Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
Werbung

Guntersblumer Museum

Von Bier und Wein bis zum Rheindurchstich und Georg K. Glaser

Ein Mainzer Bierbrauer baut in Guntersblum ein Gebäude um Wein zu erzeugen und zu vertreiben. So begann eine wahre Geschichte, die in das Guntersblumer Museum im Kellerweg führt.

museum-guntersblum

Der Kellerweg in Guntersblum ist, abgesehen vom berühmten Kellerwegfest, insofern eine Besonderheit, als die Häufung von Weinkellern in dieser Straße deutschlandweit (laut Wikipedia) einzigartig ist. Hinter der Hausnummer Kellerweg 20 verbirgt sich das Kelterhaus aus dem 19. Jahrhundert – verbergen ist der passende Ausdruck, denn die Jugendstilfassade in Sandstein befindet sich auf der Rückseite des Gebäudes, eingerahmt von »Bausünden« aus jüngeren Zeiten.

Erbaut wurde das Gebäude 1887 von Georg Konrad Rösch, der wiederum war Mainzer Bierbrauer. Zumindest wird er für das Jahr 1896 als Besitzer des Schöfferhofes genannt. Die Brauerei existierte laut www.bier-in-mainz.de als »Brauhaus zum Korb« seit 1840 und wurde als Brauerei mit Gaststätte betrieben.

Guntersblumer Kulturgut

museum-guntersblum

Rösch soll das Gebäude in Guntersblum allerdings nicht mit der Absicht, eine Bierbrauerei zu betreiben, gebaut haben, sondern er habe erkannt, dass mit der Erzeugung und dem Vertrieb von Wein gutes Geld zu verdienen ist. Das Gebäude mit großem Anwesen verfügte über drei Kelleretagen zur Weinlagerung.

2002 erwarb die Gemeinde Guntersblum das Gebäude und stellte es dem Verein zur Erhaltung Guntersblumer Kulturgutes e.V. zur Verfügung, der bis zur ersten Ausstellung 2004 umfangreiche Renovierungsarbeiten durchführte.

Diese erste Ausstellung widmete sich direkt einem besonderen Jubiläum: dem Rheindurchstich, der 175 Jahre zuvor, 1828-29, von Claus Kröncke realisiert wurde. Aufgrund dieses Durchstichs verkürzte sich der Flussweg für die Schiffe stromaufwärts um etwa einen Tag, stromabwärts immerhin noch um 5-6 Stunden.

museum-guntersblum

Ein besonderes Schmuckstück des Guntersblumer Museums ist die Weinprobierstube aus dem Jahr 1887. Das im Stile des Historismus holzvertäfelte Zimmer integriert als Fries eine farbenfrohe dekorative Malerei aus dieser Zeit, die nach mündlicher Überlieferung von italienischen Wandermalern auf Leinwand gebracht wurde. Die Malerei wurde wohl in den fünfziger Jahren von dem Mainzer Maler Karl Bolz restauriert und deshalb auch signiert.

Übrigens: Georg K. Glaser, der Namensgeber des Literaturpreises, den alljährlich Rheinland-Pfalz und der SWR ausschreiben, wurde in Guntersblum geboren. Dazu passt die Lesung des Georg-K-Glaser-Preisträger 2013, Harald Martenstein, am 31.10.14 um 20 Uhr im Museumskeller Guntersblum.

| SoS

Geöffnet ist das Museum sonn- und feiertags von 14 bis 18 Uhr
www.kulturverein-guntersblum.de/Museum
Die Frontansicht des Museums im Guntersblumer Kellerweg (hier eine Panoramaaufnahme aus mehreren Fotos) verbirgt gekonnt die innenliegenden Schätze wie die Weirobierstube von 1887 mit ihrem bleiverglasten Fenster (Foto re.) und die dekorative Malerei mit Putten, die in liebevoller Darstellung die Herstellung des Weines und seinen Genuss darstellen (Foto ganz oben von Holger Heim)
Fotos: Albert Hillesheim