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Rheinhessen

Wasserkämpfe auf der Nahe

Zwei Lanzenkämpfer stehen sich in schaukelnden Kähnen gegenüber und wollen nur eins: Den Gegner ins kühle Nass befördern. Ein Szenario, das am ersten Septemberwochenende in Bad Kreuznach kein Einzelfall sein wird: der Verkehrsverein lädt zum 30. Fischerstechen ein.

Fischerstechen
Das Fischerstechen auf der Nahe: ein Volksfest in Bad Kreuznach

Ursprünglich sollte das Volksfest, das 1982 zum ersten Mal stattfand, an die lange Tradition der Nahefischer in Bad Kreuznach erinnern. Diese nahm 1975 ein abruptes Ende, als das Boot des letzten aktiven Nahefischers einem Diebstahl zum Opfer fiel. Das Boot blieb verschwunden, doch sieben Jahre später wurde mit dem Fischerstechen eine neue Tradition aus der Taufe gehoben.

Zum diesjährigen Jubiläumsfest zwischen dem 5. und 8. September wird die Nahe vor der Roseninsel erneut zur Wettkampfarena der Fischerstecher deklariert - und wartet darüber hinaus mit einer waschechten Premiere auf: »Zum ersten Mal wird in diesem Jahr ein Drachenbootrennen stattfinden«, erzählt Melek Cetin vom Organisationsteam des Fischerstechens.

Die verzierten Boote mit bis zu 16 Mann Besatzung werden am Donnerstag, 5. September gegeneinander antreten: wie für Drachenboote üblich im Takt der Trommeln und unter Anfeuerungsrufen der Steuermänner.

Von Freitag bis Sonntag stehen die Wettkämpfe der Fischerstecher auf dem Programm. Die teilnehmenden Mannschaften werden in verschiedene Gruppen eingeteilt, innerhalb derer sie gegeneinander antreten. Sieben Minuten haben die Kontrahenten Zeit ihren Gegner mit Hilfe einer Lanze vom Kahn zu schmeißen. Gelingt dies, erhält das Siegerteam drei Punkte. Bei einem Unentschieden bekommen beide Teams einen Punkt.

Die Finalrunde am Sonntag wird schließlich zwischen den beiden Mannschaften ausgetragen, die in der Gruppenphase die meisten Punkte gesammelt haben.

Die Neustadt ist Altstadt

Sportliche Spektakel sind am ersten Septemberwochenende in Bad Kreuznach also garantiert, doch auch kulturell lohnt sich ein Abstecher in die Nahestadt. Kurioserweise muss man in Bad Kreuznach den Schildern Richtung Neustadt folgen um die Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern und engen Gassen zu entdecken.

Kelten und Römer

Die Siedlung entstand bereits im 13. Jahrhundert, als sich um die neu errichtete Kauzenburg erst einige Häuser und schließlich eine ganze Stadt entwickelte. Im Vergleich zu den ersten Bad Kreuznacher Niederlassungen, die bereits in der Keltenzeit auf der anderen Seite der Nahe belegt sind und die in der Römerzeit weiter ausgebaut wurden, ist der Begriff Neustadt für den im Mittelalter entstandenen Teil der Stadt rund um die Kauzenburg also durchaus nachvollziehbar.

Dass Bad Kreuznach keltischen Ursprungs ist lässt sich heute noch im Namen der Stadt erkennen, der nicht auf das christliche Symbol zurückzuführen ist, sondern höchstwahrscheinlich auf den Namen des Ortsgründers Crucinius zurückgeht. D ie Römer machten daraus kurzerhand Cruciniacum, was sich wiederum im Laufe der Jahrhunderte in Kreuznach umwandelte.

Doch nicht nur phonetisch haben sich die Römer in Bad Kreuznach verewigt: Kunstvolle Gladiatorenmosaike, die heute in der römischen Villa in Bad Kreuznach zu sehen sind, erinnern an die brutalen Wettkämpfe, die in den Amphitheatern des römischen Reiches ausgetragen wurden.

Der blutige Ernst dieser Wettkämpfe spiegelt sich glücklicherweise nicht beim Fischerstechen wieder: Hier steht klar der Spaß im Vordergrund.

| Katrin Henrich

www.fischerstechen-badkreuznach.de