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Titelstory

Natürliche Energielieferanten - und ihre »Nebenwirkungen«

Lange wurde die Windenergie hoch gehandelt. Seit dem viele »Spargel« in der Landschaft rum stehen, ist die Nutzung der Windenergie Gegenstand öffentlicher Empörung. Zu Recht? DER MAINZER fasst Aspekte der Diskussion zusammen und stellt natürliche Alternativen vor.

Windräder
Ein typischer Rheinhessen Blick: von Zornheim ins Hügelland Richtung Hahnheim und Udenheim

Wenn der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling fordert, den Taunuskamm bei Wiesbaden von Windkraftanlagen freizuhalten, um das Landschaftsbild zu erhalten, klingt das wie Pfeifen im dunklen Wald. Diejenigen, die den Bau von WKA vorantreiben und umsetzen, kümmert das Aussehen der Landschaften in der Regel herzlich wenig. Ihnen geht es zumeist auch nicht um Eigenversorgung oder Klimaschutz, sondern um etwas anderes: Profit.

Beispiel: In Heidenrod im Rheingau-Taunus-Kreis sollen noch in diesem Jahr zwölf 200 Meter hohe Windräder errichtet werden, die per annum circa 90.000 Megawatt Strom erzeugen, womit rund 25.000 Drei-Personen-Haushalte versorgt werden können. Die Kommune Heidenrod zählt aber nur 7.800 Einwohner. Dem Gemeindesäckel stehen im Zuge des Projekts in den nächsten 20 Jahren 16 Millionen Euro an Einnahmen ins Haus.

Zigtausende an Pacht

Und wie konnte es möglich sein, dass innerhalb von zwei Jahren große Teile Rheinhessens - bevorzugt in näherer Umgebung des Windkraft-Projektentwicklers juwi in Wörrstadt - mit rotierenden Windkraftwäldern zugestellt wurden? Die Antwort ist einfach: Eigentümer von Grund, die diesen zur Verfügung stellen, erhalten vom jeweiligen WKA-Betreiber zigtausende Euro pro Windradstandort und Jahr als Pacht.

Bei alledem ist der Wirkungsgrad von Windkraftanlagen in unseren Breiten oft gering. Auf der Hohen Wurzel bei Wiesbaden, 600 Meter über Normalnull, würde er nach Schätzungen bei 20 Prozent liegen. Die durchschnittliche jährliche Stärke des Windes hier oben kann nicht konkret beziffert werden - schließlich hat sie bislang niemand über einen längeren Zeitraum gemessen.

Gesundheitliche Risiken

Allzu selten werden in der Auseinandersetzung um Windkraftanlagen die direkten körperlichen Auswirkungen auf den Menschen erwähnt. Mittlerweile gibt es Fälle, zum Beispiel in Norddeutschland, wo Anwohner von Windkraftanlagen über anhaltende Schlaflosigkeit und permanentes Unwohlsein berichten. Der digitale Fernsehsender tagesschau 24 berichtete vor einigen Wochen ausführlich darüber.

Prof. Dr.-Ing. Detlef Krahé vom Fachbereich Elektro-, Informations- und Medientechnik der Bergischen Universität Wuppertal etwa sagt, dass Windkraftanlagen je nach ihrer Dichte mehr Lärm als der Straßenverkehr verursachen könnten. Der von ihnen erzeugte, ständige tieffrequente Lärm wirke sich auch noch in mehreren Kilometern Entfernung störend aus, zumal er sehr leicht durch geschlossene Fenster und sogar Hauswände dringe, so der Wissenschaftler. Sein Resümee: »Bauen wir Windkraftanlagen doch dort, wo niemand wohnt!«

Inzwischen wird von mehreren Seiten ein nationaler Windkraftplan gefordert, der die willkürliche regionale Zersiedelung der Landschaft durch WKA stoppen soll. Eine Vision sieht vor, deutschlandweit einige groß angelegte Windparks mit jeweils mehreren hundert Einheiten in menschenleeren Gebieten - die es in der Tat gibt - zu errichten. Eine andere Möglichkeit wäre die Nutzung ausschließlich von Offshore-Anlagen auf dem Meer.

In Wiesbaden gab es Anfang Februar ein von der Stadt initiiertes Bürgerforum mit mehreren hundert Teilnehmern. Fazit der Veranstaltung: Auf den intelligenten Energiemix kommt es an, der aus Biomassekraftwerken, Solar- und Geothermie-Anlagen sowie Windkraft gewonnen werden könnte.

| Lutz Schulmann


Unerschöpflich: Die Meeresenergie


Nachdem lange der Ausbau der Windenergie forciert wurde, versucht die Bundesregierung über die Stellschraube EEG Windpark-Investoren den Profit zu kürzen. Renditeorientierte Kapital­anleger können dennoch im Erneuerbare Energiesegment weiter Geld verdienen - Energie­kommissar Günther Oettinger erklärte wie.

Im Januar stellte der CDU-Politiker in Brüssel ein Ideenpapier zur verstärkten Nutzung der Meeresenergie vor. Demzufolge könnte die Meeresenergie einerseits als Grundlastenergie eingesetzt werden, andererseits könnte dem Meeresenergiesektor ein ähnliches Wachstum beschieden sein, wie der Offshore-Industrie. Oettingers Kalkül: private Investoren finanzieren Forschung, Entwicklung und Ausbau der Meeresenergie. (Quelle: Spiegel online)

In der Tat wird die Nutzung der Meeresenergie von verschiedenen Seiten und in unterschied­lichen Varianten bereits seit Jahrzehnten propagiert - ohne dass es bislang möglich war, das unerschöpfliche Potential von Gezeiten und Strömungen in nennenswertem Umfang für die Deckung des Energiebedarfs nutzen zu können.

Turbine
Eine Aqua Libre-Boje vom Typ 3 bringt mit 2,50 Metern Rotordurchmesser und bei einer Strö­mungs­geschwindigkeit von 3,3 Metern pro Sekun­de eine Nennleistung von 70 Kilowatt - je nach Standort eine Jahresleistung von 200.000 bis 300.000 Kilowatt­stunden. Der »fischfreundliche« Rotor soll sich nur 50 bis 120 Mal in der Minute drehen.

Vor zehn Jahren stellte beispielsweise der Berliner Motor-Entwickler, Konstrukteur und Unter­nehmer, Dipl. Ing. Gerhard Brandl, im Rahmen einer Ringvorlesung an der FU Berlin seinen »Brandl-Generator« vor. Konstruiert um elektrische Energie aus Meereswellen zu erzeugen, wurde 2004 die Technik der im Meer schwimmenden Brandl-Generatorbojen kostengünstiger bezeichnet, als die Stromerzeugung mit Windrädern.

Trotz diverser Fehl- und Tiefschläge lässt Gerhard Brandl nicht locker und sucht weiterhin seriöse Investoren, die Geld für die Serienproduktion des Generators zur Verfügung stellen.

Sein mittlerweile als »Berliner Energiekonzept« firmierender Vorschlag, erneuerbare Energie aus dem Atlantik zu beziehen, beinhaltet folgende Rechnung:

Nach dem Erneuerbare Energien Gesetz EEG erhält die Wellenenergie um rund 6 Cent pro kWh weniger Einspeisevergütung als die Offshore-Windenergie. Diese 6 Cent/kWh ersparen dem deutschen Stromkunden bei dem in Deutschland geplanten Ausbau auf 25.000 MW bei 4.000 Jahresbetriebsstunden in 20 Jahren Betriebszeit 120 Milliarden Euro plus 19% Mehrwertsteuer.

An Stelle der vorgesehenen 25.000 MW Offshore-Windenergie aus dem deutschen Teil der Nordsee mit den in den Meeresboden eingerammten Windrädern, die hohe Energiekosten von 15 Cent pro kWh verursachen, könnte man jetzt den weiteren Ausbau auf 25.000 MW bereits auf die Meeresenergie verlegen und damit rund 100 Milliarden Euro einsparen.

Ergo: Die Wellenergie wäre für alle günstiger. Es müsste allerdings, wie es Günther Oettinger vorschwebt, genügend privates Kapital zusammenkommen.

Eine andere Möglichkeit sind Strom-Bojen - die sowohl im Meer als auch in großen Flüssen wie dem Rhein Strom produzieren.

Erst kürzlich wurden in der Stadtverordnetenversammlung in Oestrich-Winkel die »Schwim­menden Kleinkraftwerke« vorgestellt. Die Firma »Stromboje Mittelrhein« meint, mit 340 Strombojen (des österreichischen Unternehmens Aqua Libre) zwischen Assmannshausen und Lorch 82 Millionen kWh Strom, das wäre ein knappes Drittel des Energiebedarfs des Rheingau-Taunus-Kreises, erzeugen zu können. Zwei Standorte im Mittelrheintal sind einem Bericht der FAZ (7.2.14) zufolge für einen Probelauf ausgewählt worden.

| SoS

www.aqualibre.at
www.Berliner-Energiekonzept.de