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Fluglärm & Gesundheit

Studie bestätigt erneut: Fluglärm macht krank

In einer weiteren Studie untermauert das Team um Prof. Dr. Thomas Münzel den Zusammenhang zwischen Fluglärm und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Mainzer Kardiologe fordert Gesetze, die die Menschen vor diesen Gesundheitsgefahren schützen.


Prof. Dr. Thomas Münzel, Dr. Frank Schmidt, Dr. Babette Simon
Prof. Dr. Thomas Münzel, Direktor der II. Medi­zinischen Klinik und Poliklinik, Studienleiter Dr. Frank Schmidt sowie Vorstandsvorsitzende und Medizinischer Vorstand der Universitätsmedizin Mainz, Dr. Babette Simon präsentieren die Ergebnisse einer weiteren Mainzer Fluglärm­studie. Münzel und Simon stimmen darin über­ein, dass die eindrücklichen Ergebnisse der Studie insbesondere vor der kürzlich erteilten Baugenehmigung für den dritten Terminal am Frankfurter Flughafen bedeutsam seien und fordern eine deutliche Entlastung des Geländes Uni-Medizin und der umliegenden Kliniken von Fluglärm.

Nachdem im vergangenen Jahr eine Studie der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz nachwies, dass Fluglärm bei gesunden jungen Menschen zu Gefäßfunktionsstörungen, erhöhtem Stresshormonspiegel und zu einer verminderten Schlafqualität mit drastischen Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System führen kann, wurden nun ältere und vorerkrankte Probanden im Rahmen einer weiteren Studie mit Fluglärm beschallt.

Die Verschlechterung der Gefäßfunktionen seien derart ausgeprägt, dass die Studie nach 60 Probanden vorzeitig abgebrochen wurde, obwohl 100 Probanden ausgewählt waren, erläuterte Dr. Frank Schmidt, Studienleiter dieser neuen Mainzer »FluG-Risiko-Studie«.

Die 60 Probanden, vorgeschädigt durch eine koronare Herzerkrankung oder mit einem erhöhten Risiko für eine Herzerkrankung, wurden in ihrer häuslichen Umgebung nachts während des Schlafs einem simulierten Nachtfluglärm mit einem mittleren Schallpegel von 46 dBA ausgesetzt. Dabei wurden die Gefäßfunktionen an der Armschlagader mit hochauflösenden Ultraschallgeräten gemessen, um die Endothel-Funktion (die Dehnungsfähigkeit der Arterien), ein prognostischer Parameter in der Kardiologie, zu untersuchen. Die Ergebnisse, deutliche Gefäßschäden, erhöhter Blutdruck und verminderte Schlafqualität seien Befunde, die die gesundheitsgefährdende Wirkung von Fluglärm ein weiteres Mal unter Beweis stellten, so Münzel.

Studienleiter Schmidt wies auf weitere interessante Details hin: Bei der Studie seien die individuelle Lärmempfindlichkeit und die jeweilige Einstellung gegenüber Fluglärm berücksichtigt worden, sie hätten aber keinen Einfluss auf die Ergebnisse gehabt. Das heißt, auch Probanden, die sich nicht über Fluglärm ärgern, die keine explizit negative Einstellung dazu haben, zeigten die verschlechterte Gefäßfunktionen.

Prof. Münzel formulierte aufgrund des neuerlichen Belegs, dass Fluglärm krank macht, eindeutige Forderungen an die Politik. Lärm, so der Kardiologe, sei der einzige Faktor, den der Patient, der an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leide, nicht selbst beeinflussen könne, weil er ihn nicht abstellen kann. »Das kann nur die Politik. Wir brauchen Gesetze, die nicht die Flughafenbetreiber, sondern die Anwohner schützen.«

| SoS


Wird nun endlich das »Gesetz zum Schutz gegen Fluglärm« vom 1.6.2007 geändert?


Prof. Dr. Volker Erb

Vor dem Hintergrund der neuesten Studienergebnisse, die erneut unter Beweis stellen, dass Fluglärm die Funktion von Gefäßen negativ beeinträchtigt, antwortete Professor Dr. Volker Erb, Straf- ­­rechts-Professor an der Universität Mainz:

Prof. Dr. Volker Erb: »Das ist eine Frage des politischen Willens in den zuständigen Gremien der Gesetzgebung. Ob es da erfolgversprechende Initiativen gibt oder ob mit solchen in nächster Zeit zu rechnen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Wenn für 2017 ohnehin eine Evaluierung des Gesetzes geplant ist, bin ich aber offen gestanden wenig optimistisch, dass sich vorher etwas bewegen wird.«