Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
Werbung

Mogunzius

MOGUNZIUS
STADTSCHREIBER DES MAINZERS

Shit happens...


Es gibt bestimmt appetitlichere Themen als Klärschlamm, aber man kann sich die politischen Themen einfach nicht aussuchen. In diesem Klärschlamm wird im Moment kräftig herumgewühlt, natürlich nur im übertragenen Sinne.

Begonnen hat alles mit dem damaligen Umweltdezernenten der CDU, Wolfgang Reichel. Der hat es durch seine Vorarbeit seit 2008, auf welchen Weg auch immer, geschafft, dass der Stadtrat vor fast genau vier Jahren seine Zustimmung zur Gründung einer städtischen Gesellschaft zur Klärschlammverwertung gab, die in seinem Dezernatsbereich erfunden wurde. Was viele Beobachter gewundert hat, war die große Mehrheit, mit der der Rat zustimmte, es gab lediglich zwei Gegenstimmen.

Naja, vielleicht lag es an dem Begriff der Verwertung und unsere Stadtväter und -mütter haben sich vorgestellt, dass man daraus Gold machen kann: shit to gold (hört sich Englisch vornehmer an als im Deutschen).

Feder

Auch der Ortsbeirat Mombach war wohl sprachlich irritiert, denn er hat über mehrere Jahre öffentlich nicht reagiert.

Katrin Eder, die grüne Umweltdezernentin, hat das Reichel-Erbe kritiklos übernommen, was ebenfalls sehr verwundert: beim Thema Verbrennung, egal ob es in der Vergangenheit um Kohle oder Müll ging, sammelten die Grünen durch ihre pauschale Ablehnung immer fleißig Wählerstimmen.

In den Folgejahren wurden erfolgreiche Verhandlungen mit weiteren Klärschlammproduzenten geführt bis ein großer Haufen zusammen kam. Alles unter dem Slogan: shit to Mainz.

Dann kam es wie es kommen musste, ein Mombacher FDP Mann entdeckte mit Verspätung das Projekt, machte den Kampf dagegen zu seinem Lebensinhalt und fand auch Bündnispartner in den Reihen der SPD.

Die Gefechtslage ist nun recht unübersichtlich: die neue-alte Rathaus-Koalition aus rot-grün-gelb will Alternativen untersucht haben. Die Grünen, an der Spitze Frau Eder, wollen die Verbrennung in Mombach wie von Herrn Reichel geplant. Die CDU will das auch, weil Herr Reichel ja der Parteivorsitzende ist. Die SPD will sich an den Koalitionsvertrag halten und Alternativen überprüft haben. Die FDP - die äußert sich überhaupt nur in Mombach zu dem Thema. Shit happens (Fortsetzung folgt).

| Mogunzius