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Andreas Schmitt der »eiskalte« Gonsenheimer

Im zarten Alter von zwölf Jahren ist es durchgebrochen, das Fastnachtsgen. Aktuell durchlebt Andreas Schmitt seine 40'e Kampagne, seit 19 Jahren ist er Sitzungspräsident der »Eiskalten Brüder« und 2005 trat er erstmals als »Obermessdiener« in die Bütt.

Andreas Schmitt

Das »Fastnachtsgen« habe er vom Urgroßvater, Franz Schmitt, geerbt, ist der »Eiskalte«-Sitzungspräsident sicher. Weder sein Großvater noch sein Vater hatten etwas mit Fastnacht am Hut, auch sein älterer Bruder und seine beiden Söhne, 19 und 21 Jahre alt, sind nicht als Fastnachter bekannt.

Andreas Schmitt ist in Mainz geboren und zur Schule gegangen, in Nieder-Olm aufgewachsen und lebt heute noch dort. Beruflich hat er einige Stationen hinter sich, vom Beamten für den gehobenen Dienst über die Personalabteilung im Mombacher Panzerwerk und die Kommunale Datenverwaltungszentrale, die Kreisverwaltung Mainz-Bingen bis zum Rechenzentrum im Bischöflichen Ordinariat. Dort helfe er als »der Mann der Hotline« Bistumsmitarbeitern aus ganz Deutschland bei der Bewältigung von Datenverarbeitungsproblemen.

Wer austeilt muss auch einstecken können

Zu den »Eiskalten Brüdern Gonsenheim 1893 e.V.« kam Schmitt 1995, von 1987 bis 2004 präsidierte er beim Nieder-Olmer Carneval Club die Sitzungen. Wortgewaltig »kommandiert« er von der Bühne das Sitzungs-Geschehen, wird nicht müde, den Einsatz aller Aktiven zu betonen, teilt Richtung Finthen und Wiesbaden aus, weist die ewigen Dazwischenbabbeler im Saal zurecht, nimmt den Eiskalten-Präsidenten Karlheinz Hummel aufs Korn, veräppelt sich selbst, so oft es geht - und setzt aktuell seine Körperfülle gekonnt als elfenartig über die Bühne schwebende Cindy aus Marzahn in Szene. Der Saal liegt ihm schon zu Füßen, bevor er ihm als »Obermessdiener« den Rest gibt.

Diese Scherze auf Kosten anderer seien natürlich abgesprochen, sagt er und »Frau Inge Bloos aus Finthen« amüsiere sich köstlich über den Unsinn, den er ihr als Schwiegersohn andichtet.

»Meine Fastenzeit ist vor der Fastenzeit«

Mit einer Mär räumt Schmitt resolut auf: Während der Sitzungen gebe es für ihn keinen Alkohol. In seinem Schoppeglas sei eine leckere Mischung aus Stillem Wasser mit einem Spritzer Cola. »Als Sitzungspräsident muss ich nicht nur spontan sein, sondern mich absolut im Griff haben und nie im Überschwang der Gefühle entgleisen«, begründet Schmitt die Abstinenz. Das erfordere höchste Konzentration - fünf, sechs Stunden lang. Auch gegessen werde erst nach der Sitzung, denn: »Mit vollem Bauch regiert sich's schlecht.«

Andreas Schmitt weiß, dass man es ihm nicht unbedingt ansieht, aber: »Ich schwimme gerne und gehe oft in die Sauna.« Apropos Aussehen: Seine Körperfülle rühre von den 7.000 Kalorien, die er als ehemaliger Gewichtheber zu sich habe nehmen müssen und dann habe er auch noch aufgehört zu rauchen.

Ist er nicht in Sachen Fastnacht unterwegs, widmet er sich gerne seiner digitalisierten Modelleisenbahn. Für die brauche er nur »kleines« Werkzeug, alles andere habe seine Frau weggeschlossen: »Wegen Verletzungsgefahr.« Kennengelernt hat er seine Frau Jutta übrigens - auf einer »Eiskalten«-Sitzung. Da saß sie im Publikum und verzog keine Mine. Das ließ dem Sitzungspräsidenten keine Ruhe. Sieben Monate später waren sie verheiratet.

Die Tatsache, dass die Nachfrage nach Karten für die Sitzungen der »Eiskalten« ungebrochen ist, begründet Andreas Schmitt vor allem mit der guten Nachwuchsarbeit. Dazu gehöre auch, junge Fastnachter zu fördern, ihnen Auftrittschancen zu geben: »Ich bin mit 52 Jahren, nach Jochen Dietz, der zweitälteste Bühnenaktive der ,Eiskalten Brüder' - das spricht doch für sich!«

| SoS

www.eiskalt-online.de
An Aschermittwoch beerdigt Andreas Schmitt um 20 Uhr als »Pfarrer« die Fastnacht vor dem Weinhaus Blum in der Badergasse.