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Alt-Computer entsorgen

Zu schade zum Wegwerfen?

Über zehn Jahre lang war er mein solides Arbeitsgerät, das stetig aufgerüstet wurde – doch nun stößt mein Computer an seine Grenzen.


computerschrott

Nachdem Microsoft im April dieses Jahres das Ende von Windows XP verkündet hat und somit Support sowie Sicherheitsupdates nicht mehr verfügbar sind, wird der Kauf eines neuen Rechners unumgänglich. Denn der Prozessor meines PC verfügt, wie sich herausstellt, nicht über die Kapazitäten, ein aktuelles Betriebssystem und die entsprechende Software installieren zu können.

Was aber tun mit dem guten, alten Stück? Im Grunde ist er noch voll funktionsfähig. Zum Verstauben in den Keller zu stellen, ist er viel zu schade, ebenso wenig kommt eine Entsorgung auf dem Recyclinghof in Frage.

Verschiedene Computer-Blogs im Internet weisen auf ebay oder andere Kleinanzeigen-Portale hin, auf denen man für solche Geräte unter Umständen noch einen angemessenen Verkaufspreis erhalten kann – Voraussetzung dafür sind gute Fotos und eine ausführliche Artikelbeschreibung. »Die Hardware allerdings einzeln zu verkaufen macht«, so Stefan Bauer, Geschäftsführer der Radio-Bauer GmbH, »keinen Sinn, da sie nur selten mit anderen Rechnern kompatibel ist.« Man sollte den Computer eher »en Block« veräußern.

Eine Alternative zum Verkauf ist die Spende. Manche kleine Vereine, Sozialläden oder soziale Werkstätten in Stadt und Umgebung nehmen die gebrauchten Geräte an und nutzen sie selbst. Indes vor einer dieser Aktionen lohnt ein Blick in das Innere des Rechners, denn, auch wenn er nicht mehr für die aktuellen Bedürfnisse ausreicht, so heißt das noch lange nicht, dass seine Bauteile zum alten Eisen gehören.

Sie können nach dem Ausbau sinnvoll verwertet werden, wie etwa die Festplatte. Falls sie in Ordnung ist, wird sie einfach in ein externes Gehäuse mit USB-Anschluss gesteckt, und schon steht sie als zusätzlicher Speicher zur Verfügung. Der Aufwand lohnt jedoch nur, wenn die Platte größer als 100 Gigabyte ist. Auch der DVD-Brenner lässt sich weiterverwenden etwa als externes Laufwerk an einem Netbook.

Fazit

Den alten Computer statt zu entsorgen als Second-Hand-Produkt weiterzugeben oder seine Bestandteile anderweitig zu verwenden, beruhigt mein Gewissen aus verschiedenen Gründen. Denn die Berge an Elektroschrott werden immer größer und die Herstellung eines Rechners, von der Rohstoffgewinnung bis zum Zusammenbau in den Fabriken, läuft in den meisten Ländern alles andere als unter fairen Arbeits­bedingungen ab.

Bisher ist jedoch in der IT-Branche wenig Bewegung in der Verbesserung dieser Zustände zu sehen, obwohl sich längst Organisationen wie Greenpeace dafür einsetzen und die Öffentlichkeit auf Hersteller wie Apple und Microsoft Druck ausüben können.

Im Telekommunikationsbereich sind zumindest innovative Tendenzen zu beobachten. Dazu gehört die Entwicklung des Fairphone der gleichnamigen niederländischen Firma, deren Ziel es ist, das Smartphone unter möglichst fairen Konditionen herzustellen.

Die Rohstoffe kommen daher soweit es geht aus konfliktfreien Gebieten, in denen die Abbaubedingungen kontrolliert werden, was auch für die Produktionsstätte gilt, lange Haltbarkeit und günstige Reparaturmöglichkeiten sollen zudem Müllentstehung vermeiden. Vollkommen ökologisch und sozial einwandfrei ist das Produkt zwar noch nicht, aber es könnte ein Vorreiter sein.

| KH

www.bsi.bund.de
www.greenpeace.org/electronics
www.fairphone.com
Infos und Hilfe zur (Weiter-)Verwednung
von »Elektroschrott« gibt es auch hier:
www.repaircafemainz.de