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»Dieses Handeln ist alternativlos«

Frau Merkel sprach diesen Satz. Prof. Dr. med. Gerhard Trabert wiederholt ihn gerne, denn auch sein Handeln ist alternativlos, er kann nicht anders. Der »Sozialarbeiter mit einer speziellen Qualifikation als Arzt« hört nicht auf, sich für Gleichwürdigkeit einzusetzen.


prof. dr. trabert

Gerhard Trabert ist ein Mainzer, der ein mindestens bundesweit bekanntes Mainzer Modell aufgebaut hat:

Die gesundheitliche Wohnungslosenbetreuung unter dem Dach des Vereins Armut und Gesundheit. Seit 1994 gilt seine Person dafür als Aushängeschild: Für die Wohnungslosen, die er als Arzt mitbetreut und für die Öffentlichkeit, wenn er den Respekt auf Augenhöhe für die Wohnsitzlosen von Allen einfordert.

Der 59-Jährige berichtet mit unterdrücktem Zorn von »den Strukturen«, die krank machen und gesund werden verhindern: Von Menschen, die nicht krankenversichert sind - es werden ständig mehr. Die Klientel reicht von EU-Bürgern, die hier keine versicherungspflichtige Arbeit haben, über Alleinerziehende, die die Krankenkassenbeiträge und Rentner, die die Beiträge für die Private Krankenversicherung nicht mehr zahlen können bis hin zu den sogenannten Illegalen, denen jeder Aufenthaltstitel verweigert wird. Sie alle sind, zwangsläufig, Klienten für die Medizinische Ambulanz ohne Grenzen auf der Zitadelle. Diese »Ambulanz für Menschen in prekären Lebenslagen«, der Street Jumper, der Snoezelenraum, die medizinische Betreuung von Flüchtlingen: alle Leistungen des Vereins Armut und Gesundheit werden hauptsächlich ehrenamtlich erbracht.

Seit 21 Jahren handelt Trabert und redet darüber. Verändert hat sich nicht wirklich etwas. Er lässt sich nicht entmutigen, folgt dem Grundsatz, Menschen ganzheitlich zu betrachten, Medizin und Psychosomatisches zusammenführen, nicht eindimensional nur den Körper oder nur die Seele zu betrachten. 2003 gründete er gemeinsam mit der Sozialpädagogin Anita Zimmermann »Flüsterpost«. Der Verein kümmert sich um die Kinder krebskranker Eltern.

Seine Motivation, so erklärt er, wird gespeist aus seiner Kindheit. Trabert wuchs im Mainzer Waisenhaus auf, sein Vater war dort Erzieher und später stellvertretender Leiter. Der junge Trabert erlebte, dass er mehr Geschenke bekam als die anderen Kinder und dass er mit seinen Eltern in Urlaub fahren konnte. »Als Kind konnte ich gegen diese Ungleichheit nichts unternehmen. Als Erwachsener kann ich das.« Deshalb macht er es.

Er wandert dabei mit seinem Team auf dem Grat zwischen Empathie und professioneller Distanz: Engagiert und empathisch sein, ohne mit zu sterben, einen Schritt zurücktreten, um sich selbst zu schützen, gleichzeitig dicht an den Menschen bleiben. »Wir sensibilisieren für einen bewussten und wertschätzenden Umgang mit der Sprache, wir treten Vorurteilen mit Fakten entgegen und erarbeiten Lösungsmöglichkeiten.« Wir, das ist das ganze Team, das sind auch die Studis, die der Professor für Sozialmedizin und Sozialpsychiatrie am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Rhein-Main als Sozialarbeiter ausbildet. »Junge Menschen zu sehen, die ihre eigene Kraft einsetzen, um anderen zu helfen, das spornt auch mich immer wieder an.«

Das andere Leben

Trabert ist nicht nur empathisch und zornig, geht es um »seine« Klienten er begeistert sich ebenso für Anderes. Früher ein erfolgreicher Hürdenläufer, läuft er heute bis zu fünfmal die Woche, bis zu jeweils 45 Minuten, allerdings ohne Hürden zu überspringen. »Regeneration und Meditation« nennt er dieses Sportprogramm. In Schwung kommt Trabert auch beim Tanzen - immerhin hat er das goldene Tanzsportabzeichen und liebt Rumba (»der erotischste Tanz überhaupt«) und Langsamen Walzer. Während seines »Sea Watch«-Einsatzes auf Lampedusa im Sommer lernte er die Spritzigkeit von Motorrollern kennen und will sich ein solches Gefährt zulegen: »Einfach weil es Spaß macht!«

| SoS