Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

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Titelstory

Ihr Lichtlein kommet

Die stimmungsvoll beleuchtete Stadt im Advent - Mainzer wie Gäste genießen den Lichterglanz. Was die wenigsten wissen: Organisation und Finanzierung stemmen die Mainzer Einzelhändler.

weihnachtsmarkt
Im Advent leuchtet der Lichterhimmel über dem Weihnachtsmarkt Dank Leasing für »nur« 20.000 Euro plus Stromkosten.

Die Tatsache, dass die Weihnachtsbeleuchtung nicht aus dem Etat der Stadt Mainz finanziert wird, ist einerseits den Wenigsten bewusst, andererseits unter den Geschäftsleuten nur selten ein Thema zum Aufregen. Man hat sich daran gewöhnt, das selbst in die Hand nehmen zu müssen und beschäftigt sich alle Jahre wieder damit: Wer bezahlt wie viel für Anschaffung, Auf- und Abhängen, Lagerung, Instandhaltung und Strom der Lichterketten in den Straßen und an den Plätzen?

Diese Diskussionen unter den Einzelhändlern haben dieses Jahr Fahrt aufgenommen. Grund ist die Umstellung auf die Stromsparende LED-Technik.

Noch ist die Weihnachtsbeleuchtung in Mainz ein Flickenteppich. In manchen Straßen baumeln Glühbirnen an den Leitungen, in manchen hängen klitzekleine LEDs, in anderen gar nichts.

Im vergangenen Jahr wurde erstmals in der Augustinerstraße ein Ice Lite®-Beleuchtungskonzept realisiert, das nun sukzessive in allen Einkaufsquartieren in der Innenstadt Einzug halten soll, so die Entscheidung der organisierten Einzelhändler in der Mainzer Werbegemeinschaft.

Der Verein Mainzer Citymanagement schießt 10.000 Euro zu, damit Höfchen und Ludwigsstraße in weihnachtlichem Licht erstrahlen und die Händler um den Kirschgarten herum und in der Augustinerstraße sowie in der »Neuen Mitte« die Anschaffung der Ice Lite® in Angriff nehmen können, berichtet Citymanager Walter Strutz.

Sammeln gehen und Paten suchen

Zusätzlich entscheiden die einzelnen Einkaufsquartiere, ob sie mit LED-Ornamenten wie Kugeln, Schneeflocken und ähnlichem ihrem Quartier eine individuelle Beleuchtungsnote geben.

Dafür, so eine Idee der Werbegemeinschaft, sollten Paten gefunden und insbesondere auch die Gewerbetreibenden angesprochen werden, die mit ihren Dienstleistungsunternehmen in den oberen Etagen der Gebäude ebenfalls vom Weihnachtsglanz profitieren.

Das Einsparpotenzial dieser Ice Lite® sei enorm, bilanziert Martin Lepold, Juwelier in der Augustinerstraße und Vorsitzender der Werbegemeinschaft nach den Erfahrungen im vergangenen Advent. Die Altstadthändler hätten nur 10 % des Stromverbrauchs vergangener Jahre zahlen müssen.

Lepold ist einer derjenigen, der alle Jahre wieder bei den ansässigen Geschäften »sammeln« geht: Jeder Geschäftsinhaber in der Augustinerstraßewird persönlich angesprochen, um seinen Beitrag zu den jährlich wiederkehrende Kosten für Aufhängen, Strom etc. von 2.500 bis 3.000 Euro zu leisten. Werbegemeinschaft und Citymanagement hatten die Anschaffung der Ice Lite® mit je 1.000 Euro bezuschusst.

Für die Anschaffung der Ice Lite®, die zwischen Leichhof, Haltestelle Höfchen über Schuster- und Flachsmarktstraße, entlang der »City Meile« vom Kaufhof bis zur Römerpassage, sowieder »Lu« bis zum Schillerplatz aufgehängt werden, zahlt die Werbegemeinschaft in diesem Jahr 15.000 Euro. Vom Citymanagement erhält sie dafür wiederum 5.000 Euro. Zusätzlich kostet das Auf- und Abhängen in diesem Bereich die Werbegemeinschaft jährlich 16.000 Euro.

Außerdem zahlt die Werbegemeinschaft auf Antrag den Einkaufsquartieren, die ihre Weihnachtsbeleuchtung komplett selbst organisieren und finanzieren, einen Zuschuss.

Nicht alle wollen oder können zahlen

13.500 Euro würden Anschaffung und Montage der LED-Lichterketten im Viertel »Rund um den Kirschgarten«, das von der Weihergartenstraße über die Kirschgartenstraße, das Hollagässchen, die Rochus- und Schönbornstraße reicht, kosten, sagt Oliver Daum. Das Citymanagement gibt 3.000 Euro für die Investition dazu - den Rest können oder wollen in diesem Jahr noch nicht alle Geschäftsinhaber schultern. So sind einige Straßenzüge mit der alten Beleuchtung bestückt, einige mit dem neuen System. Einzelne Geschäftsinhaber finanzieren zusätzlich Lichtkugeln als Deko-Ornamente.

1.850 Euro kostete die Anschaffung der Ice Lite®-Beleuchtung am Fischtor. Nosotros-Chef Andreas Hofreuter hatte im vergangenen Jahr die Finanzierung zwischen Liebfrauenplatz und Rheinstraße angeleiert und blieb auf einem Teil der Kosten sitzen. Auf- und Abhängen, Einlagern und Instandhalten kostet das Quartier jährlich etwa 1.000 Euro. Hofreuter sammelt sie unter den Kollegen ein.

LED kommt nächstes Jahr

Am Schillerplatz wird es dieses Jahr noch keine Ice Lite®-Beleuchtung geben, sagt Jan Willenberg. Man habe auf die Wiederholung des Angebots der Eisbahn gesetzt, deren Betreiber wie im vergangenen Jahr die Bäume rund um den Schillerplatz illuminieren wollte. Das Projekt wurde aber auf Eis gelegt. Beleuchtet werde nun die Einkaufsmeile zwischen Wirth Der Kinderladen und dem Reisebüro Hillebrand mit Lichterketten und Sternen zwischen den Laternen. Im nächsten Jahr, blickt Willenberg optimistisch gen Weihnachten 2014, werde es auch dem Quartier Schillerplatz gelingen, im LED-Glanz zu erstrahlen.

Im Quartier Lotharstraße bis Neubrunnenplatz sorgt der Verein »Neue Mitte« für die festliche Beleuchtung - allerdings ohne LED dafür wieder mit Weihnachtsbäumen. Aufgrund der schlechten Erfahrungen mit Randalieren im vergangenen Jahr wolle man größere Weihnachtsbäume als Wegweiser vor den Geschäften aufstellen und diese an den Laternenmasten gut befestigen, berichtet Dieter Grünewald. Im kommenden Jahr sollen die 1.000 Euro vom Mainzer Citymanagement als Anschubfinanzierung für den Kauf der LED-Leuchten genutzt werden. Grünewald rechnet für 15, über die Straße gespannte Strän­ge, mit 3.500 Euro für die Anschaffung und 1.500 Euro fürs Aufhängen, die von den ansässigen Händlern zu schultern seien. Hinzu kommen die Kosten für die Deko-Ornamente.

Auch die Stadt selbst trägt zum festlichen Lichterglanz bei - allerdings nur zur Beleuchtung des Weihnachtsmarkts. Stadtsprecher Ralf Peterhanwahr erzählt, die Stadt habe bis 2008 für die alte, einst 65.000 Euro teure Weihnachtsmarktbeleuchtung, pro Jahr 22.500 Euro fürs Auf- und Abhängen, für die Einlagerung etc. gezahlt. Seither fallen für die geleaste Beleuchtung 20.000 Euro plus Stromkosten an, die jeweils hälftig über die Werbekostenumlage der Weihnachtsmarktstandbetreiber und aus dem städtischen Etat finanziert werden.

Kommentar: Enormer Aufwand! Sie sieht schön aus, sie befördert die Stimmung und trägt zum monetären Erfolg des Weihnachtsgeschäfts bei. Zum Glück ist der Beleuchtung nicht anzusehen, mit welchem organisatorischen wie finanziellem Aufwand sie erstrahlt. Den Einzelhändlern ist hoch anzurechnen, dass sie statt zu lamentieren selbst die Initiative ergreifen und zahlen. Nachvollziehbar ist der Wunsch, mal laut, mal hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen, eine Koordinationsstelle sollte ihnen wenigstens die Arbeit abnehmen. Die bei der Stadt, etwa im Amt für Öffentlichkeitsarbeit anzusiedeln ist illusorisch. Vielleicht hätte der Citymanager noch Kapazitäten frei?

| SoS