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Mainzer Kopf

Mit Klassik und Jazz gegen MPS

Sie lebt seit zehn Jahren mit der Krankheit - ohne selbst krank zu sein: Ihr Bruder ist an MPS erkrankt. Charlotte Mengel, Studentin am Peter Cornelius Konservatorium, organisiert nun ein Benefizkonzert, um Gelder für die Erforschung der Krankheit zu sammeln.

Charlotte Mengel »Mein Bruder ist schwerbehindert.« Dieser Satz, so schwer er wiegt, beschreibt eine Tatsache, die, begleitet von Charlotte Mengels offenem und freundlichem Lächeln, ganz selbstverständlich wirkt.

Bis zu seinem 17. Lebensjahr habe sich ihr Bruder Maximilian (Foto unten) ganz normal entwickelt, sagt die 22-Jährige. Dann wurde MPS (Mukopolysaccharidose) Typ I, Hurler Scheie diagnostiziert.

In wenigen Worten fasst Charlotte Mengel zusammen, wie diese Krankheit wirkt: Es fehle ein Enzym, deshalb komme es zu Ablagerungen in den Zellen bis hin zum Zellabbau und Zelltod, einhergehend mit entsprechenden motorischen und geistigen Einschränkungen.

Nach vielen OPs musste Max Vieles neu lernen - zehn Jahre nach der Diagnose schreibt er seiner Schwester wieder Karten und spielt leidenschaftlich Tischtennis.

»Mein Bruder ist noch immer motorisch sehr begabt, aber er durchlebt auch Phasen, wo man nicht mit ihm reden kann, dann ist er sehr verwirrt und man muss ihm genau sagen, was er machen muss.«

Musik und Therapie

Charlotte Mengel »Tragisch« nennt sie diese Entwicklung auch, weil Max ein ganz normales Leben kennen gelernt habe. Aber Charlotte Mengel bekennt auch mit dem ihr eigenen feinen Lächeln: »Wir sind eine sehr positiv eingestellte Familie.« Die Eltern kämen mit diesen Lebensumständen gut zurecht. Max sei oft ein guter Unterhalter, witzig, man führe ein ganz normales Leben und laufe nicht rund um die Uhr bedrückt durch den Alltag: »Wir sind sehr offen, sprechen aus, was Sache ist, das erleichtert Vieles.«

Charlotte Mengel, geboren auf der Insel Föhr und über Marburg nach Mainz gekommen, ist mit Musik groß geworden. Zu Hause wurde und wird musiziert. Bruder Max spielte ursprünglich Trompete, krankheitsbedingt stieg er aufs Schlagzeug um. Charlotte, als Kind gefragt, welches Instrument sie spielen wolle, erinnert sich ganz selbstverständlich geantwortet zu haben: »Geige!«

Warum, das weiß sie bis heute nicht, aber die Geige begleitet sie seither durch ihr musikalisches Leben.

Seit zwei Jahren studiert Charlotte Mengel am Mainzer Peter Cornelius Konservatorium, parallel dazu noch an der Mainzer Uni Französisch und Philosophie, aber: »Die Geige hat Priorität!«

Ob das so bleibt, ist nicht ganz sicher. Nach dem Abitur hatte ein Praktikum bei der Lebenshilfe e.V. ihr Interesse an der therapeutischen Arbeit geweckt, dennoch entschied sie sich für das Musikstudium. Musik und Therapie als Beruf zu verbinden geht ihr seither aber nicht mehr aus dem Kopf.

»Ich hatte nichts zu verlieren«

Für den 19. Oktober hat Charlotte Mengel ein Benefizkonzert zugunsten der MPS-Gesellschaft e.V. organisiert. Im Saal des PCK spielen Freunde von den Musikhochschulen zu Weimar und Würzburg und Dozenten der Universität Mainz sowie des Peter Cornelius Konservatoriums klassische Stücke. Den zweiten Teil bestreiten Jazz-Kompositionen (Musikhochschule Mainz) und Singer Songwriter aus dem Großraum Mainz.

Bei vielen Sponsoren, darunter der Lotto-Stiftung Rheinland-Pfalz, habe sie mit dieser Idee offene Türen eingerannt, erinnert sich die Geigerin erstaunt und zugleich beglückt. »Vielleicht lag es an meiner Haltung, ich hatte ja nichts zu verlieren.« Den Eltern erzählte sie erst davon, als fast alles in trockenen Tüchern war, Bruder Max ist natürlich Ehrengast.

| SoS

Benefizkonzert: am 19. Okt. 2013 ab 19 Uhr
im Peter Cornelius Konservatorium Mainz
Karten zu 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro
können vorbestellt werden:
charlotte-mengel@web.de