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Freizeit

baumstammwerfen KRÄFTEMESSEN UNTER FREUNDEN

Der Baumstamm ist ungefähr vier Meter lang. Gekonnt hebt Axel Arnsberg ihn auf, sucht festen Stand, richtet ihn senkrecht nach oben und wirft ihn mit einer kräftigen Bewegung nach vorne. Baumstammwerfen: die Königsdisziplin des schottischen Fünfkampfs.

Es geht nicht um die Weite, sondern darum, den Baumstamm einmal in der Luft um die eigene Achse zu drehen. Um diese Kunst zu perfektionieren trainiert Arnsberg mindestens zweimal die Woche - »und weil es einfach Spaß macht«, lacht er.

Seit fünf Jahren ist der Freimersheimer im Highland Fieber: »Angefangen hat alles damit, dass für die ersten Highland Games in Rüsselsheim 2008 noch Mannschaften gesucht wurden.« Kurz entschlossen meldeten sich Arnsberg und vier seiner Kollegen für die schottischen Wettkämpfe an. »Alles was wir brauchten waren Kilts und einheitliche T-Shirts. Und einen Namen natürlich.« Letzteres erforderte einiges an Fantasie und Kreativität: »Der Name sollte ja irgendwie schottisch klingen«, erinnert sich Arnsberg. Der Frau eines Teammitglieds kam schließlich die zündende Idee: »Ben Dover and Isle Makeyahebby«. Unter diesem Teamnamen treten die fünf Rheinhessen seither bei Highland Games in ganz Deutschland auf.

Team- und Einzelwettkämpfe

tauziehen
»Ben Dover and Isle Makeyahebby« - das sind fünf Rheinhessen im Highland Fieber

»Highland Games sind bis jetzt noch eine Randsportart in Deutschland«, erklärt Arnsberg. Ungefähr zehn Veranstaltungen werden über das Jahr verteilt in der gesamten Republik ausgetragen. In der Rhein-Main- Region werden beispielsweise einmal im Jahr in Rüsselsheim die Mainland Games veranstaltet. »An allen Wettkämpfen in Deutschland können wir natürlich nicht teilnehmen, aber ein paar versuchen wir immer unter zu bekommen.«

Aufgeteilt sind die Highland Games in Deutschland in Team- und Einzelwettkämpfe. »Teamdisziplinen sind zum Beispiel Tauziehen, Huckepacklauf oder einen Baumstamm durch einen Parcours tragen. In Schottland sind diese Disziplinen nicht üblich, das ist eher eine deutsche Ausprägung, der Spaßfaktor ist bei diesen Wettkämpfen aber sehr hoch«, erklärt Arnsberg. Die ursprünglich schottischen Disziplinen werden in Einzelwettkämpfen ausgetragen: »Der schottische Fünfkampf besteht aus Steinweitwurf, Gewichtweitwurf, Hammerwerfen, Gewichthochwurf und eben der Königsdisziplin des Baumstammwerfens.« Entstanden sind diese Disziplinen aus der Not heraus: »Schottland wurde des Öfteren von England besetzt und während dieser Besatzungszeiten war es den Schotten verboten Waffen zu tragen und zu benutzen«, erklärt Arnsberg.

Um trotzdem körperlich fit zu bleiben und weiterhin für den Kampf zu trainieren suchten sich die Schotten alternative Trainingsgeräte: »Sie nahmen das, was sie in der Natur fanden und hielten sich damit fit. So sind die Highland Games entstanden.«

Freundschaftliche Atmosphäre

fassrollen

Doch auch wenn die Disziplinen aus den Anfängen der Highland Games weitestgehend gleich geblieben sind, der kriegerische Aspekt aus der Pionierzeit ist gänzlich dem Sport- und Spaßfaktor gewichen: »Die Atmosphäre bei Highland Games ist immer etwas ganz besonderes. Man freut sich die anderen Mannschaften zu treffen und es geht sehr freundschaftlich zu. Oft kommt es vor, dass man Verbesserungs-Tipps von den anderen Teilnehmern erhält. Man motiviert sich gegenseitig und feuert sich an. Das macht unheimlich viel Spaß«, schwärmt Arnsberg und lacht: »Ich sage immer das Ganze ist wie ein Kräftemessen unter Freunden.« Über seinen persönlichen Rekord, den vierten Platz in seiner Altersgruppe bei den deutschen Meisterschaften 2013, haben sich daher nicht nur seine Teamkollegen, sondern auch die anderen Wettkampfteilnehmer gefreut: »Das ist einfach schön.«

Ob hoch oder weit - Die Löcher sind groß

Steineschleppen

Für ihn steht daher außer Frage, dass er der Sportart weiter treu bleiben wird. Das ganze Jahr hindurch trainiert er zweimal die Woche auf einer Wiese in Freimersheim: »Das Grundstück gehört einem ansässigen Landwirt, der mir erlaubt hier zu trainieren. Das ist wirklich toll, denn das Werfen von Steinen und Gewichten verursacht oft große Löcher im Gras.« Außerdem kann er hier jederzeit seine selbstgezimmerte Trainingsanlage für den Gewichthochwurf mit höhenverstellbarem Balken aufbauen. Bei so viel Trainingseifer können die nächsten Highland Games also kommen: Mit Kilts, Dudelsäcken, Sportskanonen und einer gehörigen Portion Spaß.

| Katrin Henrich

www.highlandclan-bdim.de