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Mainzer Staatstheater

Schinderhannes: Dem Mythos auf der Spur

Man kann sich eine Aufführung im Theater anschauen, ein wenig darüber sinnieren und ein ganz persönliches Resümee ziehen. Nicht mehr beansprucht der folgende Beitrag über »Schinderhannes, nach dem Volksstück von Carl Zuckmayer«.


Schinderhannes

Im Kleinen Haus des Mainzer Staatstheaters sind die Stühle weggerückt. Im vorderen Parkett laden »Biergarnituren« Zu­schauer ein, Platz zu nehmen. Lebhafte Kellnerinnen servieren Wein, Wasser und Bretzeln (gegen Entgelt), Schauspielerinnen tanzen auf den Tischen, die Wirtshausatmosphäre ist stimmig. Im ersten, dem munteren Teil des Stücks, wird der Mythos Schinderhannes auseinanderklamüsert.

In Zwischenspielen kommen Tatsachen zur Sprache, Überliefertes wird dargestellt, die Schauspieler/innen rezitieren, spielen vor und nach. Deutlich wird, dass Zuckmayer in seinem Schinderhannes manches wegließ, was historisch mindestens wahrscheinlich ist und manches in das Volksstück eingeflochten hat, was ihn persönlich beschäftigte.

Trennung aufheben

Die Schauspieler/innen nutzen den gesamten Raum von der Bühne über das »Wirtshaus« im vorderen Parkett bis zum Rang für ihr Treiben. Aufgehoben ist die Trennung zwischen denen, die da vorne spielen und denen, die da hinten und von oben herab zuschauen. So erklärt Sebastian Brandes, alias Johannes Bückler, von oben aus dem Rang, mit bemerkenswerter Kraft deklamierend, dem Zuschauer-Volk unter sich das Wesen des Kapitalismus – dabei hatte Polizist Adam ihn doch nur gefragt, was er arbeite. Die Erläuterung, warum Arbeit keinen Sinn macht, denn jeder der arbeite, bekomme es eh nur weggenommen, während die, die nicht arbeiteten, alles hätten und immer mehr hinzu rafften, bringt wunderbar Konstanten in den Zeitläuften auf den Punkt. Dass Bückler als Konsequenz Buddhist wurde und sich deshalb der Gedanken an den nächsten Tag verweigert, ist eher als Referenz an aktuelle Burnout-Zeiten zu verstehen (und wird vom Publikum mit Heiterkeit quittiert).

Schinderhannes Nach der Pause, als sich auch die Zuschauer in den ersten Reihen auf ihren Bänken anlehnen können, kommt der große Bruch, alles Muntere verliert sich im düsteren Kriegstreiben. Johannes Schmidt, alias Adam, fällt die Rolle zu, aus Zuckmayers Autobiographie jenen Teil wiederzugeben, der das Not-Abitur am »Rama«, den Verlust seines Julchens (!) und seine Teilnahme am Ersten Weltkrieg betrifft. Schmidts Auftritt ist überzeugend, hilft allerdings nicht, die Verbindung zum Volksstück zu erkennen. Im Nachgang, dem Sinnieren über den Theaterabend, erscheint der Gedanke plausibel, dieser Einschub zur Kriegsbegeisterung des Zuckmayers könnte ein Erklärungsbausteinchen dafür sein, warum der Nackenheimer die Missetaten des Schinderhannes so heldenhaft verklärte. Der Eindruck, es handele sich hier um ein Stück im Stück löst sich damit nicht auf.

Schinderhannes

Gerade rücken

Plötzlich ist dann der der Erste-Weltkrieg-Spuk auf der Bühne vorbei, das Spielgeschehen kehrt zurück an den Wendepunkt vom 18. ins 19. Jahrhundert – und Napoleon tritt auf, bezeichnenderweise von einem kleinen Jungen (Samuel Koch) dargestellt. Der befiehlt die Hinrichtung des Schinderhannes und die (auf der Bühne bedrohlich wackelnde) Guillotine tut ihren Dienst.

Die einträchtige Ensemble-Leistung präsentiert ein plausibel unterhaltendes Spektakel, das nebenbei manches Bild vom Räuberhauptmann und von Carl Zuckmayer gerade rückt. Imponierend sind die Soundeffekte von Felix Harms, die treffsicher Schläge und Schüsse erklingen lassen. Die überzeugenden Wirkungen minimalistischer Bühnenkunst sind ebenso erstaunlich wie die Verwandlungskünste der Schauspieler unter den Räubermasken.

| SoS


www.staatstheater-mainz.de
Aufführungstermine im März: 01.03.15, 08.03.15.