Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
Verlosung

Gewinnen Sie 2x
2 Eintrittskarten

für das Konzert von
Billy Crash & Freakers Ball
am 6.12.2014 ab 20 Uhr
in der Burgscheune Stadecken

Billy Crash »Mer waate uff de Niggelos«, betitelt Billy Crash seinen diesjährigen »Woinachts­blues«. Eingeladen hat er auch Hildegard Bachmann, die liest Weihnachtliches uff Rhoihessisch.

Für das Konzert & Lesung am 6.12. in der Burgscheune Stadecken verlost DER MAINZER 2x 2 Karten!

Teilnahmeschluss:
25. November 2014

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Mainzer Kopf

Es ist nun mal mein Ding

Miriam Spies mag Beat-Literatur. Eine nicht alltägliche Literaturgattung. 2007 gründete sie einen Verlag – nur um ein bestimmtes Buch zu veröffentlichen. Aktuell bringt der gONZo-Verlag bereits 30 Titel unter die Leute.


Miriam Spie

»Acid, Mao und I Ging – Erinnerungen eines Berliner Haschrebellen«, so heißt das Buch, das Miriam Spies unbedingt gedruckt sehen wollte. Die damals 25-Jährige gründete den gONZo-Verlag und aus der ursprünglichen Nebenbeschäftigung wurde ein »Rundumdieuhrjob«.

Miriam Spies entstammt einer pragmatisch orientierten Familie, wie sie sagt. Der Vater ist Wirtschaftsprüfer, die Mutter Steuerberaterin, der »kleine Bruder« Steuerfachangestellter. Sie selbst sei einerseits aus der Art geschlagen, andererseits sei die ganze Familie künstlerisch durchaus gut drauf – sie habe ihre Interessen zum Beruf gemacht, umschreibt Spies recht lakonisch die Tatsache, dass für sie selbst der Gelderwerb eben nicht an erster Stelle steht.

Auf den Geschmack gekommen

Mainz hat Miriam Spies nie wirklich verlassen – den achtmonatigen Ausflug zum Studium an die Berliner Humboldt Universität hätte sie sich schenken können, bilanziert sie: »Die Fallhöhe der Erwartungen war wohl zu hoch gewesen.« An Mainz schätzt sie vor allem die Möglichkeit, rasch ins Grüne zu gelangen. Die Mainzer Subkultur allerdings, also der kulturelle Raum, in dem sie sich beruflich wie privat bewegt, der sei nun nicht so dolle.

Bücher wurden ihr nicht direkt in die Wiege gelegt, meint die Verlegerin. Als 14-, 15-Jährige habe sie Goethe, Janosch und Tucholsky gelesen, aber erst das Germanistikstudium (neben Kulturanthropologie und Buchwissenschaft) brachte sie richtig auf den Geschmack – auf den Geschmack für die in den USA entstandene Beat-Literatur der 1950er Jahre, die in Deutschland u.a. Rolf Dieter Brinkmann aufgriff. »Diese Zeiten, die 68er, alles was sich damals entwickelte, waren spannend, es war der Neuanfang nach dem Krieg.«

Weniger spannend findet die 1982 Geborene dagegen aktuelle Entwicklungen: »Ich habe den Eindruck, vielerorts herrscht Agonie vor, vielleicht weil der Druck von allen Seiten immens ist, der Druck am Arbeitsplatz, die vielen Katastrophen, die über alle Medienkanäle unablässig auf die Menschen einwirken... dabei gibt es doch so viele Themen, auf die man drauf gucken muss!«

Grenzgänger und »Hardboiled«

Genau das versucht Miriam Spies mit ihrem Verlagsprogramm, mit literarischem Rock’n’Roll, Beatlyrik, Literatur gesellschaftlicher Grenzgänger und experimentellen Mischformen. Deshalb ist auch der Krimi, der jetzt erscheint, ein »hardboiled-Krimi« und die Verlegerin widmet sich aktuell den Entwicklungen im Journalismus. Schließlich ist der Name ihres Verlags angelehnt an den Gonzo-Journalismus, der auf den amerikanischen Schriftsteller und Journalisten Hunter S. Thompson zurückgeht.

Die Mischung macht’s

Miriam Spies ist im Verlagswesen eine Ausnahmeerscheinung: »Jung, weiblich, independent – diese Mischung gibt’s nicht oft.« Als sie anfing, hätten die meisten wohl nicht damit gerechnet, dass sie so lange durchhalten werde: »Ich habe mir meinen Platz erkämpft und das wird auch anerkannt.«

Ihren gONZo-Verlag betreibt sie als Einfrau-Verlag: »Ich mache alles selbst, außer drucken.« Deshalb kommt sie kaum zum Lesen – von Manuskripten abgesehen. Will sie abschalten, hilft Musik: Bob Dylan, Jack White, Patty Smith. Musik die zur Beat-Literatur passt. Wie das Urlaubsziel Tanger in Marokko. Spies nennt es eine »Pilgerfahrt«, denn Tanger ist ähnlich wie Marrakesch, wo sie 2008 war, eine Hochburg der Beat-Literaten. Bei Miriam Spies passt eben alles zusammen.

| SoS