans von Trotha, der wegen eines Streites mit einem Kloster mit dem Kirchenbann belegt wurde. Eine ähnliche Vita könnte auch der in Frankreich aktive Père Fouettard haben.

Political Correctness

Geschenke werden vom Schmutzli, dem Krampus, dem Schimmelreiter, dem Bullerklas, dem Pelznickel und dem Rüpelz gebracht. Keiner stand aber je so in den Schlagzeilen wie der Zwarte Piet, seines Zeichens Begleiter von Sinterklaas in Belgien und den Niederlanden.

Der Zwarte Piet hat, im Gegensatz zu seinen oben genannten Kollegen, denen man gelegentlich gerne auch noch ein paar Hörner aufsetzt, keinerlei dämonische Aspekte mehr. Er gleicht eher einem »dunkelhäutigen Diener orientalischer Anmutung« (also eine Art »Sarotti-Mohr«), einem festlich gekleideten Assistenten. Die in den beiden letzten Jahren aufgekommene und oft sehr emotional vorgetragene Kritik sieht in ihm das Symbol eines verkappten Rassismus und die Beschönigung, ja sogar die »Rückkehr« zur Sklaverei.

Bisher keine Probleme mit der Political Correctness haben das Christkind (Kinderarbeit?) sowie St. Nikolaus und der Weihnachtsmann. Auch »gendermäßig« kann hier keine Kritik aufkommen, da das Christkind diesbezüglich schlecht zuzuordnen ist. Einige führen es auf das »Jesuskind« zurück, in Nürnberg wird dagegen z.B. stets eine junge Frau als Darstellerin gewählt.

Familie Claus

Die Weihnachtsfrau ist ebenfalls auf dem Vormarsch. Legenden- bzw. sagenhaft, gibt es sie nur in Finnland, wo sie als Joulumouris ihren Mann Joulupukki unterstützt und in erster Linie für das Backen von Pfefferkuchen zuständig ist.

Doch die amerikanische Mrs. Claus (»Mother Christmas«) tritt auch schon seit 1849 in der Literatur auf (James Rees: »A Christmas Legend«). Sie zeichnet ebenfalls für die Plätzchen verantwortlich (eine Tätigkeit, bei der sie sich auf die Hilfe der Elfen stützen kann), kümmert sich um die jahreszeitlich stark strapazierten Rentiere und hilft bei der Produktion der Weihnachtsgeschenke.

Googelt man im Internet nach der »Weihnachtsfrau«, muss man sich erst durch diverse Anzeigen von »Sexy Dessous«, Fastnachtsutensilien und Schokolade-Nikolausinnen durchkämpfen, bis man auf die Agenturen stößt, die die weiblichen Pendants zum Weihnachtsmann anbieten. Also ist auch hier Entwarnungan gesagt: Wer in unseren Breiten partout eine Weihnachtsfrau einsetzen möchte - sei es bei Verkaufsaktionen oder Bescherungen, wird durchaus fündig.

Bleiben wir noch kurz bei Familie Claus: Das Ehepaar hat auch eine Tochter namens Kitty, die erstmals 1892 in einer Burlesque von Everett Elliott und F. W. Hardcastle auftritt. In »Santa Claus' daughter« wünscht sich die nur zwischen Elfen aufgewachsene junge Dame, dass ihr Vater ihr einen Ehemann besorgt. Im Laufe der Geschichte lässt sie sich dabei zu dem Satz hinreißen: »That is the mission of a pretty girl; to make at least one man better.«

Weit von dieser Einstellung entfernt ist eine andere Tochter des Hauses: »Jingle Belle« treibt, ebenso hübsch wie ungezogen, in einer Comic-Serie von Paul Dini ihr Unwesen. Womit wir zu guter Letzt zumindest eine Geschenkidee für die Freunde des gezeichneten Humors gefunden hätten.

| MDL