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Mainz 05

FSV Mainz 05: Opfer des eigenen Erfolgs?

Das Aus der Nullfünfer in der Europa League und im DFB-Pokal hat einen mittelprächtigen Shitstorm entfacht. Hämische bis böse Kommentare machten die Runde und erreichten auch Christian Heidel. Der gab bei einer Nullfünf-Veranstaltung Kontra.


Christian Heidel
Nullfünf-Manager Christian Heidel

Der Nullfünf-Manager ist dafür bekannt, seine Meinung deutlich kundzutun. Bei einer Veranstaltung für VIPs und andere geladene Gäste des Erstligisten Mainz 05 Anfang August äußerte sich der 05-Manager vor mehr als 1.000 Zuhörern u.a. zu den harschen Reaktionen von Fans nach dem Griechenland Spiel und dem Ende der Europa-Träume.

Nun, direkt vor dem Auftaktwochenende der neuen Saison schaffte es Heidel dem MAINZER mittels Smartphone Fragen zu beantworten, die sich unseren Nullfünf-Experten nach dem »Genuss« des Heidel-Vortrags stellten.

Ist Mainz 05 noch der besondere Verein?

Christian Heidel: »Also für mich persönlich ganz bestimmt. Aber wir werden in Mainz nicht mehr als der kleine Underdog angesehen, dem man auch nach Niederlagen zujubelt. Die Erwartungshaltung in und um Mainz ist inzwischen sehr hoch, höher als im Rest der Republik. Vieles wird sehr viel kritischer gesehen als früher. Die Messlatte von vielen liegt auf den Tabellenplätzen der letzten fünf Jahre.«

Was läuft da schief im Empfinden mancher Sportfreunde, wenn sie derart hämische SMS schreiben?

Christian Heidel: »Wir sind ein wenig Opfer unseres eigenen Erfolges. Unsere sportlichen Erfolge der letzten fünf Jahre passen eigentlich gar nicht zu unseren wirtschaftlichen Möglichkeiten. Alle sehen unsere wirtschaftliche Entwicklung sehr positiv aber vergessen die Entwicklung der anderen durch Champions-League, Investoren, Mäzen und andere externe Finanzierungen. Wir sind weiterhin ein ganz kleiner Fisch in der Bundesliga und das wird leider oft verkannt. Wir können hier niemandem die Tabellenplätze der Vergangenheit in der Zukunft garantieren. Ein Aus in der Quali-Phase der Europa League wird von manchen schon als peinlich angesehen. Vor nicht allzu vielen Jahren haben wir den Nicht­abstieg aus der 2. Liga noch bejubelt.«

Warum hat Nicolai Müller Mainz 05 verlassen?

Christian Heidel: »Weil er mit fast 27 Jahren einen Vierjahresvertrag angeboten bekam, der ihm das Vier- bis Fünffache seiner Bezüge in Mainz garantiert. Ich habe es sehr bedauert aber auch Verständnis. Jeder, der jetzt schimpft, sollte sich mal hinterfragen, wie er selbst reagieren würde, sollte er ein solches Stellenangebot bekommen. Dann relativiert sich die Kritik sehr schnell.«

Wie kann ein eigentlich bankrotter Verein einem Spieler das Vier- bis Fünffache zahlen? (financial fair play)

Christian Heidel: »Na ja. Bankrott ist der HSV ganz sicher nicht, aber auf die Hilfe Dritter in Form von vielen Millionen Euro angewiesen. Diese Unterstützung garantiert Liquidität und somit sind solche Transfers möglich. Mainz 05 muss jeden Euro durch das Fußballgeschäft verdienen. TV, Tickets, Sponsoring und Transfers sind unsere Quellen. Andere gibt es nicht.«

| Aufgezeichnet: SoS