Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
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Mainzer Kopf

Mobilität hat eine dienende Funktion!

Jochen Erlhof dürfte als Mister Mainzelbahn in die Mainzer Geschichte eingehen. Verkehr, das ist DAS Thema des MVG-Geschäftsführers und begeisterten Mainzers, der allerdings nicht nur in Mobilitätsfragen gerne über kommunale Grenzen hinweg blickt.


Jochen Erlhof
MVG-Geschäftsführer
Jochen Erlhof

Hört man Jochen Erlhof zu, kann man sich gut vorstellen, wie dieser volltönende Bass in einem Chor klingt. Leider schaffe er es schon seit über 20 Jahren nicht mehr, an regelmäßigen Proben teilzunehmen, bedauert der MVG-Geschäftsführer. Weniger vorstellbar klingt dagegen seine Aussage, er sei ein echter Mainzer, denn Jochen Erlhof spricht ohne jede Dialektfärbung. »Doch«, beteuert der 53-Jährige, »ich bin hier geboren, zur Schule gegangen und seit 1996 auch beruflich aktiv.« Selbst während seiner »Ausflüge« nach Darmstadt (zum Studieren) und nach Wiesbaden (zum Arbeiten in einem Ingenieurbüro) habe er immer in Mainz gelebt.

Ideologie nein danke

Jochen Erlhof hat als Bauingenieur mit Schwerpunkt Umwelt und Raumplanung sowie Verkehr das Thema Mobilität zuerst an der TH Darmstadt, dann sieben Jahre lang in einem Ingenieurbüro bearbeitet, bevor er 1996, als Leiter des Amts für Verkehrswesen, in die Mainzer Stadtverwaltung wechselte. Sein Chef war der GRÜNE-Verkehrsdezernent Hans-Jörg von Berlepsch. Eine insofern bemerkenswerte Tatsache, als Erlhof von 1989 -1996 für die FDP im Mainzer Stadtrat wirkte. Damals, erinnert sich Erlhof, wurde noch eher ideologisch über Verkehrsthemen diskutiert. Mittlerweile habe Mobilität in all ihren Facetten klar eine dienende Funktion für die Bürger, die von A nach B möglichst schnell und komfortabel wollten.

Erlhof hat es nicht so mit »Ideologien«. Er wirkt sachlich, korrekt, bezeichnet sich selbst als eher »preußisch« und konzentriert sich auf das Machbare: »Die Fachleute und die Politik können nur in Sichtweite der Bürger vorneweg marschieren.«

Vermutlich trug dieser Pragmatismus zu der breiten Unterstützung sowohl von der Verwaltung als auch durch den Stadtrat bei, die Jochen Erlhof erhielt, als er neben Gunter Rebahl nach der Gründung der Mainzer Verkehrsgesellschaft 2002 zum 2. Geschäftsführer der MVG berufen wurde. Das Parteibuch, so ist er überzeugt, spielte dabei eine nachgeordnete Rolle. Er hat sich als Fachmann durchgesetzt. Das zählt.

Neben der nüchternen Analyse von Fahrgastzahlen, Routen und Fahrplänen kann Jochen Erlhof kommunikativ und konsensorientiert agieren, was, so seine Erfahrung, bei Ingenieuren nicht selbstverständlich sei. Nützlich sind diese Eigenschaften sicher, um ein Dienstleistungsunternehmen wie die MVG zu managen. Nicht nur wenn eine Mammutaufgabe wie der Bau der Mainzelbahn ansteht, ist die Fähigkeit, nach innen und nach außen erklären und vermitteln zu können, gefragt. Auch wenn sich Fahrgäste über Busfahrer beschweren.

Den Verkehr ruhen lassen

Erlhof hat den allergrößten Teil seines Berufslebens dem Mainzer Verkehr gewidmet. Seine Begeisterung für Busse, Bahnen und MVGmeinRad hat darunter nicht gelitten. Im Gegenteil. Ähnlich begeistert er sich, geht es um sein Familienleben, wobei für ihn Familie nicht nur seine Frau (Ärztin und Psychotherapeutin), der 22-jährige Sohn und die 19-jährige Tochter, sowie seine Eltern und Schwiegereltern sondern auch seine Geschwister und deren Kinder bedeuten. Bei den gemeinsamen Urlauben kommen allerhand Menschen zusammen, manchmal sogar auf einem Segelboot – eine der Beschäftigungen, die zwar auch mit Mobilität zu tun haben aber nicht direkt mit dem Mainzer ÖPNV in Verbindung zu bringen sind. Erlhof kann tatsächlich den Mainzer Verkehr auch mal ruhen lassen. Für sich selbst. Beim Joggen und Radfahren oder beim Saunieren mit den Nachbarn.

| SoS