Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
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Titelstory

Öko? Natur? Regional?

Der Strommarkt sorgt für viel Spannung. Neben den großen Produzenten etablieren sich immer mehr kleine. Zahlreiche Versorger sind regional verwurzelt, investieren in erneuerbare Energien. Eine Spurensuche im Internet kommt zu teils überraschenden Ergebnissen.


stromkabel

In Berlin geht es ums EEG und die Anteile erneuerbarer Energien, in den Bundesländern geht es um Standorte für Stromtrassen und Atommüllendlagerung, die Energiekonzerne wollen die Laufzeit ihrer (abgeschriebenen) Kraftwerke verlängern - und die Verbraucher?

Als Stromkonsument braucht den Bürger nur zu interessieren, was die Elektrizität kostet und dass die Lieferung elektrischer Energie rund um die Uhr gesichert ist. Wem das nicht reicht, der kann nach Anbietern von Öko- und Naturstrom suchen, oder durchforstet die einschlägigen Webseiten und Vergleichsrechner nach »regionalen Versorgern«. Unter diesem Stichwort Stromanbieter zu finden, ist nicht einfach. DER MAINZER hat es ausprobiert, »regional« in diesem Falle eingegrenzt auf: der Stromerzeuger oder der Stromlieferant hat in Mainz oder Rheinhessen seinen Unternehmenssitz. Das schließt nicht aus, dass der Strom in Waserkraftwerken in den Alpen produziert wird, so ein Ergebnis der Recherche vorab.

Die Darstellung »regionaler« Stromanbieter erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und fasst die Informationen zusammen, die potenzielle Kunden auf den jeweiligen Webseiten und in öffentlichen Mitteilungen finden können.

Ökostrom aus Wasserkraft

Die e'rp GmbH, mit Sitz in Alzey, ist, laut Eigendarstellung, ein Energieversorger in kommunaler Hand. Sie entstand aus der Energie- und Wasserversorgungs GmbH Alzey, den Stadtwerken GmbH Kirchheimbolanden und dem rheinhessischen Teil der Thüga Energie.

Das Versorgungsgebiet der e'rp GmbH ist traditionell um Alzey und Kirchheimbolanden herum angesiedelt, Kunden aus Mainz und Rheinhessen können dennoch e'rp-Strom beziehen.

Im Bereich Energieerzeugung ist die e'rp GmbH mit der Volksbank Alzey eG, der Stadt Alzey und der Alzeyer Baugesellschaft GmbH & Co KG, sowie der Verbandsgemeinde Alzey-Land Mitglied der Energiegenossenschaft Alzey eG.

Ziel dieser Genossenschaft ist die Errichtung und der Betrieb von Photovoltaikanlagen zur Erzeugung von Solarstrom. Außerdem ist die e'rp Teilhaber an Photovoltaik- und Windkraftanlagen u.a. in Alzey-Heimersheim, Bornheim und Erbes-Büdesheim.

Laut Eigendarstellung bietet e'rp 100% Ökostrom aus regenerativen Energien mit »naturkraft FIX« und 100% Ökostrom aus Wasserkraft mit »naturkraft FIX WASSER« an - wo dieser erzeugt wird, ist der Webseite nicht zu entnehmen.

www.e-rp.de

»Regenerative Quellen«

Die EWR, Elektrizitätswerke Rheinhessen, haben ihren Sitz in Worms und Anfang 2014 in Mainz das EWR-Energiekaufhaus eröffnet. Eigentümer des Unternehmens sind zur Hälfte je die Stadt Worms und die RWE AG (Quelle Wikipedia).

Die EWR Neue Energien GmbH ist beteiligt an Photovoltaik- und Windkraftanlagen in der Region, u.a. Osthofen, Worms, Dorn-Dürkheim und Dittelsheim-Hessloch.

Strom aus rein »regenerativen Quellen« bietet EWR mit den Produkten EWR Natur und Natur Pur Plus an. Laut Eigendarstellung stammt der Naturstrom aus 100% deutscher Wasserkraft (wo dieser erzeugt wird, ist der Webseite nicht zu entnehmen).

www.ewr.de
https://mainzer-energiekaufhaus.dee

»Sauberer Strom«

Unter dem Dach der juwi-Gruppe mit Sitz in Wörrstadt wird Strom vor allem in Windparks produziert. Seit 2013 ist die juwi Green Energy GmbH, eine hundertprozentige Tochter der juwi AG, als Energieversorger tätig und versorgt die Bürger mit 100 % sauberem Strom, »produziert vor der Haustür«. Laut Selbstdarstellung beträgt der Windanteil im Ökostrom aus 100% erneuerbaren Energien 15% und soll weiter steigen. »Die restlichen 85% Ökostrom stammen aus Wasserkraftwerken in den Alpen.«

www.juwi-strom.de

100 Prozent Ökostrom

Der Unternehmenssitz der Rheinhessen Energie GmbH (RHE) liegt in Sprendlingen. Hier hat auch der Mehrheitsgesellschafter seinen Sitz: die Verbandsgemeindewerke Sprendlingen-Gensingen AÖR (51 Prozent). Seit Januar beliefert das Unternehmen, (an dem auch die Stadtwerke Mainz AG mit 12,55% und die Netzkauf EWS eG aus Schönau mit 12,55% Gesellschaftsanteilen beteiligt sind) Stromkunden auch in Mainz.

RHE liefert, nach eigener Darstellung, 100%igen Ökostrom: der Mix bestehe zu mindestens 70% aus Erneuerbaren Energien und bis zu 95% aus Neuanlangen. Da RHE erst seit Januar 2014 Kunden beliefert, kann der Strommix, der auf Basis der Werte des Vorjahres ermittelt wird, nicht benannt werden.

Beteiligt an RHE ist mit 23,9 Prozent auch die Bürgergenossenschaft Rheinhessen eG. Die RHE will mit dem Rheinhessencent-Programm neue Projekte, die den RHE-Kunden gehören, fördern, Bürger- und Umweltschutzinitiativen sowie Energie-Genossenschaften unterstützen und sich fürs Energiesparen einsetzen.

www.rheinhessen-energie.de

Schweizer Wasserkraft

Die Rheinhessische Energie- und Wasserversorgungs-GmbH, ein traditionelles Versorgungsunternehmen mit kommunaler Mehrheit der Anteilseigner. Gesellschafter sind die Stadt Ingelheim (55,59%), die Thüga Aktiengesellschaft mit Sitz in München (37,05 %) sowie die Verbandsgemeinde Heidesheim (7,36%). Die Rheinhessische versorgt ca. 35.000 Einwohner der Stadt Ingelheim und der Gemeinde Heidesheim mit Strom. Im Angebot hat die »Rheinhessische« 100% Ökostrom aus erneuerbaren Energien, der, laut Selbstdarstellung, in modernen Schweizer Wasserkraftwerken erzeugt wird.

www.rheinhessische.de

Stromproduktion vor der Haustür

Die Stadtwerke Mainz AG hat ihren Sitz in Mainz. Sie verdient u.a. Geld mit der Stromproduktion: auf der Ingelheimer Aue betreibt die Tochter KMW GmbH das GuD-Kraftwerk, an der die SWM und die Wiesbadener ESWE zu je 50% beteiligt sind.

Eine weitere Stadtwerke-Tochter, die SWM-Netze GmbH ist Betreiberin der hiesigen Stromnetze und erhält für die Durchleitung der elektrischen Energie von allen hier tätigen Stromanbietern entsprechende Netzentgelte.

Zudem sind die Stadtwerke an diversen Gesellschaften beteiligt, die im erneuerbaren Energiesektor Strom produzieren - und Geld verdienen:

Im Bereich Photovoltaik an der Solarpark Tutow I und II GmbH & Co. KG, der Rio Energie GmbH und der Rheinhessen Solar GmbH, im Bereich Windenergie am Windpark Rheinhessen I, Windpark Erbes-Büdesheim, Windpark Wingertsberg, Windpark Heimersheim, Windpark Bornheim, Windpark Mockenberg (alles GmbH & Co. KG's).

Wer als Kunde Strom von den Mainzer Stadtwerken beziehen will, hat allerdings Pech: die entega, der regionale Grundversorger und ehemals mit der SWM verbunden, bezieht ihren Strom nicht von den Mainzer Stadtwerke AG. Die entega-Anteile haben die Stadtwerke 2010 an die Darmstädter Heag AG verkauft.

Aber: Die Wertschöpfungskette der Stadtwerke Mainz AG kommt direkt den Mainzern zugute: Anteilseigner ist mit 89,11 Prozent die Zentrale Beteiligungsgesellschaft Mainz, die wiederum zu 100 Prozent der Stadt Mainz gehört, die Stadt Mainz besitzt noch 4,79% der SWM-Anteile. Der Rest von 6,1% ist Eigenanteil der SWM.

Die SWM tragen Aufgaben der Daseinsvorsorge für alle Bürger, wie die Versorgung mit Trinkwasser oder gewährleisten über ihre Tochter Mainzer Verkehrsgesellschaft GmbH die Finanzierung des Öffentlichen Nahverkehrs.

www.stadtwerke-mainz.de

Es werde dunkel!

Am 29.3. macht Mainz mit bei der Earth Hour. Von 20.30 bis 21.30 Uhr schalten weltweit Millionen von Menschen ihr Licht aus. So auch an diversen öffentlichen Gebäuden in Mainz: Vom Dom über das Goldene Ross bis zur Theodor-Heuss-Brücke.

www.wwf.de/earth-hour-2014

So geht es nicht, Herr Gabriel!

Am 22.3. wird es bundesweit Großdemonstrationen gegen die Energiepolitik der GroKo geben. In Mainz und Wiesbaden findet eine Staffeldemo statt: Beginn in Mainz, Ende in Wiesbaden.

http://energiewende-demo.de/ start/demos/mainzwiesbaden

| SoS