Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

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Werkstatt für Behinderte

Professionelle Arbeitsplätze für besondere Anforderungen

1967 formierte sich die WFB GmbH, die 964 aus einer Initiative von Sonderschullehrern entstand. Ihr Konzept, Menschen mit Behinderungen zu beschäftigen, überschreibt sie mit »Leben und Arbeiten nach dem Normalitätsprinzip«.

WFB in Nieder-Olm
WFB am Standort in Nieder-Olm

Hoch konzentriert schleift René Albrecht das Holz ab, und überprüft noch mal genau, ob er auch keine Stelle ausgelassen hat. »Ich brauche nur fünf Minuten dafür. Es macht mir Spaß, das Holz zu bearbeiten und den Ständer zusammenzubauen«, sagt er und wirkt dabei zufrieden.

Je nach Auftragslage erstellt der 23-Jährige für die Firma Ditsch ungefähr 100 Brezelständer pro Monat in der WFB Fertigung & Service, Werkstätten für behinderte Menschen Mainz (WFB). Seit 2008 ist er Teil dessen Tischlerteams, in dem er acht Stunden täglich gegen Lohn arbeitet. »Alle Menschen bei uns haben eine diagnostizierte geistige Behinderung, die manchmal stark und manchmal latent ausgeprägt ist«, erklärt WFB-Geschäftsführer Michael Huber. Dementsprechend erhalten sie unterschiedliche Aufgaben in verschiedenen Arbeitsgebieten. »Wir versuchen den Menschen so einzusetzen, dass er sich wohlfühlt und sich wiederfindet.«

Modernes Sozialunternehmen

WFB Tischler
René Albrecht fertigt im Tischler­team der WFB am Standort in Nieder-Olm nicht nur Produkte für Ditsch, sondern auch im Auftrag anderer Firmen.

Von Montage- und Verpackungsarbeiten über die Aktenvernichtung bis hin zur Autowäsche und Gartenpflege bietet die WFB ihre Dienstleistungen an. Insbesondere letztere könnte stärker ausgebaut werden, so Huber: »Die Nachfrage ist enorm, aber wir haben nicht genügend belastbare Personen dafür.« Konzeptionell und organisatorisch ist die ISO-zertifizierte WFB ein modernes Sozialunternehmen, Gewinne werden reinvestiert und Kunden regelmäßig akquiriert.

Diese schätzen, laut Betriebswirt Huber, neben der »sehr guten Qualität« die guten Preise, doch letztlich müsse »die Kombination stimmen.« Denn ohne die Ausbreitung des sozialen Gedankens bei vielen Firmen in den vergangenen Jahren wäre das Interesse an der Einrichtung nicht so groß.

Diesem Weg folgte auch die Mainzer Brezelbäckerei Ditsch, als sie die Zusammenarbeit mit der WFB vor über 15 Jahren startete. »Wir möchten gezielt Einrichtungen wie die WFB unterstützen, und zugleich achten wir darauf, dass wir auf Dienstleister aus der Region zurückgreifen«, erläutert Alfred Kienast, Mitarbeiter im Einkauf, die Wahl der Stätte »Obwohl die WFB sehr günstig arbeitet, merkt man keinen Unterschied bei den Produkten. Die Brezelständer sind sogar besser als solche von normalen Anbietern.« Auch ihre Berufswäsche lässt Ditsch bei der WFB reinigen und bei Werbeaktionen bis zu 500.000 Coupons zählen und sortieren. Aufträge, die wichtig sind, um Menschen mit Behinderung die Möglichkeit zu geben, sich so zu qualifizieren, dass sie am Arbeitsleben teilhaben können - nicht nur in der WFB, sondern ebenso in anderen Firmen und Institutionen etwa in Praktika oder Jobs.

Weitgehend selbstbestimmt

Doch die Mehrheit der Mitarbeiter bleibt in der WFB und profitiert von deren breiten Angebot: Allein 600 Menschen mit Behinderung sind in den beiden Werkstätten an den Standorten Mainz und Nieder-Olm tätig, 30 Schwerstbehinderte und Pflegebedürftige werden in der Tagesförderstätte betreut und im Ambulanten Wohnen führen 100 Personen, von denen fast alle bei der WFB angestellt sind, ein weitgehend selbstbestimmtes Leben. Die Bereiche Arbeiten, Fördern, Wohnen, Bildung und Begleitung sowie Verwaltung werden zudem von 215 Fachkräften unterstützt.

| KH

www.wfb-mainz.de