Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
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Mogunzius

MOGUNZIUS
STADTSCHREIBER DES MAINZERS

Die Mainzer Rhein-Zeitung - ein totgeborenes Kind? Um die Gründung der Zeitung rankten sich viele Gerüchte. Besonders gerne verbreitet wurde folgendes:

Bernhard Vogel, von 1976 bis 1988 Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, wollte privaten Rundfunk in Deutschland einführen. Seine Pläne sorgten für Panik in den Zeitungsverlagen. Dort sah man das Ende der Tageszeitungen gekommen. Die gesamte Werbung werde ins Privatfernsehen abwandern, so die Befürchtung.

So trafen sich die deutschen Zeitungsverleger in Mainz und schmiedeten Pläne, wie die unliebsame Konkurrenz verhindert werden konnte. Man wollte Vogel angreifen und verabredete regelrechte Kampagnen gegen den Ministerpräsidenten.

Der damalige Chefredakteur der bürgerlichen Tageszeitung in Mainz (AZ) wollte bei der Kampagne gegen Vogel allerdings nicht mitmachen, da er mit Vogel befreundet war.

Feder

Nachdem also die AZ als Waffe gegen Vogel ausgefallen war, erklärte sich einer der Zeitungsverleger bereit, in Mainz eine neue Zeitung aufzulegen, damit man Vogels Pläne torpedieren konnte. Das war die Geburtsstunde der Mainzer Rhein-Zeitung.

Der private Rundfunk wurde dennoch gegründet: Einer aus der Presseabteilung von Vogels Staatskanzlei wurde ins Gründungszentrum nach Ludwigshafen abkommandiert, um den privaten Rundfunk aufzubauen: Jürgen Doetz, späterer SAT.1-Chef und heute noch Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Telekommunikation e.V.

Spätes Opfer wurde trotzdem Bernhard Vogel. Aus der Initiative heraus wurden aus CDU-Kreisen alle CDU-Mitglieder (Bürgermeister, Vorsitzende etc., die 1988 auf dem Parteitag in Koblenz erschienen) generalstabsmäßig angerufen und aufgefordert, gegen Vogel zu stimmen. Bernhard Vogel wurde für ihn völlig überraschend abgewählt, er verließ den Koblenzer Parteitag mit den Worten »Gott schütze Rheinland-Pfalz«.

Die CDU musste den beliebten Vogel ersetzen und inthronisierte eine Doppelspitze: Die Herren Wagner und Wilhelm. Die nächste Landtagswahl wurde von der CDU verloren. Etwas, was vorher undenkbar war. Seitdem wird Rheinland-Pfalz von der SPD regiert.

Es stellt sich die Frage, ob diese Motivation zur Gründung der Mainzer Rhein-Zeitung von Anfang an die falsche Richtung vorgegeben hat, die Zeitung deshalb bei den Mainzern nicht wirklich akzeptiert wurde. Zumal die Zeitung immer »zweigleisig« fahren musste: die Rhein-Zeitung in Koblenz ist eher bürgerlich konservativ aufgestellt, ein Platz, der in Mainz durch die AZ belegt wird, weshalb die Mainzer Rhein-Zeitung eher rot-grün ausgerichtet war. Dass der Verlags ausgerechnet zum Jahresende 2013 aus Kostengründen den Stecker zog, ist schwer nachvollziehbar.

Mit der Mainzer Rhein-Zeitung hat sich auch ein Stück journalistische Vielfalt und Freiheit verabschiedet. Zum Glück bleibt DER MAINZER am Ball.

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