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Politik

MOGUNZIUS
STADTSCHREIBER DES MAINZERS

Nach der Wahl ist vor der Wahl: In Mainz wird es im nächsten Jahr spannend.

Die Bilder der Bundestagswahl mögen schon nach wenigen Tagen bei vielen Betrachtern verblasst sein. Die Folgen indes werden auch in Mainz erst noch spürbar. Ob der politische Richtungswechsel in Hessen den gebeutelten Rheinhessen weniger oder am Ende mehr Fluglärm beschert, bleibt abzuwarten. Es muss sich erst noch herausstellen, ob die neue hessische Regierung mit der Fraport auf Augenhöhe verhandelt oder die bisher praktizierten Anflugrouten endgültig in für Mainz lärm-intensiveren Zement gießt.

Ganz klar vom CDU-Trend im Bund getragen wurde Ursula Groden-Kranich, die im ersten Anlauf ihren SPD-Mitbewerber Michael Hartmann düpierte und den Mainzer Wahlkreis direkt holte. Eine faustdicke Überraschung, hatte doch die CDU-Frau ausgerechnet in eigenen Reihen schärfste Widersacher, die sich über Program­matik und Plakate relativ offen mokierten. Doch die Frau aus Hechtsheim hat's geschafft - vielleicht schwang die Thematik Fluglärm im Hintergrund mit. Jetzt muss die Mainzer Bundestags-Debütantin dieses Reizthema vielleicht auch mit Berliner Rückenwind schärfer angehen.

Feder

Zudem hat Groden-Kranich ihrer zuletzt auf kommunaler Ebene gebeutelten CDU endlich ein Erfolgserlebnis verschafft. Das gibt Auftrieb für die Kommunalwahl im nächsten Jahr, in die die Union als stärkste, aber auch am wenigsten einflussreichste Partei im Mainzer Stadtrat startet. Aus allen Ämtern gekegelt muss die CDU jetzt versuchen, der Rathaus-Ampel aus SPD, Grünen und FDP ihr Licht - sprich ihren Strom - zu entziehen.

Angeschlagen ist in Mainz auch die FDP, nachdem ihr Spitzenkandidat aus der Domstadt ein Desaster erlebt hat: Rainer Brüderle hat als liberales Urgestein sein größte Niederlage erlitten, und nun muss sich auch die liberale Partei in Mainz im Blick auf die Wahl 2014 berappeln. Erneuert hat sie sich schon, so dass es jetzt um Inhalte geht. Vielleicht kann die FDP kommunal eher punkten als auf der Bundesbühne.

Die beiden Mitstreiter der Ampel müssen auch Wunden lecken: Bei den Grünen fetzte es nach der Bundestagswahl gleich richtig los, und die SPD schien eher den Eindruck zu machen, dass man froh war, nun sei alles vorbei. Auch das Projekt Steinbrück. Vor diesen Vorzeichen wird die Mainzer Kommunalwahl mindestens so spannend wie die Merkel-Festspiele im September 2013.

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