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Christian Heidel:
»Du bist schnell der Größte, und noch schneller der größte Depp«

Der 05-Manager setzt auf die Rolle des FSV als Weiterbildungsverein, freut sich auf neue Spieler und registriert die immer weiter steigende Erwartungshaltung der Fans: Dauerhaft Bundesliga ohne Konzern oder Mäzen im Hintergrund ist unglaublich schwer.


Herr Heidel, Mainz wurde in letzter Zeit öfters als »Ausbildungsverein« bezeichnet - Sie ziehen den Ausdruck »Weiterbildungsverein« vor. Haben Sie eigentlich bei einem Transfer immer schon eine »vorzeitige Verkaufsoption im «Hinterkopf? Konkret: Freuen Sie sich, wenn sich spätestens ab der übernächsten Saison die Scouts internationaler Vereine auf der Haupttribüne drängeln, um z.B. Yoshi Muto zu beobachten.

Natürlich spielt die Weiterverkaufsmöglichkeit bei unseren Überlegungen eine wichtige Rolle. Insbesondere wenn es um die Preisfindung geht. Verpflichte ich einen 28 jährigen ist die Wahrscheinlichkeit eines werthaltigen Weitertransfers geringer. Also muss die Ablöse im Rahmen bleiben. Shinji Okazaki hat diese ungeschriebenen Gesetze allerdings ausser Kraft gesetzt. Muto hat alle Zeit, sich hier in Ruhe zu entwickeln.

Sehen das die neuen Spieler ähnlich? Kommt auch ein Yoshi Muto u.a. »nur« deshalb nach Mainz, weil er hier eine, für ihn wirtschaftlich sicherlich nicht unattraktive, Akklimatisierungsphase am europäischen Markt durchleben möchte?

Das ist neben Kontinuität in allen Belangen unser grösstes Marketinginstrument. Und wir können es anhand vieler Beispiele belegen. Ein Johannes Geis sagt z. B öffentlich: "Die beste Entscheidung in meiner Laufbahn war der Wechsel nach Mainz" Junge Spieler vergessen solche Aussagen nicht.

Wie wichtig ist es in Ihren Augen, dass es beim FSV auch Spieler gibt, die sich langfristig an den Verein binden und damit zu Identifizierungspersönlichkeiten werden? Was bedeuten in diesem Zusammenhang der Weggang von Nikolce Noveski und der 2015/16 auslaufende Vertrag von Niko Bungert?

In der heutigen Zeit ist das immer schwieriger und deshalb umso wichtiger, dass du Konstanten in der Mannschaft hast. Deshalb war es uns wichtig mit Baumgartlinger und Malli zu verlängern. Auch Niko Bungert ist sehr wichtig für uns, auch ihn wollen wir sehr gerne länger binden.

Was überzeugt eigentlich letztendlich Spieler wie Muto, dass Mainz der richtige Verein für sie ist? Und wie bringen Sie einem jungen japanischen Spieler die Ausprägungen der rheinhessischen Kultur (von der Fastnacht bis zur Fleischwurst) näher?

Ich habe eine gewisse Erfahrung mit asiatischen Spielern und deren Mentalität. Wertschätzung und Respekt spielen eine grosse Rolle. Also habe ich mich in den Flieger gesetzt, 12 Stunden nach Tokio, 3 Stunden mit ihm gesprochen, zum Flughafen und wieder 12 Stunden zurück.Jetzt wusste er: Wir wollen nicht nur den Fussballer, wir wollen auch den Menschen. Es war ein tolles Gespräch. Und natürlich habe ich ihm auch von unserer tollen Stadt erzählt. Weck Worscht und Woi stand jetzt aber nicht unbedingt im Vordergrund. Es gab Sushi....

Gonzalo Jara hat gerade mit der chilenischen Nationalmannschaft die Copa America gewonnen. In Mainz lief es dagegen für ihn nicht so gut - es wird kolportiert, dass man ihm den Wechsel zu einem anderen Verein nahe gelegt hat. Können Sie uns dazu etwas sagen?

Er hat bis zu seinem Aussetzer ein tolles Turnier gespielt. Wir haben vor der Copa und nach der Copa gesprochen. Auch mit seinem Berater. Gonzo muss sich viel mehr mit den Regeln und Begebenheiten in Deutschland und bei Mainz 05 arrangieren. Dabei geht es nicht um Leistung auf dem Feld. Er ist Teil einer Gruppe und muss sich so verhalten. Macht er das, hat er alle Chancen, macht er das nicht, hat er keine Chance.

Würden Sie uns zustimmen wenn wir sagen, dass der FSV auch für 2015/16 wieder einen vielversprechend Kader aufweist - aber in der Innenverteidigung und in der Spitze noch ausbaufähig ist?

Ich bin immer vorsichtig wenn es Vorschusslorbeeren gibt. Du bist schnell der Grösste und noch schneller der grösste Depp. Wir haben wichtige und hoffentlich richtige Entscheidungen getroffen. Hellseher sind immer nur die Kritiker, denn sie müssen nicht entscheiden (lacht). Wir werden sicher in der Innenverteidigung noch etwas tun und lassen uns im Sturm noch etwas mehr Zeit.

Wo steht Mainz 05 in 10 Jahren?

Vor 10 Jahren, nach unserer ersten Bundesligasaison, wurde ich das auch gefragt und habe geantwortet: Ich hoffe, in der Bundesliga! Alle haben gelacht! Heute gebe ich die gleiche Antwort und viele werden sagen: Man muss sich höhere Ziele setzen. So ändern sich die Zeiten und die Erwartungshaltung. Dauerhaft Bundesliga in einer 200.000 Einwohnerstadt ohne die grosse Bundesligatradition und ohne Konzern oder Mäzen im Hintergrund ist unglaublich schwer. Ich hoffe, dass verstehen die Mainzer und stehen auch in schwierigen Zeiten zu ihrem Club. Wenn nicht, sind wir ganz schnell weg vom Fenster.

| MDL