Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

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Krippenrundgang

»Vom Himmel hoch, da komm ich her«

Sie stellen die Weihnachtsgeschichte mit der Geburt Jesu dar und gehören für viele Menschen zum Fest wie der geschmückte Baum: die Weihnachts­krippen. DER MAINZER stellt Ihnen einige der bemerkenswerten Krippen in Mainz vor.

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Die »Höhlenkrippe« von St. Quintin vergegenwärtigt nicht nur das Geschehen von Bethlehem, sondern deutet Geschichte als Heilsgeschichte. Zu sehen ist sie bereits während der Adventszeit unter der Orgelempore der Quintinskirche. (© Dr. F. Haberberger)

Die »Advents- und Weihnachtskrippe« in St. Quintin ist vom ersten Advent bis zum 2. Februar unter der Orgelempore in der Kirche St. Quintin zu sehen. In der Adventszeit »wächst« sie: jede Woche wird eines jener biblischen Ereignisse aufgestellt, die sich vor der Geburt Jesu ereigneten.

Die Holzplastiken für diese Höhlenkrippe schuf der Bildhauer Philipp Müller aus Heppenheim von 1929-1931, 1935 kamen weitere Figuren hinzu, insgesamt kostete sie 5000 Reichsmark. Der einstige Unterbau der Krippe ist beim Fliegerangriff am 11./12.8.1942 verbrannt. Die Figuren selbst standen nach 1942 in der Sakramentskapelle des Domes und überstanden so den Krieg. (Quelle: Dr. Franz-Rudolf Weinert, Dompfarrer und Pfarrer von St. Quintin, Mainz). www.dompfarrei-mainz.de

Vom Blumenebeet neben die Gotthard Kapelle

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Krippe Mainzer Weihnachtsmarkt
(© Mainz)

Um sie kommt kaum herum, wer den Mainzer Weihnachtsmarkt besucht: die Krippe neben der Gotthard Kapelle im Schatten des Doms. 1981 wurde die Idee, lebensgroße Figuren für eine Krippe auf dem 1975 wiedererweckten Weihnachtsmarkt, anfertigen zu lassen, geboren.

In Unterammergau fand man in Sepp Erhart den Bildhauermeister, der Krippenfiguren dieser Größe anfertigen konnte. Die Heilige Familie mit Maria, Joseph und Christuskind wurden als Rohlinge in Unterammergau angefertigt und im Pavillon des damaligen Möbelhauses Wohnhof (heute Schuhhaus Salamander) fertig gestellt. Ihren ersten Standort hatte diese Krippe 1982 im Blumenbeet auf dem Liebfrauenplatz zwischen Nagelsäule und heutiger Brautboutique.

Es gab Beschwerden über die Platzwahl und so steht sie seit 1983 vor dem Dom. Erweitert wurde die Krippe um zwei Hirtenbuben und drei Schafe (1982), Erzengel Gabriel (1983), eine Kuh (1984), die Heiligen Drei Könige (1985, 1986, 1988), 1993 wurde eine neuer Joseph geschnitzt und der alte Josef mit Schaf auf dem Arm wurde zum Hirten, 1994 dann die Vollendung: Sepp Erhart fertig­-te einen Morgenstern, den er der Stadt schenkte.

Da der erste Krippenstall kein Dach hatte, die Figuren der Witterung ausgesetzt waren, wurde 1986 ein neuer Stall angefertigt - auch um die Figuren vor Vandalismus zu schützen und der Krippenstall wird seither nachts mit einem Rollladen verschlossen. 2000 fertigte die Handwerkskammer Rheinhessen einen neuen Stall an - der alte hatte durch den Auf- und Abbau gelitten. 2005 wurden alle Figuren von der Unterammergauer Fassmalerin, Regina Schädler restauriert. (Quelle: Peter Dörsam, ehem. Sachgebietsleiter Messen und Märkte). www.mainz.de

Jedes Jahr anders aber immer mit Stoff

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Stallkrippe St. Peter (© R.Both)

In der mächtigen Kirche St. Peter werden die Krippenfiguren in ihrem Stall vor dem Nikolausaltar aufgebaut - jedes Jahr sieht das Krippenbild etwas anders aus. Die Holzfiguren stammen alle aus der Nachkriegszeit, manche wurden in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts gefertigt. Ihr besonderes Kennzeichen sind die »echten Kleider«: Die Gewänder sind aus Stoff gefertigt.

Erstmals zu sehen ist die Krippe am Heilig Abend, wenn in der Familien-Christmette nachmittags die Erstkommunionkinder ein Krippenspiel aufführen, dann in der Mitternachtsmette, die ab 23 Uhr eingeleitet wird mit Bläserunterstützter Adventsmusik. Am 6. Januar finden die Hl. Drei Könige ihren Weg zum Stall und wenn die Weihnachtsbäume entsorgt werden müssen, wird auch die Krippe wieder abgebaut. www.st-peter-mainz.de

Glorreich und königlich ist Jesu gebettet

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»Königsportalkrippe« St. Ignaz
(© Dr. F. Haberberger)

»An die alte glorreiche Königsburg mahnt das prachtvolle königliche Portal, das sich über der Heiligen Familie des Gottkönigskindes wölbt« ist im Mainzer Journal vom 28.12.1929 über die Krippe in St. Ignaz zu lesen. Nicht im Stall und nicht in einer Höhle ist hier das Christuskind zu finden, sondern unter dem Königsportal -während sich im schlichten Stall gegenüber die Hirten um ein rot glimmendes Feuer scharen.

Wohl aus Lindenholz sind die etwa 80-90 cm hohen Figuren geschnitzt, wobei der nicht eindeutig zu benennende Schöpfer der Krippe den mächtigen Elefanten und das prächtig geschirrte Kamel wahrscheinlich aus Gründen des Gewichts ohne Hinterteile fertigte - was den Tieren von vorne selbstverständlich nicht anzusehen ist. Die große Krippe ist zwischen dem 24.12.13 und 2.2.14 aufgebaut. www.bistummainz.de

Eine Waldkrippe auf zwei Etagen

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Waldkrippe Christuskirche
(© U.Dreißigacker)

1993, zum 90-jährigen Jubiläum, schenkte Friedrich Schäfer der Christuskirche seine Krippe. 15 Jahre lang soll er in seiner Freizeit die etwa 45 Figuren geschnitzt haben. Als die Krippe nicht mehr unter den eigenen Weihnachtsbaum im Wohnzimmer passte, trennte er sich schweren Herzens von den 30-35 cm hohen, dunkel gebeizten und mit Bienenwachs überzogenen Figuren mit der Auflage, dass sie jedes Jahr im Advent in der Christuskirche aufgebaut werden.

Diesem Auftrag kommen Küster Uwe Dreißigacker und seine langjährigen Helfershelfer gerne nach. Die zwei Etagen der Waldkrippe haben sie schon bis zum 1. Advent aufgebaut, insgesamt 6-7 qm, mit einem kleinen Teich, die Wege mit Kies bestreut, Sägemehl, echtes Moos und gelb-rote Blätter von den Bäumen rund um die Christuskirche ergeben ein buntes Farbenspiel. Bis zum 14./15. Januar können die Betrachter die vielen Lampen, die einzelne Szenen ausleuchten, per Knopfdruck selbst bedienen.

www.christuskirche-mainz.de

| SoS

Mangels Teilnehmer musste die Volkshochschule in den letzten Jahren den Krippenrundgang immer wieder absagen und bietet die Veranstaltung nun nicht mehr an.