Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

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Mainzer Kopf

Es werd Rhoihessisch gesunge

»En long, longe Weesch«, Blues- worscht Records, Mundarttheater, Rhoi­hesse-Grand-Prix, Sender Freies Stadecken, Der Goldene Kuss, Be-Bob-A-Lula: Martin Kijaszek steht seit 50 Jahren auf der Bühne.

Billy Crash

Der Bart ist älter als ZZ Top, aber mit Markenzeichen hat Billy Crash alias Martin Kijaszek nichts am Hut - ohne den er wiederum nicht auftritt. Mit 16 stand der Rhoihessemundartrocker erstmals auf einer Bühne. In einer Gaststätte in Kastel, wo er geboren und aufgewachsen ist.

Billy Crash ist gelernter Dekorateur und erlernte die ersten Griffe von einem Arbeitskollegen. Seither spielt der 66-Jährige alles, was Saiten hat - außer Geige, an der habe er sich die Zähne ausgebissen, erzählt er. Aber mit der Blues Harp kommt er gut zurecht und singen kann er sowieso - alles aus dem Bauch heraus, denn Noten hat er nie gelernt.

Rhoihessische Legende

Rock n roll, Beatles - jahrelang war Billy Crash in seiner Freizeit mit Band unterwegs und spielte nach, was andere geschrieben hatten. Den Lebensunterhalt verdienten er und seine Frau mit einer Werbeagentur.

An Ideen und Organisationstalent mangelt es ihm nicht - allein dieser »Rhoihesse-Grand-Prix« ist eine Legende. Dessen Geschichte begann übrigens auf der »Ebsch Seit«, im Bootshaus in Biebrich. Erst als Hochwasser und Glatteis diese »location« unpassierbar werden ließen, fand Billy, der mit seiner Frau zwischenzeitlich ein Fachwerkhaus in Stadecken-Elsheim bezogen hatte, dort eine alte Scheune als Austragungsort.

Seit 1988 stehen also mitten im Sommer in den »Trachten« der Grand-Prix-Länder verkleidete Menschen im Stadecker Wambolderhof auf Tischen und Bänken und feiern mit den Grand-Prix-Hits vergangener Zeiten.

Markenzeichen Mundart

Billy Crash ist der organisatorische Kopf dieses Spektakels, das als »Gage« allen Beteiligten mit Partnern ein gemeinsames Wochenende im Dahner Felsenland einbringt: Die Gemeinschaft ist es, was antreibt, was zählt, sagt Billy Crash und erinnert sich an den Vorläufer des Rhoihesse-Grand-Prix, genannt »Der Goldene Kuss«. Wer jetzt an Lou van Burg und Vicco Torriani denkt, liegt richtig. Allerdings musste der jeweilige Gewinner in der Billy Crash-Show mit verbundenen Augen einen prallen Plastikhintern küssen.

Zum Glück will der Rhoihessebarde noch ein Buch schreiben, in dem all die Geschichten nacherzählt werden, die er Laufe der 50 Bühnenjahre erlebt hat. Der Arbeitstitel zeigt wo es langgeht: »Be-Bop-A-Lula un es Heile Gänsje«.

Lieder, Theater - alles in Rhoihessisch, wie Billy Crash es babbelt. Er hält zwar nichts von Markenzeichen, aber diese Mundart ist seins. Bis sie sich und er sich mit ihr durchgesetzt hatte, dauerte es ein paar Jahre. Für sein Rheinhessenweinlied »Trinkt ihr Leit« wurde er von den Winzern Mitte der 80er noch ausgebuht. Auch die erste LP »Retour on die Worzel« 1988 war nicht gerade ein Hit.

Ausgerechnet zur Jahrhundertwende geriet die berufliche Existenz ins Wanken, Billy Crash macht seither ganztags und ganzjährig Musik, Mundart und Veranstaltungsorga, so dass ein auskömmliches Einkommen dabei rumkommt.

Der Rhoihesserocker tritt solo auf in Clubs, lässt sich für private Feiern engagieren, kommt als Trio mit Bassist und Klavierspieler oder mit der Skiffleband »Freakers« - die sind mit Waschbrett und Teekistenbass unterwegs. Er wollte musikalisch noch mal was ganz anderes machen, sagt Billy und bleibt hier Gitarre spielend tatsächlich dezent im Hintergrund.

»Woinachtliches in Stadecke«

Ganz im Vordergrund steht er dagegen auf seiner neuen CD »En long, longe Weesch« und beim Billy Crash »Woinachtsblues" in der Stadecker Burgscheune, mit den Gästen Hildegard Bachmann, Kenny Legendre und Ernst Walter Rohmann »Mundartkönner SWR-Hörfunk-Prediger«, am 7.12.13 um 20 Uhr.

| SoS

Karten: billycrash@kabelmail.de
Tel. 06136-9264