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Spitzfindig

Spargel: Mit oder ohne Kondom?

Der Spargel, das Königsgemüse. Dessen Liebhabern nachgesagt wird, selbst fürstliche Preise für die weißen Stangen zu zahlen. Das weckt Begehrlichkeiten.


Spargelfeld

Der Mainzer Wirtschaftsdezernent Christopher Sitte ließ in einer Pressemitteilung zum Auftakt der Spargelsaison mitteilen, die Herkunft des Spargels werde ab sofort durch die Lebensmittelkontrolle überprüft. Offensichtlich gibt es schwarze Schafe unter den Spargelverkäufern. Billig in Ungarn, Griechenland und Rumänien einkaufen und als deutschen Spargel teuer verkaufen. Preisunterschiede von mehreren Euro pro Kilo machen erfinderisch und verleiten zum Betrügen.

Die geänderten Anbaubedingungen haben dagegen nichts mit Betrug zu tun. Aber auch etwas mit den Preisen. Jahr für Jahr nimmt der Anbau von »Aspargus oficinalis« unter Folie zu: »Kondomspargel« von denjenigen genannt, denen der echte Spargelgeschmack abhanden kam.

Allerdings verliefen die Diskussionen, ob der unter Folien groß gewordene Gemüsespargel weniger gut schmeckt, als sein Freiluft-Pendant, alsbald im Sande. Gesiegt hat schlicht die Marktwirtschaft. Die Verbraucher wollen möglichst früh möglichst billigen Spargel. Den gibt es nur mittels Klarsicht-, Antitau- und Thermofolien, schwarzer Folie und aus so genannten Minitunnels. Was einst eine Ausnahme war, ist mittlerweile die Regel. Auf dem Mainzer Wochenmarkt entdeckte ich am 24. April genau einen Stand, der Spargel »Ohne Folie« anbot: Ein Pfund für 5,45 Euro, während gleichzeitig 2 Kilo »deutscher Spargel« für 8 Euro zu haben waren. Da dürften auch Spargelliebhaber ins Grübeln kommen: Wissen wir wirklich noch wie Spargel schmeckt, der »ganz natürlich« angebaut wird, in einem Damm, der das ganze Jahr Sonne, Regen und Wind ausgesetzt ist und den auch tierische Schädlinge heimsuchen?

Tatsache ist, nach Spargel, der NICHT unter Folie wächst, muss man suchen, also die Verkäufer fragen. Denn der Folienanbau muss nicht ausgewiesen werden. Der Verbraucher ist ja schließlich mündig. Er weiß, dass in den großen deutschen Spargelanbauregionen ganze Landschaften in Folie eingepackt sind, dass sich dort kein Grashalm mehr breit machen kann und sicher keine Lerche jubilieren wird. Die finden in der Plastiklandschaft schlicht kein Futter mehr.

Beim Anbau von Spargel mit oder ohne Folie geht es auch um die Frage, was wollen die Verbraucher Natur und Umwelt zumuten, damit sie möglichst viel und möglichst billig essen und trinken können. So gesehen ist Spargel ohne Kondom mindestens bedenkenswert.

| SoS