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KÖRPERSPENDE

Körperspende für die Wissenschaft

Viele Menschen möchten ihren Körper nach dem Tod wissenschaftlichen Zwecken zur Verfügung stellen. Auch die Anatomie der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz verzeichnet seit langem eine hohe Anzahl an Spenderangeboten.


Anatomie

»Die jungen Leute sollen sich alles nur recht genau anschauen!« Prof. Dr. med. Erik Schulte wiederholt den Satz bedächtig, den er schon oft von älteren Menschen in Gesprächen gehört hat, die ihren Leichnam der Lehre hinterlassen wollen. Dieser bringe zum Ausdruck, was die meisten Spender zu diesem Schritt bewege, erzählt der Direktor des Instituts für Funktionelle und Klinische Anatomie der Universitätsmedizin Mainz. »Viele dieser Personen waren krank, und weil ihnen geholfen wurde, möchten sie als Zeichen der Dankbarkeit der Gesellschaft und der Medizin etwas zurückgeben. Andere haben Verwandte, die im medizinischen Bereich tätig sind, und wissen, wie wichtig die Lehre am Körper ist. Einige, oft alleinstehende Menschen, möchten einfach nur alles sinnvoll geregelt haben, bevor sie sterben.«

Detailkenntnisse

Meist liegt das Alter eines Spenderkörpers über 70 Jahre, selten darunter. Ungefähr 200 Menschen pro Jahr melden sich beim Institut, aus Kapazitätsgründen werden aber lediglich 100 akzeptiert. »Spendermangel gibt es nicht mehr«, sagt der Institutsleiter, und betont, dass alle Universitäten deutlich mehr Angebote hätten als früher.

Entgegen eines verbreiteten Missverständnisses erhalten die spendewilligen Personen keinerlei finanzielle Vergütung, außerdem werden sie grundsätzlich anonym gehalten. Darüber hinaus muss unbedingt in der letztwilligen Verfügung im Rahmen der Totenfürsorge festgehalten sein, dass der Körper zu Lehr- und wissenschaftlichen Zwecken zur Verfügung gestellt wird. Diese schriftliche Fixierung ist auch gegenüber den Angehörigen wichtig.

Denn unverzüglich nach dem Tod des Spenders, spätestens aber nach 24 Stunden, wird der Leichnam vom Institut abgeholt. Nach dessen Reinigung und der Rasur des Kopfes wird dieser im Keller des Lehrgebäudes in ein Schrankfach mit Formalinnebel gelegt, einer Art vorläufiger Ruhestätte, wie Schulte es nennt. In dieser wässerigen Formaldehyd-Lösung erfolgt die Konservierung des Körpers für fast ein Jahr. Dann beginnt die Untersuchung des Toten.

Studenten der Human- und Zahnmedizin müssen in der Vorklinik, wie der erste Studienabschnitt der ärztlichen Ausbildung genannt wird, den Körper detailliert kennen lernen. Anhand eines Lehrskriptes werden sie daher angewiesen, welche Organe, Muskeln und Nerven sie entnehmen sollen.

Acht Stunden pro Woche, insgesamt 14 Wochen lang, arbeiten die Studenten an einem Leichnam. Dass am Anfang des Kurses die Angst stets dabei sei, mit der aber jeder unterschiedlich umgehe, erklärt Schulte so: »Für viele Studenten ist es der erste tote Mensch, den sie sehen. Deshalb beginnt die Untersuchung des Leichnams erst am Rücken, darauf folgt die Vorderseite, und nun schauen sie dem Toten erstmals ins Gesicht.«

Abschied nehmen

Komplett seziert wird der Körper in dieser Studienphase, jedoch werden alle Elemente in Gefäßen gesammelt und später mit dem Rest in den Sarg gelegt. »Bis die Toten bestattet werden vergehen zwei bis drei Jahre. Dann geben wir die Verstorbenen den Hinterbliebenen zurück. Das ist eine lange Zeit des Wartens, was mitunter schlimm für die Angehörigen sein kann«, sagt Schulte.

Vier Verstorbene werden zugleich im Beisein der Angehörigen, Vertreter des Institutes und eines Seelsorgers, aber ohne die Studenten bestattet. Diese haben, unabhängig von ihrer Konfession, die Gelegenheit, in einer gesonderten Zeremonie in der Katholischen Hochschulgemeinde von den Toten Abschied zu nehmen. Im Anschluss werden die Körperteile verbrannt und in einem Urnengrab beigesetzt.

| KH