Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
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Fluglärm

Fluglärm: Nachgefragt...

Vor der Wahl und nach der Wahl: Was haben die Kandidatinnen und der Kandidat vor der Bundestagwahl angekündigt und was haben die Gewählten nach der Wahl unternommen? DER MAINZER fragt nach bei den Mainzer Bundestagsabgeordneten.


Flugzeug

Vor der Bundestagswahl befragten wir die Kandidaten für den Wahlkreis 206 danach, was sie als Abgeordnete im Berliner Bundestag aktiv unternehmen wollten, um die gesundheitlichen Angriffe durch Fluglärm auf ihre Wähler zu verhindern.

Michael Hartmann zog für die SPD in den Bundestag ein. Er antwortete damals:

»Ich beschäftige mich seit mehr als 12 Jahren mit der Bekämpfung des Fluglärms, echte Erfolge konnte dabei leider noch niemand erzielen. Ich bin davon überzeugt, dass neben Maßnahmen wie einem Nachtflugverbot zwischen 22:00 und 06:00 Uhr in Frankfurt, die Situation nur durch die Veränderung von Bundesgesetzen verbessert werden kann.

Auf eine ganze Reihe solcher Änderungen hat sich die SPD Fraktion geeinigt: Wir wollen unter anderem das System der lärmabhängigen Landegebühren deutlich verschärfen, lärmreduzierende Flugverfahren zwingend einführen, bei der Planung von Flugrouten eine echte Bürgerbeteiligung sichern, den Lärmschutz nach der Sicherheit zum wichtigsten Ziel machen und mehr Kurzstreckenverkehre auf die Schiene verlagern.«

Nach der Konstituierung des Bundestags und der Regierungsbildung von CDU und SPD fragten wir nach, was der SPD-Abgeordnete bislang aktiv unter­nommen habe, um die gesundheitlichen Angriffe durch Fluglärm auf die Wähler zu verhindern?


Michael Hartmann Michael Hartmann antwortete:

»Wenn ich tatsächlich alle Aktivitäten auflisten würde, würde es diesen Text sicherlich sprengen. Deshalb nur einige in Kürze: Ich hatte in den letzten Jahren einen regen Schriftverkehr mit dem Verkehrsministerium, der BAF, der DFS, der Fraport AG, der Lufthansa, mit zahlreichen Initiativen und Eurocontrol. Dieser umfasst mehrere Aktenordner.

Im Landkreis Mainz-Bingen bin ich aktives Mitglied der Arbeitsgruppe Flughafenerweiterung.

Ich habe mich im Parlament für ein generelles Nachtflugverbot und den Erhalt des Lärm­schutz­paragraphen im LuftVG eingesetzt.

Nachdem diese Bemühungen weitgehend ergebnislos blieben, habe ich mich in der SPD-Fraktion für die Erstellung eines umfassenden Luftfahrtkonzeptes geworben, was wir nach einer Beteiligung der Initiativen Anfang 2013 in der SPD-Fraktion einstimmig beschlossen haben. Dieses Konzept enthält viele konkrete Vorschläge zur Verbesserung des Lärmschutzes. Einige Punkte haben bereits Eingang in den Koalitionsvertrag gefunden. Wir arbeiten weiterhin für die Umsetzung aller Punkte.

Auszüge aus meinen Schriftverkehren und das Konzept finden Sie auf meiner Internetseite unter: www.michael-hartmann-spd.de/meine-themen/fluglarm«

Messergebnisse sind alarmierend

»Es ist nach wie vor unfassbar, dass man eine neue Landebahn gebaut hat, in deren direkter Verlängerung nur 20 Kilometer entfernt die Universitätsmedizin liegt. Die Flugzeuge fliegen viel zu tief über die Uniklinik und haben zu einem großen Prozentsatz schon die Räder ausgefahren, was den Lärm weiter unnötigerweise verschärft. Meiner Meinung nach muss es schnell einen ,runden Tisch' geben, wo diese Ergebnisse diskutiert und Sofortmaßnahmen zum Schutze unserer Patienten beschlossen werden«, so Prof. Dr. Thomas Münzel.

Der Direktor der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz kommentierte die neue Messergebnisse der Fluglärmmessstation auf dem Gelände der Universitätsmedizin, die Anfang Februar Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht Rheinland-Pfalz und Universitätsmedizin Mainz präsentierten.

Deren Daten werden seit Februar 2013 aufgezeichnet, erste Messergebnisse der Monate Februar, März und April 2013, vorgestellt im August letzten Jahres, zeigten durchschnittlich 4200 Fluglärmereignisse im Monat, in der Regel lagen die Maximalpegel der Überflüge zwischen 60 und 65 dB(A), einzelne Überflüge bewirkten Spitzenwerte von bis zu 76 dB(A).

Die nun vorgestellten Ergebnisse betreffen die Monate Juli und Oktober 2013. Sie bestätigen noch einmal, dass die meisten Fluglärmereignisse in den Zeiten der Tages- und Nachtrandzonen, den späten Vormittagsstunden und den Nachmittagsstunden zwischen 15 und 17 Uhr liegen. Insbesondere in den frühen Morgenstunden treten Überflüge mit Maximalpegeln von mehr als 68 dB(A) auf. Die Fluglärm-Mittelungspegel für den Nachtzeitraum liegen für 4 der 5 ausgewerteten Monate über den Empfehlungen der WHO von 40 dB(A).

Im Vergleich zur vorangegangenen Messreihe ist ein Aspekt besonders wichtig: Die Fluglärm-Mittelungspegel sind bei unterschiedlichen Betriebsrichtungsverteilungen vergleichbar. Das führt zu dem Schluss, dass die Universitätsmedizin nicht nur bei Ostwind, sondern auch bei Westwind, hier in erster Linie durch die startenden Maschinen, betroffen ist.

(Quelle: PM Universitätsmedizin, 7.2.14)

Folgeschäden gering halten

Vor dem Hintergrund des zunehmenden Lärms für die Bürgerinnen und Bürger in Mainz wollen die Initiatoren von der Thrombose Initiative e.V. vorbeugend tätig werden, um die zwangsläufigen gesundheitlichen Folgeschäden so gering wie möglich zu halten.

Die Initiative veranstaltet am 10. April 2014 von 17 bis 20 Uhr im Ratssaal den Mainzer Rathauses in Kooperation mit dem Ärzteverein Mainz e.V. und unterstützt von der Stadt ein Expertengespräch zur Prävention kardiovasculärer Erkrankungen.

Teilnehmer des Round-Table-Gesprächs sind: Dr. med. Frank Schmidt, 2. Medizinische Klinik der Universitätsmedizin Mainz, Prof. Dr. Rainer Guski, Ruhr Universität Bochum (er wird Teilergebnisse der Lärmwirkungsstudie "NORAH" vorstellen), Katrin Eder, Umweltdezernentin Stadt Mainz, Dr. med. Wolfgang Klee, Vorsitzender Ärzteverein Mainz e.V..

Außerdem: Jochen Schraut, Vorsitzender des Vereins Initiative gegen Fluglärm Mainz Oberstadt e.V., Dr. Helga Schmadel, Verkehrsclub Deutschland (VCD), Kreisverband Rheinhessen e.V. , Lars Lampe, Bürgerinitiative Schutz vor Bahnlärm, AKK e.V. und Jürgen Weidmann, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Mainzer Naturschutzverbände. Die Leitung hat Dr. med. Christian Moerchel, Stadtrat und Facharzt für Allgemeinmedizin, die Moderation übernimmt Dr. phil. Michael Moerchel, Journalist, Bonn.

| SoS