Kontakt + Impressum
Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
Frühlings-Gewinnspiel

Das große
Einzelhandel-Gewinnspiel
des MAINZERS

Kombinieren und Gewinnen

Ordnen Sie die Außen­aufnahmen von 25 bekannten Einzelhandelsgeschäften den Inhabern/Mitarbeitern zu und freuen Sie sich als Hauptpreis auf einen schönen Abend in Heiser's Kochstudio!
Heisers Kochstudio Ausführlichere Informationen finden Sie hier >>>

Werbung

PRO & CONTRA

Tourismus: Öffentlich gefördert?

Die Diskussion über die Förderung des Tourismus schlug einige Tage hohe Wellen. Dabei beharkten sich Michael Ebling (SPD), Mainzer Oberbürgermeister, und Christian Barth, Chef des Mainzer Favorite Parkhotels und Vorsitzender der Dehoga-Kreisstelle Mainz mit gegenseitigen Vorwürfen.


Christian Barth
Christian Barth, Chef des Mainzer Favorite Parkhotels und Vorsitzender
der Dehoga-Kreisstelle Mainz

DER MAINZER bat die beiden Kontrahenten daraufhin zum Gespräch um miteinander zu klären, was die Stadt Mainz unternehmen sollte, damit Touristen aus Deutschland und aus aller Welt Lust haben, diese Stadt zu besuchen.

Herr Ebling, Herr Barth, in der Diskussion ging es um den Neubau von Hotels in Mainz und um die Förderung des Tourismus. Bitte erläutern Sie Ihre jeweiligen Standpunkte. Christian Barth erklärte auch, ob es stimmt, dass er gegen den Neubau eines Hotels am Bahnhof war.

Barth erzählt die Geschichte so: Der Bebauungsplan für das Gelände am Binger Schlag habe ausdrücklich den Bau eines Hotels ausgeschlossen. Mitglieder der Dehoga, die in die Sanierung ihrer Hotels rund um den Bahnhofsplatz investieren wollten, hätten sich über seinen Vater, Eberhard Barth, damals Vorsitzender der Dehoga-Mainz, informiert, ob diese Klausel weiter gelte. Die Stadt habe diese bestätigt und wenig später doch den Bebauungsplan geändert, so dass der Hotelneubau möglich wurde. Nicht die Familie Barth habe in dieser Sache ihr Unverständnis über das Hin und Her zum Ausdruck gebracht, fasst Christian Barth heute zusammen, sondern Eberhard Barth in seiner damaligen Funktion als Vorsitzender des Dehoga-Kreisstelle Mainz.

Barth stellt klar, dass er kein Interesse daran habe Hotelneubauten zu verhindern, solche Entscheidungen regele der Markt. »Mein Ziel als Hotelier und als Vorsitzender der Dehoga-Kreisstelle Mainz ist es, den Tourismus in Mainz zu fördern«. Wobei das Geld einen Kernpunkt darstellt, meint Barth und zählt auf: Der Tourismus erwirtschaftete 2013 in Mainz einen Bruttoumsatz von 631,8 Mio. €, davon seien 10 Mio. € in Form von Steuern direkt in den Mainzer Haushalt geflossen. Die »mainzplus Citymarketing GmbH«, der Barth hervorragende Arbeit bescheinigt, müsse mit einem Marketingbudget von 300.000 € wirtschaften: »Das ist zu wenig, um unsere schöne Stadt deutschlandweit so vermarkten zu können, dass die Übernachtungszahlen nicht mehr sinken sondern steigen.«

Barth geht davon aus, dass ein Zuwachs um 20 % an Übernachtungsgästen für den Etat der Stadt Mainz ein Einnahmenplus von 2,5 Mio. € Netto bringen werde. »Vor dem Hintergrund dieser Zahlen und in Verbindung mit einem guten Tourismusförderungskonzept wird es gelingen, die ADD davon zu überzeugen, städtische Investitionen in den Tourismus zu genehmigen«, ist der Hotelier überzeugt.

Wünsche nach öffentlichen Investitionen seien zwar nachvollziehbar, entgegnet OB Ebling. »Solche Wünsche werden täglich aus allen Bereichen der Stadt an mich herangetragen.« Richtig sei aber, auch in der Tourismusförderung gebe es Luft nach oben, es bedürfe klarer Regelungen und die Idee des Verkehrsvereins, einen »Mainzer Tourismustag« durchzuführen, könne man aufgreifen.

Ebling weist darauf hin, dass die Stadt schon einiges unternehme, was dem Tourismus im weitesten Sinne zu Gute komme: die Sanierung der Rheingoldhalle stehe an und werde voraussichtlich bis zu 22 Mio. € kosten; aktuell müsse für das Kongresswesen ein Verlustausgleich von 2 Mio. € verkraftet werden, die Dualität von Verkehrsverein und »mainzplus Citymarketing GmbH« sei durch die Neukonzeption aufgehoben worden, die Stadt sei als Mitglied der Great Wine Capitals international bekannter geworden, der Baustart für das Archäologische Zentrum eröffne neue Perspektiven für die touristische Erschließung des römischen Erbes, das Schloss werde nach dem Umzug des RGZM als wünschenswerte Hoteldestination gehandelt: »Es passiert viel, einiges ist angedacht und ich möchte deshalb die Diskussion über die Tourismusförderung nicht aufs Geld reduzieren, wir müssen uns über die Inhalte klar werden.«

Gibt es ein Gremium, das über Inhalte diskutieren kann?
Michael Ebling
Michael Ebling (SPD),
Mainzer Oberbürgermeister

Ebling nennt den Tourismusbeirat, in dem sitzen alle zusammen, auch die Dehoga ist vertreten. Barth hält das Gremium für geeignet, wenn es, so sein Wunsch, »einen offiziellen Auftrag von der Politik erhält, denn ich finde den Anstoß des OB, inhaltlich zu diskutieren, gut. Wir brauchen die Akzeptanz der Bürger und die Einsicht, dass jede Verschönerung der Stadt auch eine Verschönerung für die Bürger bedeutet.« Aber, ergänzt Barth, »uns läuft auch die Zeit davon! Karlsruhe zum Beispiel weist als erfolgreicher Messestandort traumhafte Zuwächse bei den Übernachtungen auf, Frankfurt ist gut, auch Wiesbaden hat uns überholt, und sind die Rhein-Main-Hallen fertig saniert, bleibt vom zu verteilenden Kuchen für Mainz nichts mehr übrig.«

Ebling sieht keinen Anlass, alles schlecht zu reden und meint, der Tourismusbeirat sei das geeignete Gremium, ein längerfristiges Konzept zu erarbeiten, über das die Politik zu befinden habe. Gleichzeitig will Ebling unbedingt die Bürgerschaft mitnehmen und wiederholt, der Vorschlag des Verkehrsvereins für ein »Tourismusforum« sei bedenkenswert, »das könnte durchaus noch in diesem Herbst stattfinden.«

Barth unterstützt diese Idee, allerdings müsse ein derartiges Forum inhaltlich von »mainzplus Citymarketing« gesteuert werden: »Es ist gut, auf einer breiten gesellschaftlichen Basis Ideen zu entwickeln, aber dazu bedarf es einer qualifizierten fachlichen Vorbereitung. Und wir müssen die Tatsache, dass laut Statistischem Landesamt die Übernachtungszahlen 2014 um 15.000 gegenüber 2013 zurückgegangen sind, als ein Signal verstehen, etwas zu tun!«

Welche finanziellen Instrumente könnten die Marketingmaßnahmen im Bereich Tourismus unterstützen?

Ebling erinnert an die Diskussionen um eine Tourismusabgabe, die sich als Förderinstrument allerdings als zu kompliziert erwiesen habe und stellt fest: »Es ist eine gute Mainzer Tradition auf das freiwillige Engagement der Mainzer und Mainzerinnen zu setzen statt auf eine neue Gebührensatzung. Wir müssen Überzeugungsarbeit leisten.« Gleichwohl stimmt der OB der Ansicht zu, die Unterstützung von Marketingmaßnamen für den Tourismus sei auch eine öffentliche Aufgabe.

Barth weist darauf hin, dass die Hotels bereits 12% Provision für die Vermittlung von Hotelzimmern an »mainzplus Citymarketing« zahlten. »Darüber hinaus investieren die Hotels mit eigenem Geld in die deutschlandweite Werbung, damit machen wir immer auch Werbung für Mainz.« Mit Finanzdezernent Beck habe er vor eineinhalb Jahren über eine freiwillige Abgabe der Hoteliers gesprochen: »Allerdings hätte sich auch der Einzelhandel an diesen Werbemaßnahmen beteiligen sollen, denn der Einzelhandel profitiert ebenfalls vom Tourismus.« Immerhin 45,6 % der Tourismuseinahmen, so errechnete es eine Studie im Auftrag der IHK, seien 2013 in den Einzelhandel geflossen. Ein Gesamtkonzept sei damals dennoch nicht zustande gekommen.

Bietet das Jubiläum 200 Jahre Rheinhessen Ansätze für die Tourismusförderung in Mainz?

Ebling und Barth sind sich einig, dass das Thema Wein eine besondere Rolle im Verbund mit dem Rheinhessen-Jubiläum spielen solle. »Wir werden als Schaufenster für Rheinhessen 2016 in Mainz gemeinsam mit den Winzern eine Vinothek einrichten, das habe ich auch mit Landrat Schick besprochen und diese soll rechtzeitig zum Jubiläum eröffnen«, so Ebling.

Barth stellt fest, dass Mainz mit dem Thema Wein über eines der zukunftsträchtigsten Themen für den Tourismus überhaupt verfüge: »Aber das wird zu wenig vermarktet! Es gibt immer noch zu wenige Menschen, die Mainz im Zusammenhang mit Wein sehen, trotz Great Wine Capitals.« Weshalb Barth dafür plädiert, »Leuchttürme« im Weintourismus zu schaffen, die den gehobenen Ansprüchen dieser Touristen entsprechen

Zusammenfassend stellt Oberbürgermeister Ebling fest:

»Wir haben unter anderem mit Mainz 05 und der Fastnacht, als Stadt der Wissenschaft und als Weinhauptstadt viele, auch touristisch zu vermarktende Potenziale. Hinzu kommen die Investitionen für die Sanierung der Rheingoldhalle, für das Archäologische Zentrum und für die Erweiterung des Gutenbergmuseums sowie der Ausblick, das mit dem Rheinhessen-Jubiläum 2016 die Region noch mehr zusammen wächst.«

Hotelier Barth fasst zusammen: »Ich würde mir wünschen, dass wir uns Rat von einem Stadtmarketingexperten holen, einem Außenstehenden, der schon Erfolge in anderen Regionen aufweisen kann, der uns Vorschläge für eine Kampagne zum Thema ‚Lebensfreude und Wein‘ entwirft, die dann aus dem Etat bezahlt und von »mainzplus Citymarketing« umgesetzt werden sollte. Dazu könnte ein Teil der voraussichtlichen steuerlichen Mehreinnahmen von 2014 abgezwackt werden. Gut wäre auch, wenn der OB vorangehen und dem Tourismusbeirat sagen würde, wir brauchen eine konkrete Konzeption zur Förderung des Tourismus und zwar bald!«

| SoS