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Titelstory

Schaufenster für den regionalen Wein: Rheinhessisches Vinotheken-Cuvée

Zugegeben: Der Zeitpunkt für dieses Thema ist etwas ungewöhnlich. Ganz Mainz diskutiert über einen Weinstand am Rheinufer. DER MAINZER aber fragt die Verantwortlichen nach den Plänen für die Rheinhessen-Vinothek.


Michael Ebling
Michael Ebling

Die, so hatten es der Mainzer OB Ebling und der Mainz-Binger Landrat Schick verlautbart, bis spätestens Ende des Jahres 2015 in Mainz eingerichtet sein soll. Pünktlich zum Auftakt für das Jubiläumsjahr 200 Jahre Rheinhessen, das ab 2016 gefeiert werden soll.

Der Hintergrund für unsere Fragen ist folgender: Wenn man sich in Mainz schon an dem Standort für einen Weinstand, betrieben nur von Mainzer Winzern, festbeißt, bleibt dann die Rheinhessen-Vinothek auf der Strecke?

Denn die soll eigentlich Mainz als »Weinhauptstadt Deutschlands«, Mainz als Mitglied der Great Wine Capitals, Mainz als größte Stadt im größten Weinanbaugebiet Deutschlands repräsentieren, sowie der Bedeutung der Rheinhessen, als Winzer und als Vermarkter einer Urlaubsregion, gerecht werden.

Ziemlich ambitioniert. Es könnte ein wirklich großer Wurf werden. Der allerdings unter enormen Zeitdruck steht. Bis Ende des Jahres sind es noch sechs Monate. In denen Standort, Betreiberkonzept und Finanzierung zu beschließen sind. Dazu müssen noch Werbemittel geordert und die Eröffnungsveranstaltung soll organisiert sein. Bislang aber kennt man öffentlich nur die Absichtserklärung.

Also fragte DER MAINZER nach. Die Fragen gingen an die Vorsitzende der Mainzer Winzer e.V. Sigrid Lemb-Becker, den Vorsitzenden von Rheinhessenwein e.V. Thomas Schätzel, den Mainzer OB Michael Ebling (SPD), den Alzey-Wormser-Landrat Ernst Walter Görisch (SPD), den Mainz-Binger Landrat Claus Schick (SPD).

Ernst Walter Görisch
Ernst Walter Görisch

Die drei Politiker sprachen sich bei der Beantwortung ab, vielmehr sie ließen eine gemeinsame Antwort formulieren. Das ist so ungewöhnlich nicht, insbesondere wenn man sich politisch nahe steht und gemeinsam der Auffassung ist, die Lösung eines Problems werde erst einmal »hinter den Kulissen« leichter voranzutreiben sein. Zumal, das wurde dem MAINZER signalisiert, in den kommenden Wochen zu diesem Thema auf jeden Fall etwas öffentlich verlautbart werde.

Erhellend sind die Antworten dennoch. Lesen Sie selbst.

Wie weit sind in Ihrem Zuständigkeitsbereich die Planungen für die Einrichtungen einer Rheinhessen-Vinothek in Mainz fortgeschritten?

Ebling, Görisch, Schick: Wir haben im Frühjahr einen ersten Aufschlag gemacht und nun sind wir gemeinsam dran, reden und planen nach und nach miteinander, Stadt und Landkreise, Winzer, Institutionen und Verbände, aber auch private Interessenten. Für die Winzerinnen und Winzer sind allerdings parallel der geplante Weinstand am Rheinufer und die Frage nach dessen Standort, Finanzierung und Betrieb ein weiteres wichtiges Projekt, dem sie zurzeit ihre ganze Kraft widmen. Dennoch wollen wir bei der Vinothek am Ball bleiben.

Lemb-Becker: Der Verein »Die Mainzer Winzer e.V.« ist wie andere Vereinigungen ein potentieller Partner einer Rheinhessen-Vinothek in Mainz. Wir finden die Idee sehr gut und sind gerne bereit mit zu arbeiten. Planungen gibt es noch keine.

Claus Schick
Claus Schick

Schätzel: Aktuell gibt es bei Rheinhessenwein e.V. diesbezüglich keine Planungen, da es nicht im Aufgabenbereich von Rheinhessenwein liegt, Vinotheken zu betreiben, bzw. zu finanzieren. Übrigens halten wir es in diesem Zusammenhang für wichtig, Kontakt auf zu nehmen mit Rheinhessen-Touristik, da dort, im weintouristischen Masterplan der Region, die Federführung bei den Vinotheken-Projekten liegt.

Welche konkreten Pläne gibt es von Ihrer Seite für die Finanzierung der Rheinhessen-Vinothek?

Ebling, Görisch und Schick: Nach wie vor schwebt uns das Modell eines »Schaufensters« für den regionalen Wein im Zusammenhang mit »Rheinhessen 2016« vor. Dieses Schaufenster soll zentral in Mainz, der Weinhauptstadt, liegen und von möglichst vielen Beteiligten gemeinsam getragen werden. Wichtig ist, dass das gesamte Anbaugebiet Rheinhessen mit den Winzerinnen und Winzern sowie den Weinen der Stadt Mainz und der Landkreise Mainz-Bingen und Alzey-Worms ansprechend repräsentiert ist.

Lemb-Becker: Von unserer Seite gibt es keine konkreten Pläne zur Finanzierung einer Rheinhessen-Vinothek.

Schätzel: Da es unsererseits keine Planungen zu Vinotheken gibt, machen wir uns auch keine Gedanken zu Finanzierungen und Betreiberkonzepten.

Wie sieht, Ihren Vorstellungen zufolge, das Betreiberkonzept der Rheinhessen-Vinothek aus?

Ebling, Görisch und Schick: Das Betreiberkonzept ist Aufgabe der Winzerinnen und Winzer, die dort ihre Produkte anbieten wollen. Wir stehen selbstverständlich hierbei mit Rat und Tat zur Seite, auch was die touristische Vermarktung der Stadt Mainz und der Landkreise als herausragende Weinbauregion betrifft.

Sigrid Lemb-Becker
Sigrid Lemb-Becker

Lemb-Becker: Der Betreiber trägt das wirtschaftliche Risiko. Auch Gebietsvinotheken sollten rentabel geführt werden. Daher sollte das Betreiberkonzept auf vielen und breiten Schultern ruhen. Wir Mainzer Winzer können uns vorstellen mit Partnern, die z. B. im touristischen Bereich für Mainz u. Rheinhessen tätig sind, wie auch mit rheinhessischen Winzern ein Betreiberkonzept zu erstellen.

Schätzel: Da es unsererseits keine Planungen zu Vinotheken gibt, machen wir uns auch keine Gedanken zu Finanzierungen und Betreiberkonzepten.

Haben Gespräche über die Einrichtung einer Rheinhessen-Vinothek unter allen möglichen Beteiligten (Stadt Mainz, Landkreis Mainz-Bingen, Landkreis Alzey-Worms, Mainzer Winzer e.V., Rheinhessen Wein e.V.) stattgefunden?

Ebling, Görisch und Schick: Natürlich, aber es stehen auch noch wichtige Themen und deren endgültige Klärung aus.

Lemb-Becker: Wir hatten bisher nur Gespräche zu diesem Thema mit der Stadt Mainz.

Schätzel: Nach unserer Kenntnis gab es unter den genannten Beteiligten nur eine gemeinsame Gesprächsrunde am Rande eines Sitzungstermins zu einem anderen Thema. Dort haben alle Beteiligten die Einrichtung einer Rheinhessen-Vinothek in Mainz für sinnvoll erachtet und befürwortet. Für Rheinhessenwein e.V. habe ich dargelegt, dass wir eine Vinothek nicht selbst betreiben noch finanzieren können, dass wir sie aber bewerben und fördern können in der Kommunikation, auch mit Einbeziehung von Events und weiteren Marketingtools. Dass wir mithelfen können in der Organisation, Auswahl, etc. der Weine und Winzer und in der Ausstattung mit regionalen Werbemitteln.

Thomas Schätzel
Thomas Schätzel
Mit welchen Ergebnissen?

Ebling, Görisch und Schick: Wir hoffen, hierzu in den kommenden Wochen mehr sagen zu können.

Lemb-Becker: Uns sind keine bekannt.

Schätzel: Es soll Ausschau gehalten werden nach geeigneten Locations, Sponsoren, etc. zur Aufstellung eines realisierbaren Betreiberkonzepts.

Wird es bis spätestens zum Jahreswechsel 2015/2016 eine Rheinhessen-Vinothek in Mainz geben?

Ebling, Görisch und Schick: Sagen wir's diplomatisch: rund um den Jahreswechsel sollte das möglich sein.

Lemb-Becker: Die wichtige Frage ist nicht, ob es die Vinothek zum Jahreswechsel 2015/16 geben wird. Die wichtigen Fragen sind, ob es einen Betreiber, ein rentables Konzept und die richtigen Menschen gibt, die die Vinothek lebendig, kreativ und wirtschaftlich führen.

Schätzel: Es wäre sehr wünschenswert, wenn es bis zum Jahreswechsel eine Rheinhessen-Vinothek in Mainz gäbe, die auch mit einer mindestens mittelfristigen nachhaltigen Umsetzungswahrscheinlichkeit ausgestattet ist, aber das verbleibende Zeitfenster wird immer enger.

| SoS

weinflasche

KOMMENTAR

Von außen betrachtet, wirkt das Verhalten der Politiker eigenartig. Sie reden miteinander. Das ist gut. Angeblich reden sie auch mit Menschen, die wissen, wie eine Vinothek zu betreiben ist. Eine, die als »Schaufenster für regionalen Wein« funktioniert. Also eine Art Weinstand, in einem Ladengeschäft. Wo Einheimische wie Gäste nicht nur den Wein Mainzer- sondern auch den Wein rheinhessischer Winzer kaufen und vielleicht sogar verkosten können.

Das soll in sechs Monaten gelingen. Ambitioniert ist das, denn es geht auch um Geld. Appelle an das rheinhessische Lebensgefühl, an die Gemeinsam­keiten der Rheinhessen und der Mainzer finanzieren weder die Miete für ein Ladenlokal noch dessen Ausstattung. Dafür muss eine gemeinsame Grundlage geschaffen werden. Was bedeutet, jahrelang gewachsene Animositäten zu durchbrechen. Das gelingt wohl kaum, wenn ausgerechnet rheinhessische Institutionen, die für die Vermarktung der Region zuständig sind und dafür u.a. auch von der Stadt Mainz bezahlt werden, außen vor bleiben.

Vielleicht sollten die Akteure den Zeitdruck aus dem Projekt nehmen und mit allen, wirklich allen zuerst ein solides Konzept entwickeln. Das über ein »Schaufenster« hinausgeht. In dem auch die Mitgliedschaft in Great Wine Capitals und der Titel Hauptstadt des Deutschen Weins eine angemessene Rolle spielen. Würde das bis zum Ende des Jubiläumsjahres 2016 gelingen, wäre es ein Knaller, der ganz lange nachwirkt.

| SoS