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STADTSCHREIBER DES MAINZERS

Und das nicht nur zur Weihnachtszeit


Das Verwaltungsgericht Mainz hat das Vergabeverfahren der Stadt für 90 Stände auf dem Weihnachtsmarkt für rechtswidrig erklärt. Damit ist die rechtliche Seite geklärt. Was ist aber mit der politischen?

Verantwortlich für diesen Vorgang ist der Wirtschaftsdezernent und FDP-Politiker Christopher Sitte.

Was mag in ihm vorgegangen sein, als er in einer Verwaltungsbesprechung die Erarbeitung des Vergabeverfahrens in Auftrag gegeben und später das Ergebnis frei gegeben hat? Es bedurfte bestimmt nicht jahrzehntelanger kommunalpolitischer Erfahrung und einem Studium der Psychologie, um sofort zu erkennen, wie brisant der Vorgang ist. Es ist schon eher peinlich, sich von einem Verwaltungsrichter, der zudem Wanwitz heißt, sagen zu lassen, dass ein solches Verfahren transparent sein muss.

Feder

Ein Dezernent hat seinen Zuständigkeitsbereich zu führen (und nicht umgekehrt). Zudem braucht er auch etwas, was man heute als Empathie bezeichnet. Das bedeutet, die Fähigkeit und Bereitschaft zu besitzen, die Gedanken, Emotionen, Motive von anderen (in diesem Fall der Mainzer Standbetreiber) zu erkennen und zu verstehen.

An dieser Fähigkeit scheint es dem Wirtschaftsdezernenten zu mangeln.

Das mag ein hartes Urteil sein, wenn es sich nicht in Gesprächen auf den Rathausfluren immer aufs Neue bestätigen würde. Selbst die Parteifreunde von Herrn Sitte wurden nach der FDP Wahlschlappe deutlicher mit ihrer Kritik: Es fehle dem Parteifreund an Leidenschaft und damit der Bereitschaft, sich mit 110 Prozent in die Kommunalpolitik einzubringen.

Gut, das mag von außen betrachtet, alles einfacher zu sein als auf dem Stuhl eines Dezernenten zu sitzen. Gegen die geballte Argumentation des Amtes für Wirtschaft und Liegenschaften und ihres Leiters Brümmendorf anzutreten, der, gestählt durch viele Jahre Leitung des OB-Büros, ein absoluter Verwaltungsprofi ist, hat es jeder schwer. Wenn dann noch das Rechtsamt keine Hilfestellung gibt, sondern nach wie vor der Auffassung ist, dass die Entscheidung des Verwaltungsgerichts falsch ist, ist das ganz harte Kost.

Aber wie lautet die Definition von Führung: durch Interaktion vermittelte Ausrichtung des Handelns auf die Verwirklichung vorgegebener Ziele. Entweder hat es an einem Ziel gefehlt oder es war falsch oder es hat an der Vermittlung gemangelt.

Zumindest an Letzterem wird zurzeit gearbeitet, schaun mehr mol ...

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