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Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
Sonderbeilage der MVG

Das große Special der
MVG und des MAINZERS:
111 Jahre Elektrische Straßenbahn

Am 11. Juli 2015 lädt die MVG zum Sommerfest in die Gaugass ein! Schauen Sie hinter die Kulissen des Unternemehns. Fahren Sie mit der Oldtimer-Straßenbahn zum MVG-Betriebshof!
111 Jahre Elektrische Anmeldungen zu einzelnen Jubiläumsveranstaltungen sind am Infostand der MVG ab 11.11 Uhr am Gautor möglich! Mehr Informationen gibt es hier >>>

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Spitzfindig

Tradition? Welche denn?

Das Weinhaus Bluhm in der Altstadt ist eine Institution. Deren Fortbestand durch den Pächterwechsel gefährdet ist. So jedenfalls äußern sich viele der Gäste, die sich dort unter der Leitung von Familie Ladendorf seit Jahren wohlfühlen.


weinhaus bluhm

Beim Lesen der Leserbriefe und Artikel zu diesem Thema in der AZ fragte ich mich immer wieder, welche Tradition diese Bluhm-Gäste meinen.

Ich lernte »das Bluhm« Ende der 1980er kennen. Hier gab es normalen Wein und Flaschenbier zu trinken, dazu »Sportlerrippchen« und Wurst- oder Käsebrote, jeden Freitag Frikadellen »auf die Hand« zu essen. An den langen Tischen hockten Alteingesessene und Studies meist einträchtig beieinander. Hier konnte man, ging es um Politik, noch Sätze hören, die dem DKP-Parteiprogramm alle Ehre gemacht hätten. Im »Räumche« wurde gekickert, an sämtlichen Mainzer Feiertagen tanzte der Bär. Das alles zu einem Preisgefüge, das auch weniger Wohlhabenden die regelmäßige, manchen sogar tägliche Einkehr ermöglichte.

Über allem wachten Bernd, Lotti, Tante Gerda und bis etwa Mitte der 90er noch »Frau Bluhm«, die Mutter von Bernd. Ihre Art mit den Gästen umzugehen, den »Herrn Doktor« genauso freundlich zu behandeln, wie den armen Schlucker - das war das Besondere im Weinhaus Bluhm. So gab es das in anderen Mainzer Weinstuben nicht. Das war zu dieser Zeit »Bluhm'sche Tradition«.

Ohne das im Nachhinein zu sehr verklären zu wollen, was sich in diesem Weinhaus oft tagtäglich begegnete, war eine Art Großfamilie. In der es Krach gab, in der getratscht wurde, die schöne und hässliche Intrigen spann, und in der alle Respekt hatten vor den Wirtsleuten. Unvergessen bleibt, wie die körperlich wirklich nicht große Lotti Krakeeler zum Verstummen brachte.

Mit dieser »Bluhm-Tradition« war es vorbei, als Bernd und Lotti ihren wohlverdienten Ruhestand antraten. Die Nachfolger hatten andere Ideen - und jedes Recht dazu die umzusetzen! Nach und nach suchten fast alle Bluhm-Stammgäste das Weite. Stattdessen kamen neue. Denen gefiel, wie die Ladendorfs »das Bluhm« führten. Natürlich sind diese Bluhm-Stammgäste jetzt traurig, dass ihre »Ladendorf-Bluhm-Tradition« ein Ende findet. Ihnen sei gesagt, es gehört zum Wirtschafts-Leben dazu, dass neue Wirtsleute neue »Traditionen« mit sich bringen.

| SoS