Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
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Weibliche Wohnungsnot

Dem Leben einen Richtungswechsel geben

Weitaus mehr Frauen sind von Wohnungsnot betroffen als im gesellschaftlichen Erscheinungsbild sichtbar ist, denn meist suchen sie private Lösungen für ihre Situation, um nicht ungeschützt auf der Straße leben zu müssen.


Helga Oepen
Wendepunkt-Leiterin Helga Oepen und ihr Team geben in Not geratenen Frauen nicht nur ein »Heim«, sondern helfen bei der Entwicklung von Zukunfts­perspektiven

Die Ursachen weiblicher Wohnungsnot können sehr unterschiedlich sein, zu ihnen gehören etwa fehlende wirtschaftliche Absicherung als Folge schlechter Ausbildung, einhergehend mit Beziehungskonflikten, Gewalt in Familie und Partnerschaft, Trennung vom Partner oder eine langwierige Erkrankung.

In Mainz unterstützt das Informations- und Hilfezentrum Wendepunkt mit einem umfassenden Angebot Frauen in Wohnungsnot, ab 18 Jahre mit oder ohne eigene Kinder.

»Wir bieten Schutz für Frauen, die ihre Existenz verloren haben«, sagt Helga Oepen, die seit acht Jahren die Einrichtung leitet. Grundsätzlich können sich Frauen an das Zentrum wenden, wenn bereits in irgendeiner Form der Wohnungsnotstand droht.

Hier gibt es neben individueller akuter und präventiver Beratung von ausschließlich weiblichen pädagogischen Fachkräften für wohnungslose Frauen die Möglichkeit, im Haus unterzukommen. Vier Notbetten und 15 Wohnheimbetten stehen diesen zur Verfügung.

Die Plätze sind auf fünf Wohnungen mit eigener Küche verteilt und haben WG-Charakter. »Dies ist ein Vorteil für die Frauen, denn durch das Zusammenleben entstehen Lernprozesse innerhalb der kleinen Wohngruppen, die auch die persönliche Entwicklung in der Einzel­betreuung unterstützen«, erläutert Oepen das Konzept.

Viele hilfesuchende Frauen sind ohne Job und finanziell in einer misslichen Lage, aber es gibt auch Ausnahmen. So hat sich bei Monika S. trotz regelmäßigen Einkommens im Laufe der Jahre ein enormer Schuldenberg angesammelt und die Kündigung ihrer Wohnung stand kurz bevor. »Wir fungieren in solchen Fällen als Feuerwehr und betreiben erst mal Schadens­begrenzung«, erklärt Sozialpädagogin Oepen. »Dazu gehört die Verhinderung des Wohnungs­verlusts.«

Die Mitarbeiterinnen sprechen mit dem Vermieter, richten ein Sonderkonto zur Verwaltung des Geldes ein, stellen einen Schuldentilgungsplan auf und verhandeln mit den Gläubigern über Ratenzahlungen. Ein großer Schuldenfaktor sei neben Mietschulden häufig eine offenstehende Stromrechnung, die bereits ab einer Höhe von 100 Euro dazu führen kann, dass der Strom gesperrt wird, erzählt Oepen. Ist dieser erst einmal abgestellt, muss die gesamte Schuldensumme gezahlt werden, bevor er wieder fließt. Das könne bei kleinen Ratenzahlungen sehr lange dauern.

Dann nutzen einige Frauen das Zentrum auch, um sich stundenweise aufzuwärmen, zu kochen oder Fern zu sehen.

Im August 1991 wurde Wendepunkt vom Diakonischen Werk Mainz-Bingen gegründet, 2005 übernahm die Mission Leben GmbH die Einrichtung. Finanziert wird das Zentrum nach Belegung der Zimmer über Pflegesätze von Sozialhilfeträgern und Jugendämtern. Ein wichtiger Unterstützer in vielerlei Hinsicht ist zudem der Förderkreis, der die Spenden verwaltet. Über ihn werden zahlreiche Extras für die Frauen wie Brille, Zahnersatz oder Monatsfahrkarte bezahlt.

Jährlich suchen bis zu 300 Frauen die Beratungsstelle der Einrichtung auf, ungefähr 50 übernachten in der Notaufnahme und über 40 Frauen werden im Haus aufgenommen, in dem sie zwischen ein und zwei Jahre leben. Der Name Wendepunkt steht symbolisch für eine Bewegung weg von der Not hin zu neuem Leben.

| Kh

»Wendepunkt«
Haus für Frauen in Wohnungsnot
Nahestraße 7, 55118 Mainz
Telefon: 06131 27555-0
wendepunkt@mission-leben.de
www.mission-leben.de