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Mainzer Kopf

Im Takt und queer

Seit 1996 wird das süddeutsche schwul-lesbische Chorfestival alle zwei Jahre in einer anderen Stadt organisiert. Ausgerechnet die elfte Ausgabe organisieren in diesem Jahr die »Uferlosen« in Mainz. Vom 4.-7. Juni ist Christian Sontag singend in der Stadt unterwegs.


Die Uferlosen, der Mainz-Wiesbadener schwul-lesbische Chor, existieren seit 1997 und Christian Sontag singt seither mit. Wobei A Capella-Singen allein ist es nicht, was der Chor auf die Bühne bringt. Den 23 Sängern und Sängerinnen ist die Lust am Spielen genauso anzusehen wie die Begeisterung für Verkleidungen. Sie inszenieren aufwändige Choreographien, singen dazu bekannte Popsongs und Schlager, mit ganz eigenen, durchaus humorvoll-hintersinnigen Texten.

Christian Sontag ist ein »Uferloser« der ersten Stunde. Vermutlich 1996, so erinnert er sich, stand er mit Gleichgesinnten als Karaoke-Chor erstmals auf der Bühne der »Sommerschwüle«: »Ich wusste damals noch nicht, dass ich tatsächlich singen konnte, aber es machte Spaß, mit Freunden etwas Ungewöhnliches und Witziges zu machen.«

Herzenswunsch erfüllt

In Stuttgart wurde Christian Sontag 1968 geboren, im zarten Alter von neun Monaten kam er nach Mainz und ist hier geblieben: »Ich mag diese Stadt, ich hatte nie den Drang woanders hin zu gehen.«

Auch um Geographie zu studieren blieb er in Mainz. »Ich habe mir mit diesem Studium einen Herzenswunsch erfüllt, weil von klein auf Erdkunde zu meinen Lieblingsfächern zählte.« An der Gründung des stadtbekannten Vereins »Geographie für Alle« war er beteiligt, und schlug dann eine ganz andere berufliche Laufbahn ein. Während des Studiums verdiente Sontag seinen Unterhalt bei einem ambulanten Pflegedienst, dort wurde ihm kurz vor Studienabschluss im Verwaltungsbereich eine feste Stelle angeboten. Christian Sontag griff zu.

Zugegriffen hat der 47-Jährige auch Anfang 2015, als nach vielen Jahren ehrenamtlicher Servicedienste in der »Bar jeder Sicht«, dem schwul-lesbischen Treff in der Hinteren Bleiche, die Stelle des hauptamtlichen Geschäftsführers zu besetzen war. Wobei man wissen muss, dass 90 Prozent der Arbeiten, die in diesem Kneipen-Kulturraum anfallen von Ehrenamtlern geleistet werden. Anders lasse sich der Betrieb nicht finanzieren, sagt Christian Sontag.

Er verdient nun seinen Lebensunterhalt mit dem Managen der Gastronomie und der kulturellen Veranstaltungen - und ist mit ganzem Herzen dabei. Denn die Arbeit drehe sich hier, wie im Pflegebereich und selbst in der Geographie, immer um Menschen. »Es sind die Menschen, die mich faszinieren, die sind immer wieder anders und jeder für sich interes­sant, gleich in welchem Kontext ich ihnen begegne.«

Wenn Christian Sontag nicht arbeitet und nicht singt, liest er gerne Biographien und skandinavische Krimis, gondelt mit dem Fahrrad durch die Gegend, mäht den Rasen im heimischen Gärtchen und kocht für sich und seinen Lebenspartner. Allerdings nicht sei Lieblingsgericht: Rheinischer Sauerbraten mit Böhmischen Klößen. Das gibt es nur »bei Muttern«.

Unschlagbarer Blick

Dass Christian Sontag keine Lust hat, Mainz den Rücken zu kehren, erklärt er mit den vielen Kleinigkeiten, die er an dieser Stadt so mag: Den Fluss, die Menschen, die vermischte Architektur, die vielen grünen Zonen und dann dieser Blick: »Wenn man über die Theodor-Heuss-Brücke auf die Stadt zufährt, das ist unschlagbar.«

Übrigens QUEERTAKTE, der Name für das schwul-lesbische Chorfestival, wird mit i, also [kw??] ausgesprochen; unter queer ist alles zusammengefasst, was nicht heteronormativ ist. QUEERTAKTE ist zu erleben beim Straßensingen auf öffentlichen Plätzen in Mainz am 6.6.15 ab 10 Uhr und beim Abschlusssingen aller Chöre um 12 Uhr am Schillerplatz.

| SoS
www.queertakte.de
www.uferlose.de