Kontakt + Impressum
Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
Media-Markt-Quiz

Fragen beantworten
und gewinnen beim
Media-Markt-Quiz!
Jeden Monat können Sie mit dem MAINZER attraktive Media-Markt-Gutscheine im Wert von 100, 50 oder 30 Euro gewinnen, indem Sie die Quiz-Fragen richtig beantworten. Dabei hilft Ihnen die aktuelle Media-Markt-Anzeige aus dem aktuellen Heft.
Media-Markt-Anzeige
Mehr Informationen hierzu finden Sie auf der Seite >>> Media-Markt-Quiz

Werbung

MAINZER KOPF

Herzlich empfangen

In die leicht meenzerische Sprachfärbung mischt sich eine weitere Sprachmelodie, Gründlichkeit mischt sich mit Gelassenheit. Aldo Sottile ist Mainzer und Italiener. Am diesjährigen Tag der Deutschen Einheit feiert er den 50. Jahrestag seiner Ankunft in Mainz.


Aldo Sottile

Dass der 3. Oktober einmal der Nationalfeiertag für die deutsche Wiedervereinigung werden könnte, war 1965 ganz sicher nicht absehbar. Der damals 14-jährige Aldo Sottile, seine zwölfjährige Schwester Antonietta, sein vierjähriger Bruder Matteo und seine Mutter feierten am 3.10.1965 dennoch eine Wiedervereinigung - familiärer Art. Vater Vincenzo Sottile arbeitete als »Gastarbeiter« bereits ein halbes Jahr in Mainz, bevor die Familie nachzog.

Persönliches Vorbild

»Wir wurden in Hechtsheim sehr herzlich empfangen und hatten auch direkt Anschluss«, erinnert sich Sottile an die Ankunft. Die italienische Familie wohnte im Haus einer deutschen Familie, die Kinder spielten gemeinsam und der »Hausherr« Anton Gläser half Aldo, seinen Traumberuf erlernen zu können: Autoschlosser. Bei Roland Schimpf fand Aldo eine Lehrstelle, was in jenen Jahren so selbstverständlich nicht war. Die meisten Gastarbeiter ohne Berufsausbildung arbeiteten in Deutschland als Hilfsarbeiter. Sottiles Lehrherr sorgte nicht nur für die fachliche Ausbildung, inklusive Platz in der Berufsschule und für Deutschunterricht, er war dem jungen Italiener auch ein persönliches Vorbild.

»Es war mein größtes Glück, ihn kennenzulernen, er hat sich rührend um mich gekümmert« schwärmt Sottile. »Er hatte eine offene, direkte Art und sagte immer was Sache ist, höflich aber bestimmt. Außerdem war er zuverlässig und pünktlich.«

Wer Aldo Sottile kennt weiß, diese Eigenschaften sind auch ihm eigen. Der Chef der gleichnamigen Schaustellerfirma sagt, was er meint, und weiß seine Interessen zu verteidigen. Gleichzeitig können seine verbindlich-freundliche Art, die mit einer großen Portion Humor garniert ist, Diskussionen schön entspannen. Und dann ist da noch seine Zähigkeit. Die auf eine harte Probe gestellt wurde, als »der Italiener« Anfang der 70er Jahre um »die Klosterschülerin« Margit Barth warb. Es bedurfte einiger Überzeugungsarbeit, bis die Eltern Rudolf und Marlies Barth den Schwiegersohn akzeptierten. 1974 heirateten Aldo und Margit, sie trägt seither den Doppelnamen Sottile-Barth.

Geregeltes deutsches Leben

Bis Aldo Sottile seinen geliebten Beruf als Autoschlosser aufgab und ins Barth'sche Schaustellerunternehmen eintrat, bedurfte es wiederum einiger Überzeugungsarbeit seiner resoluten Schwiegermutter Marlies Barth. Aber schon kurz nach der Hochzeit war es soweit. Mit dem 1976 geborenen Sohn Marco ist mittlerweile die fünfte Generation im Schaustellerunternehmen Sottile-Barth vertreten.

Während Aldo Sottiles Mutter ihren Lebensabend in der alten Heimat, von der Schwester umsorgt, verbringt, kann sich der 64-Jährige nicht mehr vorstellen, dort zu leben: »Ich habe mich zu sehr an das geregelte deutsche Leben gewöhnt«, stellt er fest. Aber obwohl er sich als Mainzer fühlt, will er seine italienische Staatsbürgerschaft nicht aufgeben. »Den Pass abzugeben das fühlt sich für mich an, wie meine Wurzeln zu verleugnen.«

Tomatensoße und Rouladen

Die Frage, was Aldo Sottile in seiner »Freizeit« macht, erstaunt ihn. Zu tun gibt es im Schaustellerhandwerk immer etwas, meist zu Zeiten, wenn andere frei haben. Haus und Garten wollen außerdem gepflegt sein und dann wäre da noch - die Tomatensoße! »Opa macht die allerbeste Tomatensoße« behauptet der zehnjährige Enkel. Kein Wunder, vier Stunden köchelt die »salsa al pomodoro« vor sich hin. Überhaupt Kochen: Rindergulasch und Rouladen sind Sottiles Lieblingsspeisen, die, so behauptet Ehefrau Margit, hervorragend gelängen.

Nach der Devise »wer rastet, der rostet« blickt Aldo Sottile seinem 65. Geburtstag im Januar entgegen und kann sich unter »Ruhestand« noch gar nichts vorstellen.

| SoS