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Mogunzius

MOGUNZIUS
Stadtschreiber des MAINZERS

Zwölf Jahre Gewaltbruchgefährdung


Mein Frisör ist ein Allroundgenie, er verfügt über ein allumfassendes Fachwissen. Dass die Brücke (er meint die nach W-baden) einsturzgefährdet sei, das wüssten die Politiker schon seit langem. Auf meine Frage, woher er das weiß, war die Antwort etwas nebulös: »Vom Eipäd«. Erst nach längerem Bohren kam ich dahinter, dass es eine homepage www.schiersteinerbrücke.de von Hessen Mobil gibt und da sei alles nachzulesen.

Ein kleines »Klick« und schon stößt man auf die Stelle, die mein Haarkünstler gelesen hat: »Ein im August 2003/Ergänzung2005 erstelltes Gutachten von Prof. Sedlacek & Partner kommt zu dem Ergebnis, dass eine Gewaltbruchgefährdung ohne Vorankündigung im Bereich der Längssteifen der Fahrbahnkonstruktion besteht.« Wie bitte, ihr wisst das seit zwölf Jahren?

»Der Zustand der Brücke erforderte deshalb die Herabsetzung der Geschwindigkeit auf 60 km/h, um die dynamischen Belastungen der Schweißnähte der Stahlbauteile deutlich zu reduzieren. Aufgrund der gutachterlichen Einstufung wird die Schiersteiner Brücke voraussichtlich ab 2015 die Anforderungen an die Verkehrssicherheit nicht mehr erfüllen.«

Feder

Mann oh Mann, die Verkehrsminister auf beiden Seiten des Rheins müssen Nerven wie Stahlseile haben. Ich könnte ja mit so einer Information keine Nacht mehr schlafen!

Wieso, werden die sagen, wir sind sofort aktiv geworden: »Vor diesem Hintergrund wurden ab dem Jahr 2003 in Rheinland-Pfalz wie auch in Hessen die Planungen aufgenommen.«

»Im Jahr 2007 wurde deshalb ein Realisierungswettbewerb durchgeführt, um funktionale, wirtschaftliche, gestalterische und konstruktionsbedingte Lösungen zu finden, die sich auf überzeugende Weise mit den städtebaulichen, architektonischen sowie landschaftsplanerischen und ökologischen Gegebenheiten auseinandersetzten.«

Genau da sind wir bei dem Problem: Wir wissen alle, dass erhebliche Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur dringend überfällig sind, aber die Zeiträume bis zur Realisierung werden immer länger. Jeder will mitreden, jeder muss beteiligt werden. Selbst bei einer »Gewaltbruchgefährdung« wird noch jahrelang nach seltenen Gräsern gesucht und werden die Eidechsen gezählt. Die Räte in Mainz und Wiesbaden nehmen sich ausgiebig Zeit um über gute Architektur zu streiten und im Verkehrsministerium wird genau untersucht, ob Projekte im Hunsrück, der Eifel oder der Pfalz nicht Priorität genießen.

Deutschland, eines der reichsten Länder der Welt, leistet sich den Luxus so lange zu planen und zu beteiligen, bis täglich 60.000 Fahrzeuge und die Menschen, die sich mit ihnen bewegen, zum Stillstand kommen. Bravo! Wie geht es eigentlich unserer Mainzer Beton-Hochstraße, Frau Flegel?

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