Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

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Mainzer Museen

Nicht nur in der fünften Jahreszeit

Um 11 Uhr 11 am 11.11. wird das närrische Grundgesetz der Mainzer Fastnacht vom Balkon des Osteiner Hofs verkündet. Einige Meter weiter, im Proviantmagazin, bietet das Fastnachtsmuseum das ganze Jahr einen Einblick in die Hintergründe des Brauchtums.

Das Proviantmagazin
Das Proviantmagazin als Heimstatt fürs Fastnachtsmuseum, in dem Schwellköpp, Gardeuniformen und Prinzessinnen­gewänder von Fastnacht erzählen.

Fastnacht - das bedeutet Helau am 11.11., Umzug der Garden am Neujahrstag, Sitzungen während der Kampagne, Jugendmaskenzug, Zug der Lebensfreude, Rosenmontagszug und: Feiern. Oft genug bis der Arzt kommt.

Vergessen geht in diesem Trubel meist, dass Fastnacht ursprünglich eine ernste Angelegenheit war. Das Volk setzte sich zur Wehr, persiflierte seinen Alltag, nutzte Humor und Satire um den ungeliebten Herrschenden seine Meinung zu sagen.

Aufbegehren gegen die Obrigkeit

Das erfährt, wer im Proviantmagazin das Mainzer Fastnachtsmuseum erkundet. Die Geschichte der Fastnacht steht hier im Mittelpunkt, insbesondere jüngeren Menschen sollen die Hintergründe des Aufbegehrens gegen militärische und politische Repressalien nahe gebracht werden: Das Museum versteht die Brauchtumspflege als Kulturauftrag.

Fastnachtsmuseum
In 50 Glasvitrinen wird die Geschichte der Mainzer Fastnacht gezeigt

Mehr als 400 Quadratmeter Ausstellungsfläche und etwa 50 Glasvitrinen bestücken und betreuen die Ehrenamtlichen. Der historische Überblick beginnt mit dem Vorläufer des ersten Rosenmontagszugs, dem Krähwinkler Landsturm 1837 und reicht bis in die Jetztzeit.

Auf einer großen Leinwand sind als Endlosfilm ohne Ton die alten Rosenmontagszüge zu sehen - vor dem 1. Weltkrieg, während der Nazizeit und nach dem 2. Weltkrieg in der zerbombten Stadt. In ihren den Preu­ßen und Österreichern nach­geahmten Uniformen stehen Gardisten zwischen Vitrinen mit Orden, die militärischen Dienstgrade verkünden ihren Rang - und veräppelten gleichzeitig deren ursprüngliche Träger.

Kokolores und Politisch-literarisches

Fastnacht Annodazumal
Fastnacht Annodazumal: Im Rosenmon­tagszug (hier 1966) zogen Pferde die Komiteewagen am Hauptbahnhof vorbei

Die Kritik an militärischer Besatzung wie an politischen Verhältnissen ist ein Uranliegen der Mainzer Fastnacht. Nachzulesen u.a. in der 1841 erstmals erschienen »Narhalla« und der ab 1844 erschienen »Neuen Mainzer Narrenzeitung«.

In Führungen verweisen die Ehrenamtler im Fastnachtsmuseum auf die historischen Wurzeln, können die Geschichten der »Zugplakettcher« ebenso erklären wie den Verlauf der Rosenmontagszüge.

Wer sich einzelnen fastnachtlichen Gepflogenheiten widmen möchte, kann sich beispielsweise die Fernseh-Sitzungen ab 1955 mit all den aus diesen Zeiten bekannten Fastnachtsgrößen zu Gemüte führen: 13 DVD-Player mit Kopfhörer wecken die Lieder von Ernst Neger und Margit Sponheimer ebenso zum Leben wie die Vorträge von Herbert Bonewitz und Willi Scheu als Bajazz, oder die Sticheleien von Rolf Braun als Sitzungspräsident. Praktisch: die DVDs sind unterteilt in Kokolores und Politisch-Literarisches - so vermag jeder nach seinem Geschmack schmunzeln.

Jugendmaskenzüge im Kindergewölbe

Toni Hämmerle, Margit Sponheimer und Ernst Neger
Toni Hämmerle, Margit Sponheimer und Ernst Neger waren die musikalischen Aushängeschilder der Wiederaufbaujahre

Auch die Jüngsten können den Spuren Mainzer Fastnacht folgen und sich im Kindergewölbe auf dem großen Bildschirm Jugendmaskenzüge und Ausschnitte aus »Jugend in der Bütt« anschauen.

Heimat an historischem Ort

Kindern und Jugendlichen gilt ein besonderes Augenmerk des Fastnachtsmuseums. Sie sollen das Brauchtum erkunden, beim Basteln von Masken und in Schminkkursen erfahren sie Hintergründe und ursprüngliche Absichten solcher Maskeraden.

Gerne greifen Kindergärten auf das Angebot der Ehrenamtler für spezielle Kinderführungen zurück. In den Sommerferien locken im Rahmen der Ferienkartenaktion besondere Angebote.

Fastnacht Annodazumal
Herbert Bonnewitz ein Kokolores-Urgestein. (Fotos: Klaus Benz)

Ob Firmenfeiern, Geburtstage oder Jubiläen: Dass das Fastnachtsmuseum im Proviantmagazin beheimatet ist, verweist auf die Funktion von Mainz als Bundes­festung und die Neuordnung der Fastnacht von 1836.

Gleichzeitig weckt der Blick aus der »Fastnachts­stube« des Lokals bei manchen Gästen direkt den Wunsch, in die Welt der Mainzer Fastnacht einzutauchen.

| SoS

www.mainzer-fastnachtsmuseum.de

Aktuelle Sonderausstellung:
»50 Jahre Freundschaft Mainzer Carneval-Club / Narrenverein Seegockel, Friedrichshafen«

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