Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
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Freizeit

Von Burgherren und Waldgeistern

Von der Römer- in die Ritterzeit bis hin zum sagenhaften Ausflug in die Welt der Waldgeister und Baumtrolle: Eine Wanderung zwischen Bingen und Trechtingshausen macht es möglich.


freizeit wandern

Neben Rheinaussichten und Waldidylle gibt es hier manches zu entdecken - Waldgeister zum Beispiel. Auch ohne zu fantasieren.

Los geht die Wanderung am Binger Hauptbahnhof: Der Weg ist mit roten Rheinburgenweg-Schildern markiert und führt zunächst stetig bergauf.

Auf der Höhe im Binger Wald angekommen, wird der anfängliche Anstieg umgehend mit dem Blick auf die Burgruine Ehrenfels auf der gegenüberliegenden Rheinseite belohnt. Ab dem 13. Jahrhundert fungierte sie zusammen mit dem Binger Mäuseturm als Zollstelle für die Mainzer Erzbischöfe. Im dreißigjährigen Krieg und dem darauf folgenden pfälzischen Erbfolgekrieg wurde die Burg schwer beschädigt, so dass heute lediglich eine eindrucksvolle Ruine von der Zeit der Ritter und Fürsten zeugt.

Römischer Alltag im Wald

Wer weiterhin den Schildern des Rheinburgenweges folgt, erlebt geschichtlichen Anschauungsunterricht in der Ausgrabungsstätte der römischen Villa Rustica im Binger Wald. Hinweistafeln entlang der einzelnen Ausgrabungsorte verraten, dass es sich bei den Überresten des Mauerwerks um ein römisches Herrenhaus aus dem dritten bis vierten Jahrhundert handelt. Seit 1999 laufen die Grabungsarbeiten und geben Aufschluss über das Alltagsleben der einstigen Bewohner. So gibt es beispielsweise eine Station, die Anleitungen zu römischen Kinderspielen liefert.

Sagenhafte Entdeckungen

Vom Ausflug in die Antike geht es weiter in die Welt der Sagen und Geister: Mitten im Binger Wald an der Grenze zum Soonwald, gelangt man zum Herzstück der Wanderung: zur Steckeschlääferklamm. Sie schlängelt sich durch ein Seitental des Morgenbachs und wurde nach einer Wandergruppe aus Weiler benannt, die es sich 1974 zur Aufgabe gemacht hat, das kleine Tal mit Holzstegen zu erschließen.

Doch die Wanderer, die sogenannten Steckeschlääfer (hochdeutsch: Stockschleifer) beließen es nicht beim Errichten der Holzbrücken. Vielmehr versahen sie die Bäume der Klamm mit kunstvollen Schnitzereien. Insgesamt 66 zum größten Teil bemalte Gesichter und Fratzen begleiten die Wanderer auf dem Weg durch die Klamm und lassen die Wanderung zu einer Entdeckungsreise werden. Einige Gesichter strahlen dem Besucher bereits von weitem entgegen, andere wiederum sind versteckt zwischen Ästen und Zweigen. Mal gruselig, mal schelmenhaft scheinen sie nur darauf zu warten, von aufmerksamen Wanderern entdeckt zu werden und bieten fantasievolle Fotomotive.

Am Ende der Klamm angekommen, führt der Weg weiter durch den Soonwald in Richtung Morgenbachtal. Das Naturschutzgebiet ist bekannt für seine zahlreichen Felsformationen und daher besonders unter Kletterern ein beliebtes Ausflugsziel. Wer sich eine genaue Erkundung des Gebietes plus den Besuch von Burg Rheinstein nicht entgehen lassen will, sollte den Schildern des Rheinburgenwegs und Soonwaldsteigs folgen.

Alternativ dazu kann man den Hinweisschildern in Richtung Trechtingshausen folgen. Dieser Weg führt gemütlich bergab zur Burg Reichenstein, die den Endpunkt der Wanderung markiert. Dort angekommen müssen lediglich ein paar Hundert Meter entlang der B9 in Richtung Trechtingshausen zurückgelegt werden. Der Bahnhof ist ausgeschildert.

Geschichtsunterricht und Fantasiereise: Die Wanderung von Bingen nach Trechtingshausen lohnt sich und hat definitiv mehr zu bieten als Rheinromantik und Sportwandern.

www.soonwaldsteig.de
Die 6. Etappe streift die Steckeschlääferklamm

| Katrin Henrich