+ spielArt: Theaterseiten - Oktober 2015 - Heft 301 - DER MAINZER - Das Magazin für Mainz und Rheinhessen
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spielArt: Theaterseiten

Theresia Walsers Komödie
»Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel«

»Mein Leben gibt es ja bald auch als Oper«


Ich bin wie ihr
»Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel«
© Bettina Müller

Darf man das? Lachen über Grausamkeiten, über Diktatoren und ihre luxusliebenden Gattinnen mit gestörtem Verhältnis zur Wirklichkeit? Die Schauspielerin Catherine Janke hat eine eindeutige Antwort: »Man darf nicht lachen: Man muss lachen, damit das Grauen erträglich wird.«

»Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel« ist eine Komödie par excellence. Ein brüllend komisches und zugleich bitterböses Stück, in dem die drei Ehefrauen von Erich Honecker, dem ehemaligen philippinischen Präsidenten Marcos und dem tunesischen Ex-Präsidenten Ben Ali aufeinandertreffen, ihren Männern nach wie vor treu zur Seite stehen und sich auf höchstem Niveau angiften.

Frau begegnet sich vor einer Pressekonferenz - ihr Leben soll verfilmt werden - und redet aneinander vorbei. Getoppt wird das Ganze, wenn bei all den aggressiven Banalitäten Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur ärgerlichen Nebensache werden. Zwischen den Fronten: ein Dolmetscher, der nicht wirklich übersetzt, sondern die Kakophonie der Stimmen durch eigene Interessen verstärkt.

Die beiden Luxemburger Schauspieler Catherine Janke und Luc Feit spielen in dieser Koproduktion gemeinsam mit den Ensemblemitgliedern Anika Baumann und Anna Steffens - sowie Alin Deleanu aus dem Opernensemble. Denn wie Imelda Marcos so schön sagt: »Mein Leben gibt es ja bald auch als Oper. Ich hatte immer das Gefühl, dass mein Leben gesungen werden muss.«

»Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel« von Theresia Walser

Koproduktion mit Les Théâtres de la Ville de Luxembourg
Inszenierung: Heike M. Goetze

Premiere 24. Oktober, Kleines Haus
Weitere Vorstellungen: 28.10., 8.11.



Große Chöre, innige Lyrik und starke Charaktere

Die Oper »Faust (Margarete)« im Großen Haus


Derrick Ballard als Mephistopheles
Derrick Ballard als
Mephistopheles in
»Faust (Margarete)«
© Andreas Etter

Nicht der zweifelnde Wissenschaftler Faust steht im Zentrum von Charles Gounods Oper »Faust (Margarete)« - der wird eher zum von der Midlife-Crisis geplagten Allerweltsmann.

Vielmehr konzentrieren sich Musik und Handlung auf die junge Frau, die in Klammern steht: Margarete. Denn Gounod hatte erkannt, dass die Kunstform Oper weniger dazu geeignet ist, die philosophischen und erkenntnistheoretischen Probleme des Stoffes zu erörtern, sondern vielmehr die emotionalen Momente zeigen kann. Und sicher bietet sich dafür am ehesten die Gretchentragödie an. Mephistopheles führt Faust, der Jugend und Liebe sucht, verjüngt in ihre Welt und schafft es, Margaretes Bruder Valentin und den jungen Verehrer Sibel aus dem Bild zu schaffen. Mit großen Chören, die mit Walzer, Bacchanal und Kirchenchor an die Grand Opéra erinnern, zwischen Virtuosität und inniger Lyrik changierenden Melodien und einem effektvoll instrumentierten Orchestersatz hat Gounod Musik geschaffen, die eingängig ist, aber vor allem starke Charaktere zeichnet.

Hausregisseurin Elisabeth Stöppler, die bereits zuletzt mit Médée einen Stoff in Szene gesetzt hat, in deren Zentrum das tragische Schicksal einer Frau steht, inszeniert Gounods Werk im Großen Haus. Fausts realistische Welt wird durch Mephisto verändert und erweitert: Surreal und alptraumhaft geraten die Feierszenen bei Wagner (Gounods «Auerbachs Keller«) und intensiv das innere und äußere Drama der Margarete. Mit Vida Mikneviciute (Margarete), Philippe Do (Faust) und Derrick Ballard (Mephistopheles) in den Hauptrollen entsteht so große Oper, die in klaren Bildern berühren möchte. Die musikalische Leitung übernimmt der neue Dirigent in Residence Clemens Schuldt, der jüngst zum Chefdirigent des Münchner Kammerorchesters ernannt wurde.

»Faust (Margarete)« von Charles Gounod

Musikalische Leitung: Clemens Schuldt
Inszenierung: Elisabeth Stöppler

Premiere: 23. Oktober, 19.30, Großes Haus
Weitere Spieltermine: 30.10., 9.11.



Endlich wieder da

»Grimm. Ein deutsches Märchen«


Derrick Ballard als Mephistopheles
»Grimm. Ein deutsches
Märchen« © Bettina Müller

»Alles gewollt, alles gewagt, alles gewonnen: »Grimm. Ein deutsches Märchen« als Theatertriumph in Mainz«, jubelte die Presse über das außergewöhnliche Mainzer Theaterprojekt von Jan-Christoph Gockel, das nun sein Comeback auf der Bühne des Kleinen Hauses feiert. Was aber ist an diesem Abend so besonders?

Sind es die Puppen, die die fleischlichen Protagonisten wie einen psychologischen Zerrspiegel doubeln, bis hin zur finalen vier Meter hohen Überpuppe? Ist es die Lebensgeschichte der beiden spröden, unzertrennlichen Brüder Jakob und Wilhelm, die das sprachlich literarisch Vergangene gegen ihre von revolutionären Umbrüchen geprägte Gegenwart zu schützen suchten? Sind es die uns allen bekannten Märchen, die uns in Gedanken an jene Tage nostalgisch zurückwandern lassen? Ist es die Familie Grimm, eine Familie, die um den Verlust des Vaters trauert - einen Verlust, den die Brüder Grimm mit ihrer Sammlung der Kinder- und Hausmärchen, der Worte und ihrer Geschichte kompensieren müssen, weil der Zeitgeist sie verschlingen würde? Der Charme des Ensembles, das zwischen Sitcom, Familienidylle, zwischen Prolo-Widerstand und Gangstastyle, zwischen Puppenspiel und Alberei, den Brüdern Grimm und ihrer Zeit ein Denkmal setzt? Oder sind es die vielen Figuren, ob Rotkäppchen und Dornröschen, die sieben Zwerge und Geißlein, Napoleon, der Prinz, der Riese, der Wolf, Ernst August von Hannover, die Glorreichen Göttinger Sieben und viele mehr, die an diesem Abend zu sehen sind. Die die träumerische Atmosphäre der Romantik versprühen und sie in die Gegenwart, ins Kleine Haus des Staatstheaters tragen? Das alles und viel mehr ist »Grimm. Ein deutsches Märchen«. Gründe genug also für ein Wiedersehen in einer Neuauflage!

»Grimm. Ein deutsches Märchen«

Theaterprojekt von Jan-Christoph Gockel und David Schliesing
Inszenierung: Jan-Christoph Gockel

Wiederaufnahme: 10.10., Kleines Haus
weitere Spieltermine: 16. und 25.10., 14. und 17.11.

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Alle Termine und Informationen auf
www.staatstheater-mainz.com