Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
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Fastnacht

Nicht nur »Humba« und »Täterä«

Im Dezember diesen Jahres wäre der Mainzer Komponist und Musiklehrer Toni Hämmerle (* 11. Dez. 1914; ✝ 8. Dez. 1968) 100 Jahre alt geworden. Grund genug für zahlreiche Vereine und auch den MAINZER, in dieser Kampagne an den unvergessenen Schöpfer des »Humba Täterä« zu erinnern.

Filmszene aus der Fastnachtsbeichte
Filmszene aus der »Fastnachtsbeichte« (1960): Toni Hämmerle (l.) und Ernst Neger. Im Hintergrund Hans Söhnker.

Toni Hämmerle wurde am 11. Dezember 1914 in Mainz geboren und wuchs hier in der Zeughausgasse auf. Bereits als Kind spielte er Mundharmonika, später auch unter anderem Akkordeon, Geige und Klavier. Er studierte Musik, legte am Peter-Cornelius-Konservatorium sein Staatsexamen ab und arbeitete zunächst Musiklehrer.

Seine ohnehin beeinträchtigte Sehfähigkeit - er musste immer Brillen mit dicken Gläsern tragen - verlor er im Alter von 27 Jahren komplett als er bei einem Bombenangriff auf Mainz gemeinsam mit seiner späteren Frau Tina verschüttet wurde. Als die Helfer ihn endlich befreien konnte war er erblindet.

Nach dem Krieg engagierte er sich zunächst bei einer Tourneebühne bis er 1952 an der Gießener Universität als Telefonist angestellt wurde. Die hessische Stadt wurde zu seiner Wahlheim. Hier war er auch in der Gießener Fassenachtsvereinigung aktiv und trat mit seinem Chor »Die Hämmerles« bei deren jährlichen Sitzungen auf.

Den Kontakt zu Mainz hatte er nie verloren. In dieser Zeit begann auch seine Zusammen­arbeit mit Ernst Neger und dem MCV. Hämmerle blieb der Musik eng verbunden. Er schrieb in seinem Leben rund 50 Schlager und Stimmungslieder, unter anderem für Ralf Bendix, Camillo Felgen, Paul Kuhn und - natürlich - Margit Sponheimer.

Zu seinen bekanntesten Kompositionen zählen »Hier am Rhein geht die Sonne nicht unter« (1959), »Gell, du hast mich gelle gern« (1966) und das - auch international bekannte - »Humba, Humba Täterä«. (Perfektionisten würden an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es eigentlich »Das Humpta-Tätärä« heißt!)

»Ja da geht's ...

Filmszene aus der Fastnachtsbeichte
Toni Hämmerle als Clown.

... humbta humbta humbta tätäerä tätärä tätärä...« sang Ernst Neger zum ersten Mal im Jahr 1964 bei der Fernsehfastnacht »Mainz wie es singt und lacht«.

Ob das Lied alleine für die rund einstündige Überziehung der Sendezeit an diesem Abend verantwortlich war lässt sich mit Sicherheit nicht mehr sagen - wahrscheinlich gehört auch diese Geschichte zu den zahlreichen Legenden die sich um den Song gebildet haben, der sich im ersten Jahr kurzzeitig sogar unter den Top 20 der Hitparade platzieren konnte. Jedenfalls tobte das Publikum an diesem Abend und forderte von Ernst Neger eine Zugabe nach der anderen.

Diesem gelang es nach und nach »den Saal mit seinem vornehmen und prominenten Publikum in ein Tollhaus zu verwandeln und dabei im Grunde genau das zu leisteten, worum es bei der Narretei zutiefst geht: die ,Entfesselung' von Menschen, die rigorosen Normen unterworfen sind.« (Hans-Peter Ecker)

Verschiedene Medien behaupteten später, das Lied sei in Afrika so bekannt gewesen, dass es dort stellenweise für die Deutsche Nationalhymne gehalten wurde. Es gibt allerdings keinen Hinweis darauf, dass es je bei einem Staatsempfang gespielt wurde.

Humba, Ultras und Podolski

Wir wissen nicht viel von dem ruhigen Toni Hämmerle, der immer etwas im Schatten von Ernst Neger und Margit Sponheimer an seinem Klavier saß. Die zweite Strophe des »Humbas« lässt eine gewisse Affinität zu der Deutschen liebster Sportart vermuten:

»Und schießt bei uns der Sportverein am Sonntag mal ein Tor,
Steht alles auf dem Kopf, denn das kommt selten vor.
Dann geht es mit Hipp-Hipp-Hurra ins Dorf vom Fußballplatz
Und im Vereinslokal gibt's dann Rabatz.«

Er konnte nicht ahnen, dass Mainzer Fans und Bundesligisten ein Ritual um sein Lied entwickeln würden (»Gib mir ein »H«...«) das später fast deutschlandweit übernommen wurde und für dessen nationale Verbreitung ausgerechnet ein Kölner verantwortlich zeichnete: Lukas Podolski intonierte es nach dem Sieg gegen Portugal bei der Europameisterschaft 2008 vor laufenden Kameras.

Ein letztes »Ave Maria«

Dass Hämmerle auch besinnliche Balladen schrieb ist eher unbekannt. Margit Sponheimer, die er seit etwa 1963 betreute und die mit dem von ihm komponierten »Gell, du hast mich gelle gern« ihre Solokarriere startete, erinnerte vor wenigen Jahren in einer CD auch an diese Seite des großen Mainzers.

Wolfgang Balzer erwähnt, dass ein »Ave Maria« zu seinen letzten Kompositionen gehörte. Dessen Uraufführung fand im Dezember 1968 statt - bei seiner Beerdigung in Gießen. Toni Hämmerle verstarb wenige Tage vor seinem 54. Geburtstag.

| MDL