Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
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Mainzer Staatstheater

spielart

Rau und poetisch

Der Tanzabend »My Private Odyssey« von Guy Weizman und Roni Haver

Guy Weizman
Guy Weizman

Er ist der neue Hauschoreograf von tanzmainz am Staatstheater: Guy Weizman. Gemeinsam mit seiner Partnerin Roni Haver stellt er sich nun dem Mainzer Publikum vor: »My Private Odyssey« feiert am 15. Oktober im Großen Haus Premiere. In der Koproduktion von tanzmainz und dem Club Guy & Roni geht es - das Thema liegt nahe - um den Aufbruch, um das Suchen, Finden und Wiederverlieren.

Guy Weizman umgibt sich mit einem hochkreativen Team. Hinter den fünf Tänzerinnen und Tänzern von tanzmainz und dem Club Guy & Roni arbeiten außergewöhnliche Künstler an der Gesamtwirkung der Produktion: Die Videokünstler von der Groninger Kreativsschmiede WERC. Der Lichtdesigner Will Frikken. Und natürlich der amerikanische Komponist David Dramm. Er wird von der niederländischen Presse mit Lou Reed, Charles Ives und Jimi Hendrix verglichen - und so ist auch der Sound für die Abenteuer des Odysseus eine aufregende Mischung aus klassischer Musik, Improvisation, Jazz und Rock. Pianistin und Ko-Komponistin Tomoko Mukaiyama,

Flötistin Monica Germino und die Violinistin Anna La Berghe treiben die Tänzer mit ihrer Musik zu dynamischen hochkomplexen Choreografien. Schnell, schweißtreibend, mitreißend. In plötzlichen Momenten der Ruhe hört man Odysseus Monolog, geschrieben und eingesprochen von Ko van den Bosch. Ungeschützter Realismus, komische Abgründe - die Seele des rastlosen Odysseus ist so verletzlich wie leidenschaftlich. Guy Weizman und Roni Haver werden ihr mit ihrer zugleich rauen und poetischen Tanzsprache, einen eigenen Ausdruck verleihen.

»My Private Odyssey« von Guy Weizman und Roni Haver
Eine Koproduktion von tanzmainz mit dem Club Guy & Roni
Premiere: 15. Oktober, 19.30 Uhr, Großes Haus (Uraufführung)


A charming Night: »The Fairy Queen«

Schauspiel, Oper und Tanz spielen zur Eröffnung gemeinsam im Großen Haus

Fairy Queen
Gemeinsam erzählen sie von der Liebe und ihren Verwirrungen - Sänger, Schauspieler und Tänzer des Staatstheaters.

Alle drei Sparten des Staatstheaters werden aufgeboten, wenn es in der großen Eröffnungsproduktion am 2. Oktober vor allem um eines geht - um die Liebe und ihren steten Begleiter: das Liebesleid. Henry Purcell übermalt in seiner barocken semi-opera »The Fairy Queen« William Shakespeares »Ein Sommernachtstraum« und richtet, das legt der Titel schon nahe, dabei den Fokus vor allem auf die Welt der Elfen. Das uneinige Elfenkönigspaar Titania und Oberon stürzt mit seinem virtuos ausgestalteten Ehestreit die ganze Welt ins Chaos; wer mit Zauberkräften zankt, hinterlässt Spuren. Kräftig unterstützt und kommentiert werden sie in ihrem turbulenten Tun von allerlei seltsamen Wesen, Feen, allegorischen Gestalten. Und die Menschen? Hermia, Lysander, Helena und Demetrius, die vier berühmten Liebenden, verirren sich nicht nur immer tiefer im Zauberwald, sondern auch in ihren Gefühlen zueinander. Hilflose Figuren in einem Vexierspiel zwischen Schein und Sein, in dem man nichts und niemandem, nicht einmal der eigenen Liebe, noch vertrauen kann.

Regisseur Jo Strømgren inszeniert »The Fairy Queen« im Großen Haus des Staatstheaters mit Schauspielern, Sängern und Tänzern. Elegant spielt er mit verschiedenen Erzählformen, mit den unterschiedlichen künstlerischen Ausdrucksformen der Sparten - und mit unseren Erwartungen: an das klassische Griechenland, an Drama und Tragödie. Das ungewollt Komische im großen Liebeswirrwarr, die Verwebungen von Zufall, Manipulationen und (vielleicht ja doch?) wahren Gefühlen lassen uns den besonderen Zauber dieser kürzesten Sommernacht spüren, die seit jeher Projektionsfläche für unsere Träume und Ängste war - die Nacht der Geister, des Spuks und der Verwünschungen. Getragen wird das bilderreiche Zauberspiel um unsere menschlichen Verwirrungen von einer wunderbaren Musik, die mit ihren Klängen das Bett für diese charming Night bereitet.

»The Fairy Queen« von Henry Purcell
Premiere: 2. Oktober, 19.30 Uhr, Großes Haus


Freiheit? Freiheit!

Water by the Spoonful
»Communication is truth, communication is health, communication is happiness. To share is our duty.« (Virginia Woolf) Das Ensemble von »Water by the Spoonful«.

Wer oder was bestimmt unser Leben? Drei ganz unterschiedliche zeitgenössische Stücke machen uns mit Figuren bekannt, die um die Möglichkeit eines freien Willens ringen: Mit trotziger Hoffnung erzählt »Water by the Spoonful« von Menschen rund um den Irakkriegsheimkehrer Elliot, die ihren Halt verloren haben. Ausgerechnet im Internet finden sie eine Form der Kommunikation, die ihnen eine ganz reale Perspektive eröffnet. Wahlfamiliengründung durch die Macht der Sprache - und intensives Schauspielertheater tief unter der Erde auf der neuen Studiobühne U17.

Auch Donald Delpe sucht seine Hoffnung in einer Kunstwelt. Donald ist 14 und will Sex. Doch die Chancen, ein Mädchen kennen zu lernen, stehen schlecht, denn er hat Krebs. Trost findet er in seinen selbst gezeichneten Comics, in denen der von ihm geschaffene Superhero keine Widerstände kennt. Bis Donald im wirklichen Leben auf jemanden trifft, der ihm mit überraschenden Mitteln helfen will. »Superhero« ist die berührend-hoffnungsvolle Ge­schichte eines Jungen, der sich seine Freiheit nimmt.

Die Gedanken sind frei - was banal klingt, beschreibt die große Kraft des Theaters. So sehr uns die Wirklichkeit auch zwingt, in unserem Kopf können wir mit ihr spielen: Eine junge Sportlerin wird unter dem Einfluss der DDR-Dopingpraxis immer mehr zum Mann. Doch in einer fast paradoxen Wendung fühlt sie sich schließlich in ihrem neuen Körper wohler als zuvor und geht von nun an ihren Weg, um von Lilli zu Heiner zu werden. Am Ende steht eine psychische und physische Befreiung. Lucie Depaux hat mit »Lilli/HEINER« ein außergewöhnliches Stück über eine außergewöhnliche Geschichte geschrieben.

Drei Mal junge Dramatik im Oktober: Es gibt sie, die aktuellen Stücke, die uns etwas angehen.

»Water by the Spoonful« von Quiara Alegría Hudes
Premiere: 4. Oktober, 19.30 Uhr auf U 17 (deutschsprachige Erstaufführung)

»Superhero« von Anthony McCarten (ab 12 Jahren)
Premiere: 10. Oktober, 11 Uhr auf U17

»Lilli/Heiner Intra Muros« von Lucie Depauw (Uraufführung)
Premiere: 24. Oktober, 19.30 Uhr im Kleinen Haus

www.staatstheater-mainz.com

Fotos: Martina Pipprich und Andreas Etter