Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

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Analphabetentum

AlphaNetz: Ein guter Anfang

Lese- und Schreibfähigkeit (Literacy) sind Schlüsselkompetenzen. Sie ermöglichen das Verständnis der Welt und das Miteinander der Menschen, sind Voraussetzungen für die Teilhabe an Wissen und ­Bildung sowie die Basis für die selbständige Nutzung aller Informations- und Kommunikationsmedien.

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Bundesweit können 7,5 Millionen Erwachsene keine zusammenhängenden Texte schreiben oder alltägliche Texte, wie Speisekarten, Briefe oder Fahrpläne lesen - sie gelten als funktionale Analphabeten.

Diese Zahl ermittelte die leo. Level-One Studie der Universität Hamburg. Analog dazu errechnet haben etwa 350.000 Rheinland-Pfälzer Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben, in Mainz sind es schätzungsweise rund 17.600 Mitbürger. Nur ein Bruchteil der Betroffenen wird durch die Angebote der Erwachsenenbildung erreicht.

Förderung des Modellprojektes

Angesichts dieser Situation hatte das Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur (MBWWK) des Landes Rheinland-Pfalz im April 2011 einen Trägerverbund aus der Evangelischen Landesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung in Rheinland-Pfalz e.V., der Landesarbeitsgemeinschaft ,anderes lernen' e.V. und dem Verband der Volkshochschulen von Rheinland-Pfalz e.V. beim Aufbau des Modellprojektes AlphaNetz gefördert.

Guter Anfang in die richtige Richtung

Sieben Koordinierungsstellen entstanden, die in ländlichen und städtischen Regionen von Altenkirchen im Norden über Mainz bis zur Südwestpfalz Aktivitäten auf die Beine stellten, um funktionale Analphabeten besser zu erreichen und Lernangebote speziell an deren Bedürfnissen auszurichten.

Die entsprechenden Maßnahmen wurden je nach Standort unterschiedlich ausgerichtet. In der Landeshauptstadt übernahm die Volkshochschule Mainz (VHS) diese Aufgabe und sprach gezielt Multiplikatoren aus verschiedenen sozialen Bereichen an.

»Uns war es wichtig, diese Personengruppe auf das Thema Analphabetismus aufmerksam zu machen. Über sie erreichen wir auch die Betroffenen«, erklärt VHS-Abteilungsleiterin für Sprachen Gundel Schliephake. In diesem Sinne wurden Sensibilisierungsveranstaltungen in Einrichtungen wie das Jobcenter, die Arbeitsagentur und der Neustadtgruppe organisiert.

Am 31. Oktober lief die Landesförderung für AlphaNetz jedoch aus. Netzwerkkoordinatorin Schliephake zieht Bilanz: »Das Projekt war ein guter Anfang in die richtige Richtung und ein wesentlicher Schritt, aber nun muss es weitergehen, zum Beispiel wie sieht die Finanzierung der Kurse für diese Menschen aus, und wie kommt man weiter an sie ran.«

Sehr gutes Hilfsangebot

Denn der Schritt zum erneuten Lernen im Erwachsenenalter ist schwer, besonders wenn Alltagssorgen belasten und gleichzeitig ein ermutigendes Umfeld fehlt. Viele der Betroffenen empfinden Scham und entwickeln Strategien, ihre Schwäche zu verbergen. »Früher konnten sie sich gut überall durchschlängeln. Jemand, der etwa im Lager gearbeitet hat, kam zurecht. Es ist erstaunlich, was sie sich diese Menschen merken können. Aber mit der Ausweitung des IT-Bereichs im Berufsleben wird es immer schwieriger«, meint Schliephake.

Das bedeutet eine starke Begrenzung der Möglichkeiten, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben und reduzierte Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt. Dabei ist es nie zu spät zum Lernen, denn bundesweit gibt es ein sehr gutes Angebot an Hilfen für unzureichend alphabetisierte Menschen. Auch die VHS stellt bei Nachfragen neue Sprachkurse zusammen, erwähnt Schliephake. »Wer Interesse hat, seine Kenntnisse in Lesen und Schreiben in Deutsch als Muttersprache zu verbessern, der kann sich gerne bei uns melden.«

| KH

VHS Mainz:
www.vhs-mainz.de
Tel. 06131 2625-130
AlphaNetz:
www.alpha.rlp.de
leo - Level-One Studie:
http://blogs.epb.uni-hamburg.de/leo/