Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
Verlosung

Gewinnen Sie 3x
2 Eintrittskarten

für das Konzert von
TILL BRÖNNER &
Quintet Open Air

am 25.7.2014 ab 19 Uhr
till-broenner
Till Brönner   
Foto: Andreas Bitesnich

Er gilt als Deutschlands prominentester und erfolgreichster Jazz-Musiker. Mit seinem neuesten Album "Till Brönner" konfrontiere er Fans wie Gegner mit einer persönlichen Neuaufstellung.

DER MAINZER verlost
3x 2 Karten für das Open Air mit TILL BRÖNNER & Quintet am 25. Juli 2014 um 19 Uhr (Einlass:17:30 Uhr)
auf der Zitadelle Mainz.

Teilnahmeschluss:
15. Juli 2014.

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Fluglärm

Fluglärm gefährdet die Gesundheit - na und?

Während am Frankfurter Flughafen weiter lautstark demonstriert wird, auf Seiten der politisch Verantwortlichen himmlische Ruhe herrscht, lassen Ärzte nicht nach, die Gesundheitsgefahren durch Fluglärm zu dokumentieren.


Fluglärm

2013 konnte Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel nachweisen, dass Umwelteinflüsse wie Fluglärm zu Gefäßfunktionsstörungen führen. In der Konsequenz kommt es zu Beeinträchtigungen des Herz-Kreislauf-Systems. Die Ergebnisse dieser »Fluglärmstudie« wurden im European Heart Journal publiziert. Fluglärm, so konnte der Kardiologe mit einer seiner Arbeitsgruppen zeigen, beeinträchtigt dauerhaft negativ die Erweiterungsfähigkeit der Arterien (Endothelfunktion). Von den negativen Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System sind sowohl vorgeschädigte als auch gesunde Personen betroffen.

In Anerkennung seiner herausragenden Forschungsleistungen in der Kardiologie erhielt Prof. Münzel, Direktor der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz, nun den Paul-Morawitz-Preis 2014 der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie-Herz- und Kreislaufforschung e.V. (DGK).

Die Gesetze schützen nicht

Bislang ist nicht bekannt, dass die Gesetzgeber im Bund und in den Ländern oder auf europäischer Ebene auf die Studienergebnisse reagiert hätten und sicherstellten, die Bevölkerung »vor Fluglärm und anderen Lärmquellen« zu schützen - wie es bereits 2012 der 115. Deutsche Ärzte­tag in einem Beschluss gefordert hatte.

Nun, zwei Jahre später stellte der 117. Deutsche Ärztetag (Düsseldorf, 27.05. - 30.05.2014) u.a. fest, »die Adressaten in Bund und Ländern haben bislang keine Verbesserungen bewirkt« und fasste eine Entschließung zu »Lärminduzierten Gesundheitsschäden«.

Für den MAINZER erläutert Dr. Jürgen Hoffart, der Hauptgeschäftsführer Landesärztekammer Rheinland-Pfalz diese Entschließung: »Der Deutsche Ärztetag fordert auch 2014 mehr Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm: die Politik muss die Bürger endlich vor vermeidbaren Kosten schützen. Bislang müssen mehrere 100 Millionen Euro pro Jahr für die Diagnostik und Therapie von Krankheiten ausgegeben werden, die durch (Flug-) Lärm verursacht werden - aus den knappen Krankenkassen-Beiträgen. Es liegen mehr und mehr Studien vor, die die Auswirkungen der (Flug-)Lärmproblematik auf die Gesundheit und auch auf die Finanzierung des Gesundheitssystems deutlich machen. Aber nicht die Airlines bezahlen die Kosten vermeidbarer Krankheiten, sondern die Krankenversicherten. Die Flugwirtschaft bekommt sogar noch zig Millionen Subventionen. Die Fluglärmschutzgesetze schützen nicht.

Allein in Frankfurt fehlen den Ärzten in den Praxen und den Krankenhäusern so jedes Jahr 160 Mio. €, der Uniklinik Mainz bis zu 40 Mio. € jedes Jahr (www.aerzteblatt.de/archiv/...). Dieses Geld fehlt letztlich den Patienten, den Arztpraxen oder zur Finanzierung der Klinik-Infrastruktur. Die Politik ist bereit, Geld in die Flughäfen zu stecken, aber nicht in die Kliniken, obwohl der Flughafenbetrieb krank macht. Die Ärzte wenden sich klar dagegen, dass im Gesundheitssystem auf Kosten der Kranken gespart wird, während die Krankmacher gefördert werden - die Flugverkehrswirtschaft muss endlich zu ihrer Verantwortung stehen.«

Fluglärm

Die Gerichte reagieren nicht

Da sich auf Seiten der politisch Verantwortlichen, abgesehen von Absichtserklärungen, nichts bewegt, stellt sich die Frage: Welche Möglichkeiten haben Bewohner der Rhein-Main-Region, ihr Recht, vor Gesundheitsgefahren durch Fluglärm geschützt zu werden, nicht nur per Demonstrationen zu Gehör zu bringen, sondern auch durchzusetzen?

Diese Frage beantwortete dem MAINZER Rechtsanwalt Dr. Martin Schröder (er vertritt u.a. die Landeshauptstadt Mainz und die Städte Hochheim und Flörsheim in den noch anhängigen Gerichtsverfahren gegen den Planfeststellungsbeschluss): »Auf der Grundlage zahlreicher medizinischer Studien der vergangenen sieben Jahre lässt sich feststellen, Fluglärm macht krank. Jedenfalls ist der Zusammenhang zwischen Fluglärmbelastung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen evident.

Diese Erkenntnis stand bei der grundlegenden Novellierung des Gesetzes zum Schutz gegen Fluglärm vom 01.06.2007 noch nicht zur Verfügung. Dem damaligen Erkenntnismangel - sowie dem ebenfalls evidenten Einfluss der Luftverkehrslobby - ist es zu verdanken, dass die in dem geltenden Fluglärmgesetz festgeschriebenen Richtwerte für den Fluglärm zu hoch sind. Sie sind nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft nicht mehr mit dem Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit (Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG) vereinbar.

Diese Auffassung wird von der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung, insbesondere von dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof bisher nicht geteilt. Er hält in ständiger Rechtsprechung die Lärmwerte des Fluglärmgesetzes für rechtmäßig und misst ihnen - mit Billigung des Bundesverwaltungsgerichts - sogar eine Art ,Sperrwirkung' gegen Erkenntnisse der Lärmwirkungsforschung zu.

In dieser Lage ist es die Aufgabe der Bürger, mit größtmöglichem Nachdruck bei der spätestens im Jahr 2017 anstehenden Evaluation des Fluglärmgesetzes auf eine Änderung der gesetzlichen Fluglärmwerte zu dringen. So lange das Fluglärmgesetz in seiner heutigen Fassung existiert, gilt es, Argument auf Argument zu setzen, bis die ersten Gerichte und Behörden die gesetzlichen Werte beiseiteschieben und Schutz vor den Gesundheitsgefahren durch Fluglärm gewähren.«

Ruhe in Sicht?

Es ist menschenverachtend, aber eine Tatsache: Nachzuweisen, dass Menschen krank werden, wenn sie andauernd von Flugzeugen beschallt werden, reicht nicht. Es braucht Freiwillige, die mit diesen Nachweisen so lange alle juristischen Instanzen durchlaufen, bis sie endlich Recht bekommen. Der Druck auf die Gesetzgeber, 2017 die gesetzlichen Fluglärmwerte in Einklang zu bringen mit den Ergebnissen der Studien, wächst allerdings mit dem Argument, durch solche Krankheiten entstehen dem Gesundheitssystem immense Kosten.

Den lärmgeplagten Anrainern von Flughäfen (oder Bahnlinien) bleibt bis dahin, mit ihrem Protest durchzuhalten und zu hoffen, dass ihre Gesundheit keinen nachhaltigen Schaden erleidet.

| SoS