Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
Verlosung

Gewinnen Sie 2x
2 Eintrittskarten

für die Magie-Show der
Ehrlich Brothers
am 27.12.2014, 20 Uhr
in der Phönix-Halle Mainz

Ehrlich Brothers Selbst in der Fachwelt wird über die Geheimnisse der Zauberbrüder gerätselt und mit Begeisterung zur Kenntnis genommen, dass Andreas und Chris Ehrlich die Zauberkunst in ein neues Zeitalter geführt haben.

Mehr Informationen zu dieser und einer weiteren Verlo­sung ("Nussknacker on Ice" in der Rheingoldhalle) finden Sie hier >>>

Werbung

Weihnachtsgeschenke

»Typisch amerikanisch« oder »typisch europäisch«?

Man kann es, mit Blick auf den US-amerikanischen Trubel, kaum glauben: Weihnachten ist eine europäische »Erfindung«, die von den Auswanderern mit über den Atlantik gebracht wurde und jetzt laut, grell und top-kommerzialisiert zu uns zurückkommt. Mit immer abstruseren Erscheinungsformen.


weihnachtsgeschenke

Weihnachten und Coca-Cola – Ein Punkt sei zunächst einmal klar gestellt: Der Weihnachtsmann ist und bleibt ur-europäisch – allen Gerüchten und »seriösen Internet-Quellen« zum Trotz. Die Coca-Cola Company nutzt ihn allerdings seit 1931 so intensiv für ihre eigenen winterlichen Werbekampagnen, dass man ihn immer mehr mit dem Getränkekonzern in Verbindung brachte und diesen in einigen Quellen sogar schon als seinen Erfinder feierte.

Das Unternehmen darf sich dabei allerdings auf seine Fahne schreiben, den »gemütlichen, älteren Herrn mit vergnügtem Lächeln, gütigen Augen, einem wallenden Bart, gekleidet in den Unternehmensfarben Rot und Weiß« für seine erste große Weihnachtswerbeaktion entwickelt und »genormt« zu haben. So war jedenfalls der Auftrag formuliert, den damals der Werbegraphiker Haddon Sundblom aus der Chefetage bekam. Und dieser fand schnell ein passendes Modell: Seinen Freund, den pensionierten Coca-Cola Verkäufer Lou Prentiss.

»Typisch amerikanisch«

Rudolph »the Red-Nosed Reindeer« ließ seine Nase erstmals 1939 in einem Kindermalbuch leuchten, das Robert Lewis May für die Chicagoer Kaufhauskette Montgomery Ward entworfen hatte. Sein Schwager Johnny Marks schrieb etwas später den passenden gleichnamigen Song dazu - für den man zunächst jedoch keinen Interpreten fand. Bill Crosby hatte 1947 mit »White Christmas« einen ersten großen Weihnachtssong in die Charts gebracht und fand danach das Rudolph-Thema zu kindisch.

Die Aufnahme wurde schließlich von dem bis dahin als »singender Cowboy« bekannten Gene Autry gemacht. Über die Auflagenhöhe der beiden Singles streiten sich die Insider: »White Christmas« soll bis zu 50 Millionen mal gepresst worden sein, Rudolph »nur« etwa 12 Millionen mal.

Strittig sind auch noch die Fragen, wer die Idee des über die Dächer fliegenden Rentierschlittens hatte und ob, wo und wann erstmals eine Weihnachtsfrau offiziell eingesetzt wurde.

»Typisch amerikanisch« sind auch rote Weihnachtssterne, die erstmals 1833 in Philadelphia verkauft wurden und elektrische Christbaumkerzen. Letztere gingen erstmals 1882 in New York über den Ladentisch. Die Idee, Kerzen in den Weihnachtsbaum zu stellen kam aber schon in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in der Alten Welt auf.

Black Friday

weihnachtsgeschenke

In Sachen »Weihnachtskäufe« legen die USA in jedem Jahr am »Black Friday« (nicht mit dem Karfreitag zu verwechseln, der dort »Good Friday« heißt), einen exakten Punktstart hin. Ein Tag nach Thanksgiving (das immer am vierten Donnerstag im November gefeiert wird) geht es unerbittlich los:

Die meisten Amerikaner haben sich für das Großereignis wohlwissend schon frei genommen (»verlängertes Wochenende«) und ziehen dann, mit den Resten des Truthahnbratens sowie einer doppelten Portion Coke gestärkt und mit Kind und Kegel an der Hand in die großen Shopping-Malls.

Gestartet wird oft schon mitten in der Nacht, denn am »Black Friday« öffnen viele Läden bereits um fünf Uhr morgens und locken laut und weihnachtlich mit Sonderangeboten und Werbegeschenken. Und da jeder ein »doorbuster« (hochdeutsch: »Schnäppchen«) ergattern möchte, bilden sich schon bald überall nächtliche Schlangen als stünde der Erstverkaufstag des neuen iPads an.

Im letzten Jahr öffneten einige großen Warenhausketten ihre Türe schon am Donnerstagabend, was selbst im Lande des »24/7« für Unruhe sorgte.

Bliebe die Frage, wieso der Black Friday ein »schwarzer Freitag« ist. Hierzu liefert uns der Hausethnologe des MAINZERs gleich drei mögliche Theorien: Dies könne, so doziert er gleich los,

a) entweder auf die zahlreichen Menschen zurückzuführen sein, die sich, gleichsam einer schwarzen Masse, durch die Einkaufszentren bewegen

b) ein Hinweis auf die Einzelhändlerbilanzen sein, in denen jetzt endlich schwarze (statt rote) Zahlen auftauchen oder

c) mit der Behauptung zusammenhängen, dass die Händler an diesen Tagen schwarze Finger vom Geldzählen bekommen würden. (Ein Argument, dass offensichtlich aus den Zeiten stammt, als Credit Cards noch weitgehend unbekannt waren.)

In Deutschland ist ein arbeitsfreier Erntedanktag mit einem entsprechenden Brückentag für ausgiebige Shoppingevents (noch) nicht vorstellbar – zumindest nicht in dieser Form. Es scheint, dass der hiesige Einzelhandel mit gelegentlichen verkaufsoffenen Sonntagen noch zufrieden ist.

Anders der Online-Handel: 2013 kam es auch in Europa am Black Friday zu ersten großen Sonderaktionen, was natürlich völlig »unamerikanisch« war: Auf der anderen Seite des Atlantiks beginnt die heiße Phase im Internet immer erst am »Cyber Monday« – den Montag nach dem »Black Friday«. So kommen sich die klassische Einzelhändler und das Geschäft im Netz wenigstens nicht in die Quere.

Julklapp »einfach«...

Einen etwas gigantischen Eindruck machen oft die Geschenkeberge unter amerikanischen Weihnachtsbäumen – von den nach dem Startzeichen schnell wachsenden Einpackpapierhaufen ganz zu schweigen. Da geht es doch in Skandinavien viel ruhiger zu:

Nach dem großen Weihnachtsessen am 24. Dezember werden die zahlreichen Julklapp-Päckchen verteilt und der Reihe nach ausgepackt. Das Besondere daran ist, das jedes Geschenk in zahlreiche Lagen Papier eingewickelt ist – auf dem jeweils ein anderer Namen steht. Man wickelt also jeweils nur »seine« Lage ab und reicht das Geschenk dann an denjenigen weiter, dessen Namen erschienen ist. Ist das Päckchen schließlich bei der Zielperson, findet diese neben dem eigentlichen Geschenk noch ein paar lustige Verse darin, die sie laut vorlesen muss. Hat sich dann das Gelächter gelegt, geht es mit dem nächsten Päckchen weiter. Ist alles ausgepackt, tanzt die ganze Familie ausgelassen um den Weihnachtsbaum herum.

Es ist übrigens nicht bewiesen, dass die Geschenkpapierindustrie diese Tradition am Leben erhält – oder umgekehrt.

...oder »á la White Elephant«

Auch in unseren Breiten gibt es verschiedene Lite-Versionen des Julklappen – meist als »Wichteln« bezeichnet – diee in größeren Gruppen gerne gespielt werden. In der einfachsten Form zieht man einen Namenszettel und beschenkt den dort Bezeichneten anonym. Man kann auch alle Geschenke in einen Sack stecken und blind ziehen. (»Grabbelsack«) Bei der sadistischen Variante wird gewürfelt: und die bereits ausgepackten Geschenke wandern entsprechend weiter. (Bei der »eins« muss das Geschenk an den linken Nachbar abgegeben werden, bei einer »sechs« darf man jemand aussuchen der mit einem tauschen muss etc.)

Eine extreme Variante ist White-Elephant-Julklapp, auch »Greuelklapp« oder »Schrottwichteln« genannt. Hier geht es darum, besonders hässliche, schrottige oder absolut nutzlose Dinge zu verschenken. Für Weihnachten dann auch nicht soooo geeignet.

| Mdl