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Staatstheater

Perelá: Eine Oper fürs Auge

Man kann sich eine Aufführung im Theater anschauen, ein wenig darüber sinnieren und ein ganz persönliches Resümee ziehen. Nicht mehr beansprucht der folgende Beitrag über »Perelá Uomo di fumo« eine Oper von Pascal Dusapin.


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© Andreas Etter

Manchmal traut man der eigenen Wahrnehmung nicht – und hört gerne zu, wenn sich Menschen unterhalten. In diesem Falle an der Bushaltestelle, nach der gut zweieinhalbstündigen Aufführung von Perelá im Mainzer Staatstheater.

»Naja, das war wenigstens mal ganz etwas anderes«, klang eine mittelalte Dame wenig begeistert. Wenige Minuten zuvor, beim Schlussapplaus, der nicht nur höflich zurückhaltend, sondern kräftig und ausdauernd die Leistungen des Ensembles beklatschte, war eine ebenfalls mittelalte Dame vor Begeisterung kaum zu halten: laut und anhaltend rief sie den Schauspielern ihr Bravo entgegen.

Es ist keine Frage des Alters, ob Mann und Frau diese Oper von Pascal Dusapin gut findet. Es ist vielmehr eine Frage der Erwartungen an einen Opernabend, der Vertrautheit mit moderner Musik und der ganz persönlichen Fähigkeit, sich auf etwas einzulassen, was ungewöhnlich ist.

Vielstimmig

Perelá, die vierte Oper des französischen Komponisten Pascal Dusapin, basiert auf einem 1911 erschienen Roman von Aldo Palazzeschi, wird den sehr zahlreichen Zuhörern in der Einführungsveranstaltung berichtet. Dusapin entwickelte für jedes seiner musikalischen Werke eine spezifische Musiksprache, er arbeitet intensiv mit Klängen, denkt die Obertöne mit, erzeugt einen facettenreichen und spannenden Raumklang.

Die »Geschichte« von Perelá ist als Märchen, als Parabel und gleichzeitig als Groteske zu verstehen. Diese Ansprüche in einer Inszenierung unterzubringen, ist keine einfache Angelegenheit.

Unter der musikalischen Leitung von Hermann Bäumer und inszeniert von Lydia Steier gelingt eine vielstimmige Verknüpfung von Kostümen und Masken mit dem Bühnenbild und den Leistungen der Darsteller. Die eigenartigen Frisuren und Gewänder, die ellenlangen Kinnpartien und spitzfindigen Nasen überzeichnen das jeweilige Spielen, überführen das Märchenhafte ins Groteske und der Zuschauer befindet sich inmitten einer Traumgesellschaft, die einerseits fern von eigenen Lebensrealitäten doch immer wiederkehrende allzu menschliche Verhaltensweisen vor Augen führt: Man kann sich schütteln vor so viel gespielter Schleimscheißerei. Allein dieser spindeldürre Pfaffe, der fette Bankier und der zum Schoßhündchen degradierte Philosoph – braucht es mehr um Dekadenz und Heuchelei darzustellen?

Und die Musik? Sie unterstreicht an vielen Stellen das szenische Geschehen trefflich und verstört auch manchmal – was in Ordnung ist, denn in einer Oper soll Musik ihre eigene Rolle spielen dürfen, eigentlich sogar die Hauptrolle. Nur ist die Zuschauerin derart mit dem Betrachten des Bühnengeschehens beschäftigt, dass die Ohren sozusagen auf Durchzug gestellt sind, was weder den Bemühungen des Komponisten noch den Leistungen des Orchesters gerecht wird.

Variantenreich

Variabler Mittelpunkt in diesem faszinierenden Bühnengeschehen ist eine »Treppe«, die das ganze Spielgeschehen variantenreich unterstützt. Ein famoser Platz, damit Perelá hinter der Königin die Treppe hinauf deren Schläppe zu streicheln versuchen oder ganz allein auf den oberen Stufen allmählich die Hand in Richtung des verrauchten Alonso ausstrecken kann. Wird dann die Treppe durch ein paar kräftige und elegant sich bewegende Bühnenarbeiter in eine Hauskulisse verwandelt stellt sie den Hintergrund für das biestige Weibergekreische dar: Genial ausgedacht und umgesetzt!

| SoS

»Perelá« im April: Am 10. und 12.4.2015
www.www.staatstheater-mainz.de