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Fastnacht

Mainzer Fastnacht als Weltkulturerbe?

Im Juli ist Deutschland dem UNESCO-Abkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes beigetreten. Auch die Mainzer Fastnacht könnte unter den Schutz des Abkommens gestellt werden. DER MAINZER sprach darüber mit dem amtierenden Kulturpreisträger der Deutschen Fastnacht, Günter Schenk.

Günter Schenk
Günter Schenk
Viele Mainzer halten ihre Fastnacht für etwas ganz besonderes. Die waren natürlich Feuer und Flamme, als sie hörten, es gäbe ein neues Gütesiegel. Auch Sie?

Schenk: Natürlich hat die Mainzer Fastnacht ein solches Prädikat verdient. Im Moment aber geht es um die deutsche Fastnacht als ganzes. Ich halte nicht viel davon, wenn jetzt alle Vereine Anträge zur Aufnahme ins Weltkulturerbe stellen. Da hat ein gemeinsamer Antrag aller deutschen Fastnachtsmetropolen größere Chancen, dem Kulturgut Fastnacht den Stellenwert zuzuschreiben, den es verdient.

Welche Hürden muss man nehmen, um den Weltkulturerbe-Titel zu erhalten?

Fastnachtsumzug Schenk: Die erste Qualitätshürde sind zwei Empfehlungsschreiben, die dem Antrag beigefügt werden müssen. Eingereicht wird er dann bei der Landesregierung. Schließlich ist Kultur in Deutschland Ländersache. Jedes Land darf maximal zwei Empfehlungen an die Kultusministerkonferenz weitergeben.

Und dann?

Schenk: Darf man hoffen, dass man zu den beiden Kandidaten gehört, welche die zuständige Landesregierung für die nationale Liste nominiert hat. Aus den bis zu 32 Vorschlägen der Bundesländer siebt eine nationale Expertenkommission der UNESCO schließlich ihre Favoriten. Die legt sie der Kultusministerkonferenz voraussichtlich im Herbst 2014 zur endgültigen Entscheidung vor. Über das Auswärtige Amt gehen sie dann an die UNESCO, die über die Welterbeliste entscheidet.

Worauf gründet sich Ihre Hoffnung, dass die Fastnacht schon bald ihren Weg auf die UNESCO-Liste findet?

Fastnachtsumzug Schenk: Es gibt im Bewerbungsverfahren eine Möglichkeit, die länderübergreifenden Bräuchen größere Chancen einräumt. So kann jedes Bundesland neben regionalen auch zwei überregionale Vorschläge einreichen. Wenn also im Idealfall alle 16 Bundes­länder die Fastnacht auf Ihre länderübergreifende Vorschlagsliste setzen, kann man dieses Votum eigentlich nicht beiseite lassen.

Wann werden sich die Narren denn frühestens mit dem neuen, internationalen Gütesiegel schmücken können?

Schenk: Vor 2015 braucht man daran nicht zu denken. Und auch dann kann es sein, dass man den Vorschlag aus formalen oder anderen Gründen erst einmal zurückweist. Langfristig aber sehe ich keinen Grund, der deutschen Fastnacht mit ihrer Jahrhunderte langen, durchgängigen Tradition auf Dauer das ranghöchste Gütesiegel zu verweigern.

Und die Mainzer Fastnacht: Verdient die nicht einen eigenen Titel?

Schenk: Natürlich! Aber auch da gilt es, behutsam vorzugehen. Da sollte auch nicht jeder Verein einen Antrag stellen, sondern alle Mainzer Narren gemeinsam. Wer in ihrem Namen den Antrag stellt, muss man ausloten. Da sind Garden und Sitzungsvereine gefragt, sich an einen runden Tisch zu setzen und das Procedere zu besprechen.

Welche Stolpersteine kann denn eine Bewerbung für die Mainzer Fastnacht haben?

Fastnachtsumzug Schenk: Folklorismus, übertriebene Kommerzialität und anderes unterstützt die UNESCO nicht. Zwar ist man nicht grundsätzlich dagegen, Bräuche auch touristisch stärker zugänglich zu machen, aber da bedarf es gründlicher Planung und genauer Absprachen. Auch Exklusivverträge mit einzelnen Medien oder kommerziellen Anbietern, was die Vermarktung der Bräuche angeht, sieht man bei den Jury-Mitglieder nicht gern.

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