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Mainzer Kopf

Im 51'en Jahr Faszination Orgel

Die drei Notensysteme in der Notenschrift für eine Pfeifenorgel überblicken und spielen zu können, ist eine Herausforderung. Der man sich innigst widmen kann. Zum Beispiel als Organist in St. Stephan - seit März 2013 an der neuen Klais-Orgel.


ottersbach

32 Jahre lang bespielte Hans Gilbert Ottersbach die »Notorgel« in der St. Stephanskirche. Sie wurde nach dem Wiederaufbau der Kirche 1967 als Provisorium angeschafft.

Dass es so lange dauern werde, bis eine neue Orgel finanziert und konstruiert war, mag Ottersbach bei seinem Wechsel 1981 von der St. Bonifazkirche an die St. Stephanskirche nicht geahnt haben.

Er ließ sich damals ein auf dieses »Orgelprovisorium« - auch mit Blick auf die vielversprechende Zusammenarbeit mit dem professionell geleiteten Kirchenchor und Bläserkreis und die künstlerischen Besonderheiten des gotischen Gotteshauses.

Ab 1978 hatte Marc Chagall begonnen, die Fenster der Kirche zu gestalten. So folgte Ottersbach dem Wunsch seines früheren Lehrers Gert Augst und trat als sein Nachfolger das Amt als Hauptorganist in St. Stephan an.

Orgelklangwelt erkunden

32 Jahre später, im März 2013 konnte er die neue Klais-Orgel in St. Stephan mit einem festlichen Stück des belgischen Komponisten Jacques Nicolas Lemmens einweihen. Erzählt er davon, fangen seine Augen zu strahlen an.

Seit seiner Pensionierung Ende 2012 erkundet der 66-Jährige nun verstärkt die neue Orgelklangwelt, sitzt fast jeden Morgen mitten im Kirchenraum und übt - bis um 10 Uhr die ersten Besucher, meist Touristen kommen und manchmal ehrfürchtig dem Organisten über die Schulter schauen, wie er Pedale, Tasten und Register gleichzeitig bedient und den vielfältigen Orgelklang auf den Weg durch das Gotteshaus schickt

Orgelmessen Finden Anklang

»Die kirchenmusikalische Kunst ist auch attraktiv für Menschen, die dem Glauben nicht nahe stehen«, erlebt er immer wieder aufs Neue und weiß: »Unsere Orgelmessen und die Konzerte sind sehr beliebt.«

Orgelspielen war Ottersbach nicht direkt in die Wiege gelegt worden. Mit sechs Jahren begann er Klavier zu spielen, begleitete später in Bodenheim Andachten in der St. Albans-Gemeinde zuerst auf dem Harmonium in der Kapelle, dann ab seinem 14. Lebensjahr auf der Orgel in der Pfarrkirche. »Es hat mir Freude gemacht, dieses Instrument zu spielen«, bekennt er eher nüchtern - dennoch blitzt seine Begeisterung für die Orgel hinter den besonnen Worten durch.

Als Organist ist er immer nur nebenberuflich tätig und wurde dazu in den 60er Jahren im Bischöflichen Institut für

Kirchenmusik zum Organisten und Chorleiter ausgebildet. Hauptberuflich unterrichtete Ottersbach als Lehrer für Deutsch, Musik und katholische Theologie, war u.a. stellvertretender Schulleiter der Goetheschule und Rektor der Grundschule Mainz-Laubenheim. Die letzten zehn Jahre seines Berufslebens oblag ihm im Bischöflichen Ordinariat die Zuständigkeit für die Grund-, Haupt- und Förderschulen des Bistums.

Musik habe im Hause Ottersbach in Bodenheim immer eine Rolle gespielt, erzählt der Familienvater. Von seinen mittlerweile erwachsenen Kindern hätten sich aber weder die Tochter noch die beiden Söhne der Orgel zugewandt. Er selbst hat sich eine elektronische Orgel zugelegt, die er auch nachts spielen kann: stöpselt er die Kopfhörer ein, hört allein er sein Spielen.

Reiseziel: Kirchenorgeln

Ist Hans Gilbert Ottersbach mit seiner Frau auf Reisen unterwegs, besucht er gerne auch Kirchen mit besonderen Orgeln vor allem in Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und Frankreich.

| SoS

www.orgel-st-stephan.de

Am 8.3.2014 um 18 Uhr gestaltet Hans-Gilbert Ottersbach die Orgelmusik im Gottesdienst in St. Stephan