Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
Verlosung

Gewinnen Sie 2x
2 Eintrittskarten

für das Konzert von
Billy Crash & Freakers Ball
am 6.12.2014 ab 20 Uhr
in der Burgscheune Stadecken

Billy Crash »Mer waate uff de Niggelos«, betitelt Billy Crash seinen diesjährigen »Woinachts­blues«. Eingeladen hat er auch Hildegard Bachmann, die liest Weihnachtliches uff Rhoihessisch.

Für das Konzert & Lesung am 6.12. in der Burgscheune Stadecken verlost DER MAINZER 2x 2 Karten!

Teilnahmeschluss:
25. November 2014

Mehr Informationen finden Sie hier >>>

Werbung

Titelstory

Wohnungen für jeden Bedarf ?

In Mainz ist die Ausweisung von Wohngebieten Sache der Politik, Planung und Bau von Wohnungen liegt in der Hand von vielen Häuslebauern, einigen Bauunternehmen sowie der Wohnbau GmbH, der MAG mbH und der Stadtwerke AG. Müssen in Mainz drei stadtnahe Gesellschaften diesen Bereich beackern? DER MAINZER fragte deren Geschäftsführer, bzw. Vorstand und bat den Bauunternehmer Dirk Gemünden um eine Einschätzung des Wohnungsbaus in Mainz.


Landwehrweg Wohnbau zollhafen
Oben: Das MAG-Projekt Landwehrweg
Mitte: Das Wohnbau-Projekt Suderstraße in Mombach
Unten: Das Stadtwerke-Projekt Mainzer Zollhafen
Stadtwerke und MAG planen und bauen für die Reichen, die Wohnbau plant und baut für die Armen: Lassen sich so die Prioritäten der stadtnahen Gesellschaften zusammenfassen?

MAG-Geschäftsführer Martin Dörnemann: »Aus Sicht der MAG können wir das nicht bestätigen. Die MAG versteht sich als professioneller und innovativer Projektentwickler, der auch städtebaulich schwierige Projekte umsetzt, wie den Bau der neuen Synagoge oder die Römerpassage. Dabei geht es um städtebaulich bedeutende Lösungen an neuralgischen Stellen, die auch in Jahrzehnten noch funktionieren sollen. In der Finanzkrise 2009 hatte auch die MAG Probleme. In der Aufarbeitungsphase haben die Gesellschafter, die Geschäftsführung sowie der Aufsichtsrat der MAG erkannt, dass es künftig nicht darum gehen kann, Wunschvorstellungen einzelner gesellschaftlicher Gruppierungen zu erfüllen. Vielmehr muss jedes Projekt für sich auch eine wirtschaftlich tragbare Lösung sein. Was unseren städtebaulichen Anspruch angeht, sehen wir uns dabei in einer großen Verantwortung und streben Ergebnisse an, die mit Bürgerbeteiligungen entwickelt und mit den städtischen Gremien abgestimmt werden und nicht zuletzt den Vorstellungen einer qualitativ anspruchsvollen Architektur genügen.«

Wohnbau Mainz-Geschäftsführer Thomas Will und Franz Ringhoffer: »Kernaufgabe der Wohnbau Mainz ist es, preisgünstigen Wohnraum für breite Schichten der Mainzer Bevölkerung anzubieten. Diesem Auftrag stellen wir uns heute und in Zukunft. Dabei haben wir die stetig sich ändernden Wohnbedarfe der Menschen sowie das gesamte Stadtbild bei der Planung von Neubauten, Modernisierungen und Instandhaltung im Blick. Unser Angebot geht an alle Wohnungssuchenden, dabei vor allem an Haushalte mit geringerem oder mittlerem Einkommen. Denn wer mit dem Geld sparsam umgehen, im Alter von der knappen Rente leben muss oder im Studium bzw. in der Ausbildung steht, kann sich keine teure Wohnung leisten. Wir sind in Mainz nach wie vor der günstigste Anbieter von Wohnraum. Von 10.400 Wohnungen im Bestand sind 3.917 gefördert, diese werden zu durchschnittlich 6,21 €/qm Kaltmiete angeboten. Wir haben vor, in den nächsten fünf Jahren weitere 1.000 preisgünstige Wohnungen zu errichten.«

Detlev Höhne, Vorstand Stadtwerke Mainz AG: »Die These, die Stadtwerke und die MAG würden für Reiche bauen und die Wohnbau für Arme ist zwar plakativ, aber falsch: Auf den Gonsbachterrassen wohnen nicht nur Reiche, auch wenn die Grundstückspreise dort recht hoch waren. Dort gibt es jede Menge Familien mit Kindern, nicht nur im Geschosswohnungsbau. Außerdem haben die Stadtwerke und die Wohnbau zusammen das Gebiet Gonsbachterrassen entwickelt, schon von daher taugt eine solche Einteilung in vermeintlich »gute« oder »böse« stadtnahe Gesellschaften sicher nicht.«

Wo liegen die Schwerpunkte der Wohnbauprojekte von MAG, Wohnbau und Stadtwerke?

MAG Geschäftsführer Martin Dörnemann: »Die stadtnahen Gesellschaften haben ihre Geschäftsfelder ganz bewusst aufeinander abgestimmt, um keine künstliche Konkurrenz aufzubauen. Die MAG und ihre Töchter decken hier den Eigentumsbereich ab. Beispielhaft möchte ich drei Projekte nennen: Die Studentenwohnanlage Kisselberg ist ein neu errichtetes Wohnheim in unmittelbarer Nähe zum Uni-Campus mit 795 Plätzen in 1-Zimmer-Wohnungen und 4er WGs. Am Hopfengarten sind 35 Wohnungen in einem qualitativ hochwertigen Segment inmitten der Altstadt entstanden. Am Landwehrweg haben wir sogenannte ‚Preiswerthäuser‘ fertiggestellt, die mit einem Förderprogramm vor allem jungen Familien die Möglichkeit geben, Eigentum zu erwerben. Kernstück unseres eigenen Förderkonzepts: Junge Familien mit wenig Eigenkapital erhalten innerhalb bestimmter Einkommensgrenzen für jedes Familienmitglied 3.000 Euro Eigenkapitalzuschuss, maximal 12.000 Euro.«

Wohnbau Mainz-Geschäftsführer Thomas Will und Franz Ringhoffer: »Die Wohnbau Mainz investiert in diesem Jahr rund 18 Mio. € in Neubau und Modernisierung von Wohnungen, nächstes Jahr fast 40 Mio. €. Das wird die Wohnungsversorgung in Mainz verbessern und stärkt das heimische Handwerk. Schwerpunkt bleibt der öffentlich geförderte Wohnraum, denn 7 €/ qm Kaltmiete findet man sonst nicht im Wohnungsneubau. Im Zuge dessen werden auch Stadtteilquartiere komplett neu gestaltet wie etwa in Mombach in der Suderstraße. Viele der neuen Wohnungen werden barrierefrei im Sinne des Baurechts ausgestattet sein, sind somit besonders für ältere oder behinderte Menschen geeignet. Beispiel dafür sind die neuen Wohnhäuser im Martin-Luther-King-Park. Hier entsteht ein Komplex mit 98 Wohnungen, mit dem erstmals das von der Wohnbau entwickelte Modellprojekt »Zuhause in Mainz – Wohnen mit Versorgungssicherheit« umgesetzt wird.«

Detlev Höhne, Vorstand Stadtwerke Mainz AG: »Bei der Projektentwicklung gilt grundsätzlich: Die Stadtwerke Mainz bauen nicht, sondern entwickeln Konversionsflächen, machen sie baureif, und verkaufen die erschlossenen Baugrundstücke an private Interessenten oder an gewerbliche Investoren und Bauträger. Diese realisieren die Gebäude, vermieten oder verkaufen sie an ihre Kunden. Der Zollhafen, den wir im joint venture mit der CA Immo AG entwickeln, wird ein urbanes Quartier mit großformatiger Bebauung. Hier entsteht Geschosswohnungsbau, teils als Eigentumswohnungen, teilweise für Mietwohnungsbau. Das Preisniveau wird dabei in den Wasserlagen am Rhein recht hoch sein. Denn das Quartier ist attraktiv, die Entwicklungs- und Baukosten sind hoch. Dennoch werden im Zollhafen auch öffentlich geförderte Wohnungen, sowie Projekte mit Senioren- oder Studentenwohnungen und für private Baugemeinschaften umgesetzt. Beim Heiligkreuz-Areal in Weisenau liegt der Fokus auf dem Thema bezahlbares Wohnen. Ein Drittel des Wohnraums soll für das preiswerte Segment (deutlich unter den Mainzer Marktmieten) zur Verfügung stehen, ein weiteres Drittel im mittleren Preissegment und der Rest im höherpreisigen Bereich. Entwickelt werden soll ein gemischtes, attraktives Wohnquartier mit nachhaltigen Bewohnerstrukturen – und das in Zusammenarbeit mit den anderen stadtnahen Gesellschaften Wohnbau und MAG.«

| SoS

Wie schätzen Sie die Entwicklung des Wohnungsbaumarktes in Mainz ein?

Dirk Gemünden, Geschäftsführer der J. Molitor Immobilien GmbH, eines der Unternehmen, die u.a auch mit stadtnahen Gesellschaften Projekte entwickeln:

»Auf dem Mainzer Wohnungsmarkt hat sich vor allem durch die Kapitalmarkt­situation in den letzten Jahren einiges getan, viele investieren ihr Geld in Immobilien. Die Nachfrage nach Wohnraum ist konstant hoch und wird es auch bleiben: Mainz ist ein prosperierendes Ballungszentrum im Rhein-Main-Gebiet mit dem entsprechenden Zuzug. Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen aus den ländlichen Gebieten in die Ballungsräume ziehen. Ein weiterer wichtiger Faktor für den Wohnungsmarkt: Mainz ist eine attraktive Universitätsstadt mit anhaltend hohen Studierendenzahlen.«

Wo besteht Verbesserungs-, Anpassungsbedarf?

Gemünden: »Handlungsbedarf besteht insbesondere bei Wohnraum für die mittleren und unteren Einkommensschichten. Dies setzt entsprechend günstiges Wohnbaugelände voraus. Die jüngsten Baugebiete in gefragten Wohnlagen, wie z.B. Zoll- und Binnenhafen, gehen an diesen Zielgruppen vorbei. Neue Baulandausweisungen müssen so strukturiert werden, dass durch niedrige Grundstückskosten die enorm gestiegenen Herstellkosten (insbesondere im Bereich der EnEV-Bestimmungen) kompensiert werden können. Im Segment des sozialen Wohnungsbaus sind die Marktteilnehmer gefordert, die sich traditionell mit der Schaffung von öffentlich gefördertem und sozialem Wohnungsbau beschäftigen: vorwiegend die gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaften. Private Investoren, die das Segment des freien Wohnungsbaus ab­decken, zur Schaffung von mietpreis­gebundenen Wohnungen zu verpflichten, ist der falsche Weg. Wenn sich bei den bankenfinanzierten Investitionen nicht auch die entsprechende Ertragsseite darstellen lässt, kommen die Investitionen erst gar nicht zustande. Es gilt, auf kommunaler Ebene die Schere zwischen ständig steigenden Herstellkosten und niedrigen Grundstückspreisen zu schließen – damit Einkommensgruppen, die sich das Bauen eines Eigenheims bislang gerade so leisten konnten, auch zukünftig den Weg ins Eigenheim schaffen.«

|SoS