Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Werbung

SPITZFINDIG

Mainzer Rhein-Zeitung EINE WENIGER - NA UND?

Im Grunde ist es nichts Besonderes im deutschen Mediendschungel. Überall werden gedruckte Zeitungen zusammen­gelegt, aufgekauft, ausgeschlachtet, aufgegeben.

Nun auch in Mainz. Am Silvestertag erschien zum letzten Mal die Mainzer Rhein-Zeitung. Na und, werden sich viele fragen. Anderen wird es nicht auffallen. Zeitung lesen liegt nicht im Trend. Es mutet nostalgisch an, beim Frühstück ein Stück bedrucktes Papier neben der Kaffeetasse liegen haben zu wollen. Mit den elektronischen und transportablen Geräten lässt sich das Geschehen der Welt schneller und umfangreicher einfangen.

Allerdings ist es auch schwieriger, die Art der Berichterstattung einzuschätzen. Was kann ich glauben? Wer informiert, wer polemisiert, wer will mir seine Meinung aufzwängen?

Um gut durch die Vielfalt der Informationen zu kommen, um sich eine Meinung bilden zu können, braucht es Lotsen - z.B. Zeitungen. Gerne mehrere. Denn: Information ist nicht immer gleich Information. Jede Nachricht transportiert den persönlichen »Geruch« ihrer Verfasser.

Wer in der Vergangenheit beide Mainzer Zeitungen las, konnte viele Unterschiede feststellen. Nicht nur im Sportteil, auch in der lokalen Berichterstattung waren die Auswahl der Themen, die Art sie darzustellen, unterschiedlich. Manchmal hatte es den Anschein, die Damen und Herren Redakteure und Freien Mitarbeiter schrieben von völlig unterschiedlichen Sachverhalten - obwohl sie doch auf derselben Pressekonferenz waren, dieselben Pressemitteilungen lasen und oft sogar mit denselben Ansprechpartnern sprachen - das veranschaulicht ganz prima, warum Informationsvielfalt nur im Einklang mit Medienvielfalt zu haben ist.

Leider muss das breite Angebot bezahlt werden. Diese Bereitschaft nimmt weiter ab. Im Internet gibt es ja alles kostenlos - obwohl tatsächlich die gedruckten Zeitungen die Online-Angebote der Verlage finanzieren.

Nun muss also auch die Landeshauptstadt Mainz mit einer Tageszeitung auskommen. Die Mainzer Rhein-Zeitung werden wir vermissen.

Denjenigen, die sie hier vor Ort gemacht haben, wünschen wir vor allem Erfolg - beim Finden anderer, guter und adäquat bezahlter Arbeitsplätze.

| SoS