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Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
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NACHGEFRAGT

Immer mehr Blinkmuffel unterwegs

Verkehrsteilnehmern durch Blinken anzuzeigen, wohin man will, ist kein alltägliches Verhalten im Straßenverkehr mehr. Lernen Fahrschüler in der Ausbildung nicht mehr den Fahrtrichtungs­anzeiger zu bedienen? Der MAINZER sprach mit Josef Baroli über das Phänomen »Blinkmuffel«.


Blinkmuffel

Es ist eine Alltagsbeobachtung im Straßenverkehr. Manchmal mit mindestens erschreckenden Folgen. Plötzliche Spurwechsel ohne Vorankündigung, den Kreisverkehr verlassen, ohne es anzuzeigen, rechts abbiegen, ohne Fußgänger und Radfahrer zu warnen – dabei ist es doch ganz einfach für Autofahrer, den Fahrtrichtungsanzeiger am Lenkrad zu betätigen. Warum bewegen sich dann so viele Verkehrsteilnehmer ohne zu blinken über Straßen und Autobahnen?

Josef Baroli ist Seniorchef der Fahrschule Claudia Baroli, er hat seinen Führerschein vor 60 Jahren gemacht und ist seit 1961 Fahrlehrer. Der 76-Jährige bestätigt die Beobachtung, dass Blinken im Straßenverkehr keine Selbstverständlichkeit mehr darstellt.

»Wir Fahrlehrer, genauso wie die Prüfer achten aber sehr genau darauf, dass die Fahrschüler das lernen und beherzigen. Wer in einer Führerscheinprüfung mehrmals vergisst zu blinken, kann durch­fallen.«

Rücksicht nehmen

Josef Baroli

Fahrlehrer Baroli beobachtet, dass sich die Führerscheinneulinge meistens an das Gelernte halten und blinken, aber: »Je länger die Führerscheinprüfung zurückliegt desto größer ist die Wahrscheinlichkeit bei vielen Autofahrern, dass das Blinken in Vergessenheit gerät.«

Diese »Vergesslichkeit« sei darauf zurückzuführen, dass für Fahrzeuglenker das Autofahren zunehmend zur Nebensache wird: »Autofahrer wirken unkonzentrierter und abgelenkter, beschäftigen sich mit anderem als dem Straßenverkehr«, beobachtet Baroli. Das Mobiltelefon am Ohr ist dabei nur das augenfälligste Beispiel für Nebenbeschäftigungen während des Autofahrens.

Früher häufiger kontrolliert

Josef Baroli erinnert sich daran, dass Vergehen gegen die Straßenverkehrsordnung wie Nichtblinken, früher häufiger kontrolliert und Verwarnungen direkt kassiert wurden, was vermutlich eine abschreckende Wirkung hatte. Heute dagegen scheine die Polizei wenig Zeit zu haben, derlei zu kontrollieren.

Grundsätzlich meint der Fahrlehrer, müssten Verkehrsteilnehmer vom Nutzen solcher Verkehrsregeln für alle überzeugt werden – wozu auch die entsprechende Kontrolle und die Verhängung der Bußgelder einen Beitrag leisten könnten.

Klar ist, wer das Blinkgebot nicht einhält und in einen Unfall verwickelt wird, in dem Blinken oder Nichtblinken eine Rolle spielt, der muss mit dem Verlust der Versicherungshaftung rechnen. Das kann dann richtig teuer werden.

| SoS