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TITELSTORY

Erneuerbare Energien: Investitionen in die Daseinsvorsorge?

Die Stadtwerke Mainz AG engagieren sich u.a. in vielen Bereichen der Erneuerbaren Energien. Was hat der Mainzer Stromkunde davon? Bzw. trägt dieses Engagement dazu bei, dass die Stromerzeugung in Mainz langfristig gesichert ist? DER MAINZER fragte nach.


Solarpark Tutow II in Mecklenburg-Vorpommern
Die Solaranlage im Solarpark Tutow II in Mecklen­burg-Vorpommern, an dem die SWM AG beteiligt ist, besteht aus über 330.000 Solarmodulen, hat eine Leistung von 25,4 MWp und soll pro Jahr gut 26 Millionen KWh Strom produzieren.

Eines vorweg. Die SWM AG spielen im Mainzer Wirtschaftsgeschehen mehrere Rollen. Die AG muss sicherstellen, dass die Bevölkerung mit Elektrizität, Gas, Wasser und Wärme versorgt wird, sie ist für die Entsorgung, den öffentlichen Nahverkehr, den Betrieb eines Hafens, den Betrieb der städtischen Fernmeldeanlagen, das Erbringen von Kommunikationsdienstleistungen jeglicher Art, die Entwicklung und gewerbsmäßige Vermarktung der eigenen Immobilien sowie den Betrieb der Straßenbeleuchtung zuständig.

Gleichzeitig will die Konzernmutter, die Stadt Mainz, Geld sehen und die SWM müssen in die Zukunft der Daseinsvorsorge investieren. Soweit der Geschäftsbericht der AG Auskunft gibt, werden bislang alle drei Funktionen bedient.

Geld für Öffentliche Aufgaben

Der Umsatz der SWM betrug 2014 407 Mio. €, sie erwirtschaftete unter dem Strich einen Jahresüberschuss von 23,6 Mio. €, das sind etwa 10,3 Mio. € mehr als im Vorjahr.

Diese Sonderausschüttung resultiert wiederum aus der um 10 Mio. € gestiegenen Dividende der KMW und wird zur Finanzierung des Mainzelbahn-Projektes genutzt (die KMW hat Mittel für einen Kraftwerksneubau angesammelt, die aufgrund der energiewirtschaftlichen Situation in der Höhe nicht benötigt werden.) Außerdem zahlten die SWM an die Zentrale Beteiligungsgesellschaft Mainz (ZBM) eine Dividende von 7,5 Mio. €, glichen das Nahverkehrsdefizit von rund 15 Mio. € aus, zahlten an die Stadt Mainz eine Konzessionsabgabe in Höhe von 17,2 Mio. € (für das Recht, auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen Leitungen zu verlegen und damit Gas-, Strom-, oder Trinkwassernetze betreiben zu können) und Gewerbesteuer in Höhe von 0,8 Mio. €, unterstützten die Mainzer Stiftung für Klimaschutz mit 0,5 Mio. €.

Das macht summasumarum 51 Mio. €, die zur Finanzierung öffentlicher Aufgaben herangezogen werden. Außerdem erhöhte die SWM AG ihr Eigenkapital um rund 16 Mio. € und damit die Eigenkapitalquote auf 34,1 Prozent.

Verantwortlich ist die SWM AG für die kommunale Daseinsvorsorge. Dazu dienen auch die Investitionen in die Erneuerbaren Energien (Sonne und Wind), die SWM AG sind Mitbetreiber an den Wasserkraftwerken (in Plettenberg an der Lenne und Wiesenberg an der Zwickauer Mulde) am Pumpspeicherkraftwerk in Heimbach und am Geothermieprojekt der Überlandwerke Groß-Gerau, sowie an der Power To Gas-Anlage in Mainz-Hechtsheim.

Laut Pressesprecher Michael Theurer verdienen die SWM mit diesen Investitionen in die Erneuerbaren Geld, wobei mehr im Solarbereich als im Windbereich, während die Wasserkraft insbesondere mit Blick auf die Grundlastfähigkeit interessant ist und Pumpspeicherkraftwerk und Geothermieanlage noch in der Planung sind.

Pumpspeicherkraftwerk der SWM AG in Heimbach
Im (noch nicht genehmigten) Pumpspeicherkraft­werk der SWM AG in Heimbach soll, in Zeiten, in denen es ein Überangebot an Strom gibt, Wasser aus einem Unterbecken in einen höher gelegenen künstlichen Speichersee gepumpt werden. Steigt der Stromverbrauch, kann das Wasser abgelas­sen, durch Rohre zu Turbinen geleitet und so um­weltfreundlich Strom erzeugt werden.

Beide Projekte sind ebenfalls eine Investition in die Zukunft, d.h. laut Aussage von Theurer tragen sie dazu bei, die Versorgungssicherheit von Unternehmen und Privatkunden im Versorgungsgebiet der SWM zu sichern: »Gerade die grundlastfähigen Erzeugungsarten wie Geothermie oder Wasserkraft mit ihrer hohen Verfügbarkeit das ganze Jahr über können helfen, die Schwankungen zwischen der Stromerzeugung aus Wind- und Sonnenkraft und der tatsächlichen Stromnachfrage auszugleichen. Das Gleiche gilt für neue Speicherprojekte wie den Energiepark oder das Pumpspeicherprojekt PSW Heimbach.«

Im Wettstreit der Energiekonzerne spielt auch das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk (GuD) auf der Ingelheimer Aue eine Rolle. Durch die Runderneuerung, die 2014 60 Mio. € kostete, dürfte es für weitere 10-15 Jahr einsatzfähig bleiben und kann den aktuellen Anforderungen der Stromerzeugung gerecht werden kann: Die Anlagen, die die Grundlast in der Stromerzeugung sichern, müssen flexibel, also schnell hoch- und runtergefahren werden können. Das GuD soll dazu jetzt in der Lage sein und kann weiter, wenn auch in reduziertem Umfang, Strom produzieren und Geld verdienen. Außerdem gelang es der SWM AG, den eigentlich bis Ende 2016 befristeten Gaslieferungsbetrag ein Jahr zu verlängern, was für weitere 2.500 Stunden Strom, Fernwärme und Prozessdampf ausreichen dürfte.

Bleibt als Geschäftsfeld, in das die SWM, nach dem Verkauf ihrer entega-Anteile 2010 erneut einsteigen wollen: Der Vertrieb von Gas und Strom mit einem neuen Kooperationspartner. Bis Ende des Jahres, so SWM-Pressesprecher Theurer, könnte ein Vorschlag vorliegen, »wie es beim Strom- und Gasvertrieb 2016 weitergeht.«

Dezentral und regional

Einen wesentlich bescheideneren Ansatz, mit Investitionen in erneuerbare Energien die Stromversorgung dauerhaft zu sichern, verfolgen Bürgerenergiegenossenschaften. Dezentral und regional sind die Schlagworte unter denen sie operieren. Der Ökostrom wird in der Region in eigenen Solar- oder Windkraftanlagen produziert. Die Rendite-Erwartung der Genossenschaftsmitglieder steht dabei nicht im Vordergrund, sondern der Beitrag zur Energiewende (Investitionen in erneuerbaren Energien) und zum Schutz des Klimas (Reduzierung des CO2-Austoßes), weshalb das Genossenschaftsmodell auf meist ehrenamtlicher, nichts destotrotz höchst professioneller Leitung basiert.

In RLP haben sich 20 Bürgerenergiegenossenschaften in einem Landesnetzwerk zusammengeschlossen, das mit 250.000 € vom Land unterstützt wird. 20 Bürgerenergiegenossenschaften aus Rheinland-Pfalz sind Mitglied, außerdem das Netzwerk »Energiewende jetzt«, der Genossenschaftsverband Neu-Isenburg sowie eine Energiegenossenschaft aus Nordrhein-Westfalen und eine mit Sitz im Saarland. Die Mitgliedsgenossenschaften mit ihren fast 5.000 Mitgliedern hatten Ende 2014 in lokale Erneuerbare-Energien-Anlagen mit einer installierten Leistung von insgesamt rund 33 Megawatt gut 52 Mio. € investiert.

Eine dieser Bürgerenergiegenossenschaften - die UrStrom eG - produziert auf Mainzer und auf rheinhessischen Dächern Strom, der direkt in den jeweiligen Gebäuden verbraucht wird. Regionale Energieproduktion und -versorgung in Reinform. Auch ohne ein eigenes Dach zur Verfügung zu stellen, können Privat- und Gewerbekunden bundesweit unter dem Label UrStrom pur 100% Ökostrom beziehen. Dieser stammt aus einem deutschen Wasserkraftwerk sowie zu einem wachsenden Anteil aus Bürgerenergieanlagen in Südwestdeutschland. Wenn eine bestimmte Zahl an Abnehmern erreicht ist, kann auch UrStrom eG ihren eigenen Strom an ihre Kunden vertreiben. 100% regionaler Ökostrom von Bürgern für Bürger.

| SoS

www.stadtwerke-mainz.de
www.urstrom.com

Power to Gas - im Mainzer Energiepark

Die »größte grüne Wasserstoffanlage der Welt« ist im Mainzer Energiepark seit Anfang Juli 2015 in Betrieb. Stadtwerke Mainz AG, The Linde Group, die Siemens AG und die Hochschule RheinMain testen hier gemeinsam die Speicherung von Stromüberschüssen in den Versorgungsnetzen.

Wasserstoffanlage im Mainzer Energiepark

Durch die sogenannte »Power-to-Gas-Technologie« wird durch Windkraft erzeugter Strom mittels eines Elektrolyseverfahrens in Wasserstoff umgewandelt. Dieser Wasserstoff kann in das Erdgasnetz eingespeist oder gespeichert werden. D.h., er ist bedarfsgerecht einsetzbar und steht dann zur Verfügung wenn Wind und Sonne Pause machen, spielt somit als Speichertechnologie beim Ausbau der Erneuerbaren Energien eine Rolle. Außerdem kommt er in Brennstoffzellen-Fahrzeugen zum Einsatz.

Als »Grün« kann diese Wasserstoffanlage aufgrund des direkten Anschlusses an die vier benachbarten Windräder, die zur Stadtwerke-Unternehmensgruppe gehören, bezeichnet werden. Deren »überschüssige« Windenergie ist die energetische Grundlage zur umweltfreundlichen Erzeugung des Wasserstoffs.

Der Energiepark Mainz ist ein Forschungsvorhaben, das der Bund mit 8,5 Mio. € fördert, weitere 8,5 Mio. € tragen die Partner der Anlage. Die SWM AG begründet ihre Mitarbeit u.a. mit »der tollen Perspektive, die Wasserstoff als speicherbarer Energieträger, möglicherweise später auch als klimafreundlicher Treibstoff für Mainzer Busse hat.«