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Führungen in Rheinhessen

Gebäude und Stolpersteine zum Sprechen bringen

Inmitten des rheinhessischen Hügellandes liegt die 4.000 Einwohner zählende Gemeinde Sprendlingen. Urkundlich erwähnt vor mehr als 1.200 Jahren lässt sich Dank des Engagements der Bürger dieser Gemeinde ein Stück rheinhessische Geschichte (nach-) erleben.

Sprendlingen Rathaus
Sprendlinger Rathaus

An der Wißberghalle geht es los. Der große Parkplatz dort ist ideal für Gäste, die mit dem Auto anreisen. Rainer Böß stattet sie zuerst mit einem aktuellen und einem historischen Stadtplan aus - so lässt sich das alte im neuen Sprendlingen gut nachvollziehen.

Ein »historischer Rundgang mit Stolpersteinen« - so lautet der Titel der Ortsbesichtigung, die Rainer Böß am 27.11. um 18 Uhr in Sprendlingen anbietet. Böß orientiert seinen Rundgang an den Tafeln, die an markanten Punkten in der rheinhessischen Gemeinde über deren mehr als 1.200-jährige Geschichte informieren.

Tresor
»Tresor« mit der Bob­fahrenden Deutschen Weinkönigin 2011/2012 Anika Strebel aus Rhein­hessen

Dazu gehören das historische Rathaus, die evangelische Michaelis-Kirche und die katholische Kirche St. Michael, der 1870 erbaute Bahnhof (an dem heute noch Regionalbahnen halten!), Böß erzählt von den ortsansässigen Schulen und Mühlen, erklärt den Verlauf des ehemaligen Schutzwalls mit seinen Pforten rund um die Gemeinde.

Zum Abschluss in den »Tresor«

Leider, so bedauert der »Fremdenführer«, der auch als Kultur- und Weinbotschafter für den Ort im Kreis Mainz-Bingen unterwegs ist, gibt es noch keine gedruckte Zusammenstellung dieser Infos. Rainer Böß erledigt die Wissensvermittlung also vorerst mündlich.

Auf seinem Rundgang entlang der historischen Bauwerke verweist er auch auf die Stolpersteine, die an die ermordeten jüdischen Mitbürger Sprendlingens erinnern. Zwischen 2009 und 2012 hatte der Kölner Künstler Gunter Demnig auf Einladung der Sprendlinger zwölf Stolpersteine verlegt.

Stolpersteine
Erinnerungen an jüdische Mitbürger

Insgesamt zwei Stunden soll der Rundgang dauern, sagt Böß, zum Abschluss gibt es im »Tresor« Schmalzbrote und Schoppen (oder Traubensaft und Wasser).

Auch dieser »Tresor« hat seine eigene Geschichte: es handelt sich um die ehemalige Sparkasse in Sprendlingen, die in Zusammenarbeit mit den Bürgern umgewandelt wurde. Sie beherbergt Kommunikations­zentrum, Mehrgenerationenhaus, Kulturstätte, ein von den Nutzern selbstverwaltetes Café - und den alten Tresor als augenfälliges Merkmal im großen Veranstaltungssaal.

Geld verdienen mit der Sonne

Michaelis-Kirche
Evangelische Michaelis-Kirche

Sprendlingen hat noch einiges mehr zu bieten - auch in der kälteren Jahreszeit, lässt es sich hier gut wandern und radeln: entlang des Wiesbachs, rund um den Wißberg, hinein ins rheinhessische Hügelland oder ins benachbarte Nahetal. Auf eigene Faust lässt sich die Geschichte Sprendlingens auch im Heimatmuseum entdecken.

Essen und Trinken wird in dieser weinbautreibenden Gemeinde natürlich besonders groß geschrieben, der Blick ins Unterkunfts- und Gaststättenverzeichnis auf der Webseite (www.sprendlingen.de) hilft das passende zu finden.

Tresor
Heimatmuseum
(Fotos: Rainer Böß)

In Sachen regenerative Energieerzeugung sind die Sprendlinger bundesweit ebenfalls bekannt: 2009 wurde ein Solarpark als Bürgerenergiepark eingeweiht und 2010 erweitert. Damit verdienen private Anleger als Teilhaber an der Betreiber­gesellschaft SolarStrom-DZwei KG, einer Beteiligungs­gesellschaft der GEDA-Ingelheim, Geld mit der Sonne.

| SoS

www.sprendlingen.de

Historischer Ortsrundgang
in Sprendlingen mit Stolpersteinen
Mittwoch, 27.11.13, 18 Uhr
Anmeldung erforderlich, 10 Euro/Pers
Kontakt: Rainer Böß, Tel. 06701/2005058
rainer-boess@t-online.de